Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Weihnachtsfeiertag.
Unseren heutigen Predigttext finden wir im Hebräerbrief, Kapitel 1, die Verse 1-3. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Nachdem Gott vorzeiten vielfach unf auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe.

Liebe Gemeinde,

auch wenn es sich um einen relativ kurzen Text handelt so beschreibt er durch die gesamte Geschichte Gottes mit den Menschen und könnte uns heute am 2. Weihnachtsfeiertag als ein Summary zu Weihnachten erscheinen.

Gottes Geschichte mit den Menschen vollzieht sich dabei in drei Akten.
Lassen Sie uns diese Akte heute ein wenig näher betrachten.

Erster Akt

Die Schöpfungsgeschichte ist uns allen ja sicherlich bestens bekannt.
Gott hat uns Menschen zu seinem Bilde geschaffen. Wer sich noch an die gute alte Fotografie erinnert, der kennt sie sicherlich noch, die Negative. Wir sind im positiven Sinne gemeint diese Negative, sind also ein direktes Abbild Gottes.

Nur mal so nebenbei bemerkt: Alle Menschen, denen wir auf dieser Erde begegnen, sind Ebenbilder Gottes. Also haben wir keinen Anlass oder Grund auch nur einen einzigen Menschen auf Erden despektierlich zu behandeln.

Nun kam aber etwas, das eigentlich nicht hätte passieren sollen, nämlich der Sündenfall. Indem der Mensch sich bewusst gegen Gott entschied, sorgte er selber für eine Trennung von seinem Schöpfer. Man hört ja oftmals die Veführungstheorie und dass es gar nicht anders hätte sein können als es eben war. Liebe Gemeinde, auch bei einer noch so raffinierten Verführung liegt die letzte Entscheidung immer noch bei dem, der verführt werden soll.

Gott liebte seine Geschöpfe aber weiterhin, nur konnte er niemanden in seiner Gegenwart dulden, der mit Sünden behaftet war. In der vollkommenen Reinheit Gottes darf es keine Sünde geben. Also war der Weg zurück für den Menschen erledigt. Sein Schicksal schien ein für alle Male und alle für alle Zeiten besiegelt zu sein.

Zweiter Akt

Gewiss sann Gott darüber nach, wie er den Menschen wieder zur Umkehr und Buße bewegen kann. Also beauftragte er ganz normale Menschen, denen er seinen Geist einhauchte damit, den Menschen den Weg zurück zu Gott aufzuzeigen.

Allerdings hörten die Menschen nicht auf die Propheten. Im günstigsten Falle wurden sie verhöhnt und verlacht. Im weniger günstigen Falle brachte man sie einfach um. Warum eigentlich ? Nun, sie brachten den Menschen eine unbequeme Botschaft, nämlich die Botschaft der Wahrheit.

Auch wenn wir heute keine Menschen mehr umbringen ist vielen Menschen auch heutzutage die Wahrheit immer noch recht unbequem. Heutzutage machen wir es etwas eleganter mit der Wahrheit. Wenn wir sie nicht hören wollen, hören wir einfach weg. Oder aber wir erklären die Wahrheit als eine Wahrheit unter vielen gleich gültigen Wahrheiten. Das machen wir besonders gern in Glaubensdingen.

In wenn alles gleich gültig ist, dann wird die Sache mit dem Glauben auch den meisten Menschen gleichgültig.

Also halten wir es mal ganz pragmatisch fest: Die Sache mit den Propheten hat nicht geklappt. Aber da Gott erfinderisch ist, gab es noch den

Dritter Akt

Gottes Botschaft kam also nicht bei den Menschen an. Gott musste also eine Möglichkeit schaffen, dass die Menschen seinen Aufruf zur Rückkehr endgültig verstehen. Und jetzt muss ich ein Beispiel des von mir überaus geschätzten Roland Werner aus Marburg nehmen:

Denken wir einem an einen Ameisenhügel. Millionen von Ameisen wohnen darin und begehen immer die gleiche Ameisenstraße. Es ist sehr interessant, diesem Gewusel, was aber trotzdem geordnet vonstatten geht, zuzusehen.

So, und jetzt beschließt die Landesregierung, direkt im Verlauf der Ameisenstraße eine gewöhnliche Autostraße zu bauen. Die Ameisen müssten eigentlich jetzt gewarnt werden und man müsste ihnen einen anderen sicheren Weg aufzeigen. Wir könnten uns natürlich vor den Ameisenhaufen setzen und den Ameisen die gesamte Sachlage erklären. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass wohl keine Ameise uns verstehen wird.

Um die Ameisen wirklich nachhaltig warnen zu können, gibt es nur eine
Lösung: Wir müssten selber zur Ameise werden. Wir sprechen dann ihre Sprache und können unter dem Ameisenvolk die Botschaft kundtun, dass sie auf dem falschen Wege sind und dass es einen anderen Wege gibt, der ihr Leben errettet.

Und genau dies tat Gott. Er kam als Kind in der Krippe auf diese Erde.
Er sprach unsere Sprache und er sprach sie so vollmächtig, dass nahezu jeder, der mit ihm in Berührung kam, aus dieser Begegnung vollkommen verändert zurückkam.

So ist es auch heute noch, liebe Gemeinde. Jeder, der einmal ernsthaft mit Jesus in Berührung gekommen ist, lebt hinterher anders als zuvor.
Auch heute noch verändert unser Herr unser Leben, wenn wir ihn denn gewähren lassen.

Aber der Weg sollte ja noch weiter gehen. Jesus konnte zwar den Weg zu Gott aufzeigen, aber das Sündenproblem bestand ja weiterhin. In den Himmel kommen nur sündlose Menschen. Das sind nicht Menschen, die niemals sündigen, die gibt es ja auch gar nicht, aber das sind die Menschen, die eine Institution gefunden haben, die ihnen ihre Sündenlast abnimmt.

Und das tat das Kind in der Krippe am Karfreitag. Er, der vollkommen sündlos war, starb ein meiner und an Deiner und an unser aller Stelle am Kreuz. Der Preis der Sünde ist der Tod. Und diesen Preis hat der Herr Jesus am Kreuz für uns alle bezahlt.

Und das galt nicht nur vor 2000 Jahren, das gilt bis heute weiter. Wenn wir unsere Sünden bereuen, dann können wir sie dem Herrn Jesus zur „Entsündigung“ überbringen. Wenn wir dies tun, dann sind wir vor Gott sündfrei. Und dieses Gnadengeschenk können wir alle Tage wieder für uns in Anspruch nehmen.

Ist das nicht das schönste Weihnachtsgeschenk, welches uns das Kind in der Krippe machen kann ? Ich jedenfalls kann mir kein größeres, schöneres und weitreichenderes vorstellen.

Was Jesus für uns alle getan hat, das drückt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 5. Vers seines Weihnachtsliedes „Fröhlich soll meine Herze springen…“ (EG 36) aus, der da lautet, wie folgt:

Nun er liegt in seiner Krippen,
ruft zu sich mich und dich,
spricht mit seinen süßen Lippen:
Lasset fahrn, o liebe Brüder,
was euch quält , was euch fehlt;
ich bring alles wieder.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Weihnachtsfeiertag. Bis zum morgigen Tage verbschiede ich mich von Ihnen allen und grüße Sie alle ganz, ganz herzlich.

Ihr

Ulrich Naber