Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 17. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 10. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 9-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Denn wenn du mit dem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekannt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht (Jesaja28,16): „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden“ (Joel 3,5). Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen.“ Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): “ Herr, wer glaubt unserm Predigen?“ So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Liebe Gemeinde,

nehmen wir einmal an, Sie machen eine Kreuzfahrt. Auf einmal gerät Ihr Schiff in Seenot. Wohlgeordnet gilt es nun, das Schiff zu verlassen und in die bereitstehenden Rettungsboote zu steigen. Können Sie sich jemanden vorstellen, der genau jetzt sagt: „Nein, jetzt noch nicht, ich möchte erst noch das Galadinner genießen. Später vielleicht.“ So jemanden würden wir doch wohl alle als „vollkommen neben der Spur“ bezeichnen.

Aber verfahren nicht viele Menschen in Glaubensdingen genauso ? Hier auf Erden legen wir unsere Weichen in Richtung Himmel oder Hölle. Und was sagen viele Menschen? Jetzt noch nicht, später einmal, wenn eine gelegenere Zeit kommt. Das dumme ist nur, dass wir ja gar nicht wissen, wann Gott uns in die Ewigkeit abberuft. Es kann gut sein, dass in der nächsten Woche schon einige von uns im Himmel sind, ohne dass wir dies heute erahnen können.

Also stellt sich doch jedem die drängende Frage: Wie komme ich ganz sicher in den Himmel? Und genau darauf gibt unser heutiger Predigttext uns die passende Antwort. Lassen Sie uns diese Antwort heute Morgen einmal gemeinsam betrachten.

1. Glaube aus Predigt, Predigt aus Bibel

So kommt der Glaube aus der Predigt, so lesen wir es in unserem Predigttext. Das lateinische Wort „praedication“ heißt neutral übersetzt eigentlich nur Aussage. So kommt also der Glaube aus der Aussage. Die Aussage kommt aus dem Wort Gottes.

Erst kommt die Bibel, dann kommt die Aussage der Bibel und dann kommt der Glaube. Wenn wir also zum rechten Glauben finden wollen, dann geht dies nur über den Weg der Bibel. Andere Heilsaussagen außerhalb der Bibel sind schlichtweg falsch.

Die Grundlage um gerettet zu werden finden wir also in der Bibel. In ihr finden wir alles, was wir wissen müssen, um zum Glauben zu kommen. Wenn wir die Bibel einmal als ein Navigationssystem für unser Leben ansehen, dann tun wir gut daran, jeden Tag darin zu lesen. Wenn wir dies tun, dann werden wir nach und nach auch die Aussagen der Bibel immer besser verstehen und immer mehr von dem in die Tat umsetzen können, was uns dort tagtäglich begegnet.

Es geht also nicht darum, dass ich nur durch eine Predigt im Gottesdienst den rechten Glauben finden kann. Manche kirchlichen Gemeinschaften hätten dies ja gern und benutzen diesen Vers immer wieder um Menschen zwingend zum Besuch der Gottesdienste zu bewegen. Natürlich ist es gut, einen Gottesdienst zu besuchen. Nur anzunehmen, dass ich nur dann den Weg zum Glauben finden kann, wenn ich den Predigten eifrig lausche, ist katastrophaler Blödsinn.

Natürlich ist die Gemeinschaft der Gläubigen wichtig. Einer allein fällt bekanntermaßen schneller, als wenn er von zwei anderen Menschen gestützt und gehalten wird. Das bedeutet, dass wir auf uns allein gestellt sehr schnell den Versuchungen und Anfechtungen anheimfallen können. Dann ist es gut, Menschen an unserer Seite zu haben, die ein wenig auf einen aufpassen.

Und in der Gemeinschaft lässt sich das Wort Gottes auch noch besser verstehen und auslegen als allein im stillen Kämmerlein. Fragen können dort besser beantwortet und Irrtümer schneller ausgeräumt werden als in der eremitischen Einsamkeit.

2. Mit Mund bekennen

Wir haben soeben die Basics aufgezeigt, die uns zum Weg des Glaubens führen können. Bis jetzt war ja alles rein theoretisch. Der größte Agnostiker kann jeden Tag die Bibel lesen, sie verstehen und trotzdem nicht den Weg zum Herrn finden und ihn gehen. Nach der Theorie kommt nämlich nun die Praxis des „Gerettet-Werdens“.

Wenn ich die Heilslehre der Bibel verstanden habe, dann muss ich dies auch bekunden. Ich muss das, was ich aus der Bibel heraus wahrgenommen habe, auch ganz persönlich für mich in Anspruch nehmen. Ich muss also mit meinem Munde bekennen, dass Jesus mein Herr ist. Das heißt nicht, dass ich fortan auf allen öffentlichen Plätzen dieser Welt die frohe Botschaft verkündigen muss, um gerettet zu werden.

Mit dem Munde bekennen heißt, dass ich dies meinem Herrn ganz persönlich sage, ihm also meine Entscheidung definitiv mitteile. Wir sagen auch gern Bekehrung zu diesem Vorgang. Oftmals wird die Bekehrung ja auch nach dem paulinischen Erlebnis als Damaskusstunde bezeichnet. Um mit dem Irrtum aufzuräumen, dass nur, wer eine Damaskusstunde erlebt hat, den wahren Glauben gefunden, hat möchte ich sagen, dass es bei mir eine sehr lange Damaskusperiode war bis es endlich „Klick“ gemacht hat und ich mein Ja, Herr, ehrlichen Herzens sagen konnte.

Bekehrung ist also keinesfalls ein so dramatisches Geschehen, wie es Paulus widerfahren ist. In den meisten Fällen wächst der Glaube nämlich ganz langsam. Also keine Angst und Zweifel, wenn der Glaube erst einmal wächst. Daher halte ich auch nicht viel von Massenevangelisationen wo hunderte von Menschen von jetzt auf gleich bekehrt werden.

Ich glaube nämlich, dass Gott eine wohlüberlegte, abgewogene Entscheidung lieber ist, als eine vorschnelle Bekehrung.

3. Mit dem Herzen glauben

Glaube, liebe Gemeinde ist immer eine Herzenssache. In dem Moment, wo ich Jesus als meinen Herrn annehme, also mein endgültiges Ja zu ihm und seiner Erlösungstat sage, ab diesem Moment zieht der Herr bei mir ein.

Stellen wir uns einmal vor, wir ziehen um. Erst einmal besichtigen wir die neue Wohnung, zeigen also unser Interesse an der Wohnung. Dann unterschreiben wir den Mietvertrag, also unser Ja, dass wir die Wohnung haben wollen. Das können wir auf die vorhergehenden Punkte der Predigt doch gut übertragen.

Aber wie geht es dann weiter? Nun, nach der Schlüsselübergabe reinigen wir die neue Wohnung, renovieren sie, bestücken sie mit Möbeln und ziehen dann ein.

Und genau so macht es unser Herr. Nach der Schlüsselübergabe, also nach unserem Ja zu ihm reinigt er erst einmal unser altes Herz. Alles, was dort ausgemistet werden muss, fliegt raus. Das kann manchmal ganz schön schmerzhaft sein, wie ich es selber erfahren habe. So manche Gewohnheit gibt man halt doch nicht so gern auf. Aber der Herr fühlt sich eben nur in einer sauberen Wohnung wohl.

Dann geht es an das Renovieren. Mein altes Leben hat so manche Schrammen und Macken hinterlassen; wir nennen sie auch gern Traumata. Diese dürfen wir ganz getrost unserem Herrn übergeben. Er möchte all unsere Nöte, Sorgen und Probleme übernehmen, damit wir ein Leben in Ihm führen können frei von Nöten Sorgen und Problemen. Natürlich wird es auch weiterhin Sorgen und Probleme geben. Aber wir haben ja den Herrn an unserer Seite, der uns dabei hilft, diese zu bewältigen. Eine Wohnung renoviert man ja schließlich auch nicht nur 1 mal in seinem Leben.

Bevor wir einziehen in unsere neue Wohnung muss diese dann noch möbliert werden. Der Herr möchte auch unser Herz ganz neu möblieren. Die alten Möbelstücke unter anderem Neid, Missgunst, und Sünden jeder Art werden entsorgt. Neue Möbel müssen also her. Und diese sind unter anderem Liebe, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl, um nur einige davon zu erwähnen.

Was ganz wichtig ist, ist die Erkenntnis, dass nicht wir uns ändern nach unserer Bekehrung, sondern dass es der Herr allein ist, der uns ändert. Wir selber können dies nämlich überhaupt nicht. Wir sind dabei immer auf die Hilfe unseres Herrn angewiesen.

So, und wenn wir all diese Wunder an uns selber erlebt haben, die der Herr an und in uns verrichtet hat, dann können wir gar nicht mehr anders, als mit dem Mund zu bekennen, dass Jesus der Herr ist und im Herzen glauben, dass Gott diesen Jesus von den Toten auferweckt hat. Hätte er dies nämlich nicht getan, würde er heute nicht in uns leben können und all diese Wunder vollbringen können.

Wenn wir dies mit unserem Mund und Herzen bekennen, dann können wir auch in den zweiten Vers des Liedes „Die Sonn hoch an dem Himmel steht…“ (EG 459) von Ambrosius Lobwasser voll Inbrunst einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Die rechte Sonn ist Jesus Christ,
das Licht er zu dem Leben ist,
das er uns heute durch sein Wort
hell leuchten lässt an allem Ort.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber