Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Reformationstag des Jahres 2015. Allein durch den Glauben, allein durch die Gnade und allein durch die Schrift so lautete die These Luthers. Dann lassen Sie uns zunächst einmal schauen, welche Schrift uns für den heutigen Predigttext vorgegeben ist. Wir finden den Predigttext für den heutigen Reformationstag im 10. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 26b bis 33. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.
Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Liebe Gemeinde,

wenn Luther mit seinem sola scriptura die Schrift, also die Bibel ganz besonders herausstellt dann soll dies für uns bedeuten, dass die Bibel unsere zentrale Informationsstelle sein soll. Sekundärliteratur so schön sie auch manchmal sein mag stellt keinen Ersatz für die Erkenntnisse dar, die uns die Schrift bietet. Also lassen Sie uns heute auch ganz eng bei der Schrift bleiben.

Wenn uns die Bibel, also Gottes Wort, etwas sagt, dann dürfen wir getrost darauf vertrauen, dass diese Worte auch voll und ganz der Wahrheit entsprechen. Und in unserem heutigen Predigttext warnt die Bibel uns ganz besonders vor den Machenschaften des Teufels.

Halten wir also zunächst einmal fest: Wenn die Bibel sagt, dass es einen Teufel gibt, dann gibt es auch einen. Alle noch so schönen Versuche, ihn zu negieren sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Und wenn die Bibel uns klipp und klar vor dem Teufel warnt, dann sollten bei uns alle Alarmglocken auf einmal angehen. Der Teufel versucht nämlich, uns in die Hölle zu bugsieren. Das heißt im Klartext: Weg von Gott direkt in das ewige Verderben hinein.

Wenn Jesus uns so eindringlich vor dem Teufel warnt, dann hat dies auch seinen Grund. Die Tricks des Teufels sind nämlich meist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Ich schlage daher vor, dass wir uns heute einmal ganz praktische die Vorgehensweisen des Teufels anschauen, damit wir zukünftig seine Angriffe noch besser als solche erkennen können.

1. Sollte Gott gesagt haben

Mit diesen Worten verführte die Schlange, also der Teufel, Eva schon im Paradies. Wie sähe das denn heute bei uns aus? Wie könnte der Teufel bei uns vorgehen? Ich denke er würde zu mir sagen: Natürlich gibt es einen Gott und natürlich glaube ich auch an ihn. Ich kenne ihn ganz genau. Und dann würde er bestimmt versuchen, mich mit seinen Bibelkenntnissen zu überzeugen.

Und dann käme irgendwann der Angriff des Teufels. Er würde sagen: So darfst Du das nicht sehen. Schau, ich habe Dir bewiesen, wie gut ich die Bibel kenne. Glaube mir, so hat Gott das nicht gemeint. Natürlich sollst Du nicht stehlen, das steht ja schon so in der Bibel. Aber das ist doch kein stehlen, wenn Du Dir einfach mal die neue Software für den PC von dieser oder jener Plattform herunterlädst. Der Bill Gates, der hat doch so viel Geld, das fällt doch gar nicht auf.

Und so habe ich auf einmal ein reines Gewissen, wenn ich jetzt die Software herunterlade.

Wenn Luther mir seinem sola scriptura ganz direkt auf die Schrift abzielt, dann wissen wir jetzt auch warum. Gegen den Teufel sind wir allein machtlos, sobald wir aber die Bibel zu Rate ziehen dann muss der Teufel klein beigeben.

Nichts anderes lehrt uns auch Jesus, als er vom Teufel versucht worden ist in der Wüste.

2. Der Herr der Welt

Die Macht des Teufels besteht auch darin, dass er der Herr dieser Welt, der Herrscher dieser Erde ist. Ich wollte dies eigentlich niemals glauben, aber lesen wir einmal den Bericht über die Versuchung Jesu in der Wüste.

Der Teufel führte Jesus auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche dieser Welt. Dann sagte der Teufel zu Jesus: Das alles will ich dir geben….. Nun ist es ja so, liebe Gemeinde, ich kann nur etwas abgeben von dem, was mir sowieso gehört. Würde ich mich an fremdes Eigentum heranwagen, käme zurecht der Eigentümer dazwischen und wollte sein Eigentum zurückhaben, so ich es versuchen würde zu verschenken.

Und diese freie Verfügungsbefugnis setzt der Teufel ganz geschickt ein.
Er weiß genau, wen er womit am besten ködern kann. Dem einen bedeutet Reichtum alles. Nun diesem verspricht er eine Traumkarriere. Alles was er dafür tun muss ist fortan nur noch auf ihn zu hören und ihm zu folgen. Der andere möchte gern ein angesehener Bürger seines Landes sein. Nun gut, soll er halt erfolgreicher Politiker werden. Alles was er dafür tun muss ist….

Das fatale ist, dass wir anfangs gar nicht merken, dass hier der Teufel am Werke ist. Zu schön sind die Versprechungen, zu toll sind die Aussichten. Da achten wir dann eben nicht mehr so genau darauf, wer uns denn da was auch immer verspricht.

Und hier müssen wir höllisch aufpassen, dass wir nicht in de Fänge des Teufels geraten. Toll, und wie machen wir das ? Indem wir den Kontakt zu unserem Herrn suchen und ihn fragen, was er denn von dem einen oder anderen Angebot hält. Er wird uns schon die Augen öffnen.

3. Wehret den Anfängen

Es gab früher einen Karnevalsschlager mit dem Namen „Wir sind alle kleine Sünderlein…“Die Älteren unter uns werden ihn sicherlich noch kennen. Schlicht und einfach in Reimform dargeboten wird die Sünde als normale Lebensform präsentiert. Wir sind halt eh alle Sünder, was soll’s machen wir eben weiter so. Ist doch nicht so schlimm.

Und hier setzt sie an die Verhramlosungstaktik des Teufels. Mit Parolen:
„Das machen doch all so..“ „Sei doch nicht blöde, mach einfach mit…“
und ähnlichen Ermunterungen werden wir vom Teufel dazu angestachelt etwas zu tun, wogegen sich anfangs auch noch unser Gewissen gewehrt hat.

Aber wenn das alle so machen, dann kann es doch eigentlich gar nicht falsch sein. Klingt zumindest logisch, ist es aber nicht. Eine Lüge wird nicht deswegen zur Wahrheit, weil sie tausendfach wiederholt wird.

Und bei dem „Sei doch nicht blöde..“ packt uns der Teufel bei unserer Ehre. Wer will denn schon gerne als Blödmann dastehen. Also macht man wieder mit. Und schon hat der Teufel fast sein Ziel erreicht.

Mit dem ersten Schritt in die falsche Richtung gehen wir den Beginn des Weges der in der ewigen Verdammnis enden kann. Und das eigentlich gefährliche ist, dass wir uns anfangs unter Umständen auch noch so richtig wohl fühlen auf diesem Wege. Erst dann, wenn wir uns so richtig schlecht fühlen, dann erkennen wir erst, was wir gemacht haben, bzw.
welchen falschen Weg wir gegangen sind. Und dann ist es auch wieder der Teufel, der uns klarzumachen versucht, dass der Versuch der Umkehr nicht gelingen kann und wird.

Aber auch hier kommt die gute Nachricht. Für die Umkehr auf den rechten Weg ist es nie, nie, niemals zu spät. Wer das nicht glauben kann, dem empfehle ich einmal das Gleichnis von dem verlorenen Sohn zu studieren.
Der ehemals reiche Sohn aus gutem Hause war dermaßen abgerutscht, dass er sich noch nicht einmal vom Schweinefutter ernähren konnte. Als er den Entschluss fasste, die Heimkehr anzutreten, nahm ihn der Vater sofort wieder in seine liebenden Arme und hieß ihn von Herzen willkommen im Vaterhause.

Egal wir tief wir auch in satanische Machenschaften verstrickt sein können, es ist niemals zu spät, umzukehren. Umzukehren hin zu unserem Vater im Himmel. Wie er den verlorenen Sohn in seine liebevollen Arme genomen hat, so nimmt er auch einen jeden von uns in seine Arme, der zu ihm zurückkehren möchte.

Bei allen Kämpfen gegen den Teufel steht uns auch unser Herr Jesus Christus zur Seite. Wir müssen diese Kämpfe der Abkehr und der Umkehr nämlich gar nicht alleine ausfechten. Dies beschreibt Martin Luther sehr schön in dem 2. Vers des Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott…“, der da lautet, wie folgt:

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Samstagabend und sage einmal von hier aus: Bis morgen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber