Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 3. Kapitel des Briefes an die Philipper, die Verse 7-11-. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

Liebe Gemeinde,

was uns Paulus hier beschreibt ist seine eigene geistliche Entwicklung, angefangen von der Zeit, als er unter dem Gesetz lebte bis hin zum heutigen Tage, also dem Tage, wo er diesen Brief verfasst hat. Im Prinzip hatte Jesus sein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt und alle seine bisherigen Werte in Frage gestellt. Schauen wir doch einmal, wie das vor sich gegangen ist und ob das auch noch für uns heute im 21. Jahrhundert von Bedeutung ist.

1. Was kümmert mich mein Geschwätz von vorgestern…..

Zugegeben, dieses Zitat stammt von unserem ersten Bundekanzler, Herrn Dr. Konrad Adenauer. Er brachte damit zum Ausdruck, dass der Mensch im Leben immer lernfähig bleiben muss und sich Situationen im Leben ergeben, die eine Umkehr erforderlich machen.

So war dies auch bei Paulus geschehen. Paulus war ja nicht irgendjemand. Von der Abstammung her gehörte er zum Stamme Benjamin, also ein waschechter Jude. Und nicht nur das, er gehörte auch zu den Pharisäern, die streng gläubig lebten und dies auch von ihren Mitmenschen einforderten. Ein richtiges Glaubensvorbild war er, dieser Saulus von Tarsus. Mit Feuereifer bekämpfte er die daher auch die neue Sekte, die immer größer zu werden drohte, sich Christen nannte und von irgendeiner ominösen Auferstehung eines hingerichteten Verbrechers berichtete, der der Welt Retter sei.

Es musste also schon ganz was Besonderes passieren, bis man so jemand von seinem Glauben abbringen konnte. Und das war dann ja auch passiert auf dem Wege nach Damaskus. Da stellte sich genau derjenige ihm in den Weg, der der Auslöser dafür war, dass Paulus seine Anhänger bis auf den Tod hin verfolgte.

Mit einem Male war ihm klar geworden, dass dieser Jesus tatsächlich der Christus, also der Messias war, auf den die Welt so lange gewartet hatte. Obwohl er ihn verfolgte, sprach er ihn ganz persönlich an und wollte ganz speziell ihn, den großen Christenverfolger in seinem Dienste haben.

Jeder von uns, der für eine bestimmte Position Partei ergreift, lässt sich so schnell doch nicht von seiner Position abbringen. Auch wenn manch ein Argument dagegen sprechen sollte, so halten wir doch für gewöhnlich an unseren festen Positionen fest bis es eben gar nicht mehr geht. Umso erstaunlicher ist dann doch die „Augenblickswirkung“ die Paulus erlebte. Diese Gnade, diese Barmherzigkeit und diese Wärme, die er spürte, wandelten von einem Augenblick zum anderen seinen Sinn.

Alle religiösen Leistungen rückten total in den Hintergrund. Er wusste: Ich will nur noch diesem Christus nachfolgen. Allein darin liegt das Heil der Menschheit und nicht in irgendwelchem religiösen Zinnober. All das war für Paulus wertlos geworden, er bezeichnete es sogar als Dreck. Im Originaltext steht übersetzt sogar das Wort Sch…, welches wir unseren Kindern verbieten zu benutzen.

Paulus hatte erkannt, dass es nicht darum geht, sich auf sich selbst und seine Fähigkeiten zu verlassen, um vor Gott gut dazu stehen, sondern dass es darum geht allein dem Christus zu vertrauen und dem, was er für uns getan hat. Allein wenn wir uns darauf berufen, dann stehen wir vor Gott gut da.

Machen wir es doch dem Paulus nach. Hören wir doch endlich auf, uns auf alle möglichen Guttaten und religiösen Leistungen zu berufen. Berufen wir uns doch allein auf den, der uns in den Himmel bringen kann.

2. Christus allein

Christus allein ist das, was uns in den Himmel bringt. Alles andere ist egal. Das ist die Erkenntnis, die ihn getroffen hat, wie ein Blitzschlag. Und dann durfte er auch erkennen, dass dieser Christus nicht nur für die Juden gestorben war, sondern dass dieser Christus für alle Menschen der Weg in den Himmel sein will.

Um in den Himmel zu kommen musste man kein Jude sein, beschnitten sein und alle möglichen Ge- und Verbote achten. Nein, es gab ihn sofort wieder, den direkten Weg zu Gott ohne alle Religion. Der Weg war denkbar einfach. Jeder Mensch, der in den Himmel kommen wollte, brauchte nur die Erlösungstat dieses Christus im Glauben für sich in Anspruch zu nehmen und schon war er als Gottes Kind angenommen und angekommen in der Gemeinschaft derer, die das ewige Leben ererben sollten.

Ich glaube, dies bereitet uns auch heute noch große Schwierigkeiten. Wenn etwas als besonders simpel und einfach erscheint, dann vermuten wir ja (meist zu Recht) einen Pferdefuß hinter dieser Sache. Und so ist es für viele unsere Mitmenschen auch schwer, zu glauben, dass allein ihr „Ja“ vollkommen ausreicht.

Aber es führt für uns alle kein Weg daran vorbei zu erkennen, dass ich nicht in den Himmel komme, weil ich ein Konto voller guter Taten vorzuweisen habe, sondern dass ich in den Himmel kommen kann, weil Jesus die eine aber entscheidende gute Tat für mich getan hat.

Wenn wir dies genau so anerkennen, wie es geschehen ist, dann erkennen wir auch dass wir in einer völligen, aber bitte positiven, Abhängigkeit, von dem Leben, der uns erlöst hat. Der uns erlöst hat möchte ja nicht, dass wir nach dieser Erkenntnis so weiterleben, wie bisher. Nein Jesus möchte unser ganzer Lebensinhalt werden. Daher ist unser Ja auch nur der Anfang unseres gemeinsamen Weges mit unserem Herrn.

Seien wir offen für IHN und sein Wort und lassen wir uns von IHM gebrauchen, um möglichst vielen Menschen dabei zu helfen, dass sie zu derselben Erkenntnis kommen dürfen wie wir.

3. Durch Leid und Tod hindurch

Wir Menschen fragen uns natürlich oft: Was habe ich denn hier und heute davon? Es ist ja gut, dass ich in den Himmel komme, aber hier auf Erden, was habe ich da von diesem Christus und meinem Ja tu dem, was er für mich getan hat?

Gerade hier auf Erden haben wir ab sofort einen Beistand, der immer mit uns auf Reisen ist. Jesus in der Gestalt des Heiligen Geistes ist immer mit uns. Ich habe mal ein Zitat gelesen, welches dieses sehr schön wie folgt beschreibt:

„Bei wem Christus im Herzen wohnt, der trägt den Himmel immer mit sich, ganz gleich an welchem Ort er sich befindet.“

Besser kann man es nicht ausdrücken. Gerade Weltmenschen neigen ja dazu, dies als frommes Geschwafel abzutun. Aber schauen wir doch einmal in der Bibel nach. Kaum ein Apostel war dem Tode so oft so nah, wie Paulus. Feindseligkeiten, Verfolgungen, Folterungen und noch viel mehr musste er durchleiden. Aber immer war der eine bei ihm, der auch ihm versprochen hatte „Siehe, ich bin bei dir alle Tage…“

Das Schöne daran ist, dass diese Zusage des einen bis auf den heutigen Tag nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Wie sie damals für Paulus galt, so gilt sie auch heute für uns. Und darum ist es auch nicht verwunderlich, dass Paulus voller Energie, getragen von der Hoffnung und geborgen von unserem Herrn seinen Lebensweg fröhlich weitergegangen ist. Immer in der festen Gewissheit, dass er am Ende in ständiger Gemeinschaft mit dem Leben darf, der ihn erlöst hat.

Wenn wir uns tagtäglich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Gott uns so sehr liebt, dass er seinen Sohn geopfert hat, damit wir für immer bei ihm sein können, dann können auch wir getragen von der Hoffnung in völliger Geborgenheit unseres Herrn unseren weiteren Lebensweg ganz getrost beschreiten.

Es gibt so viele Anti-Sorgen-Seminare und Lebenscoaches, die uns helfen wollen, in unserem Leben einigermaßen gut zurechtzukommen. Halten wir uns doch lieber an den EINEN, der uns hier in dieser Welt ein treuer Begleiter ist und der in der anderen Welt bereits auf uns wartet.

Wenn wir uns so in den Dienst des Herrn stellen lassen, dann tun wir dies bestimmt gern so, wie es der erste Vers des Liedes „Nun jauchzet dem Herrn alle Welt…“ (EG 288) von David Denecke beschreibt, der da lautet, wie folgt:

Nun jauchzet dem Herrn, alle Welt!
Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt,
kommt mit Frohlocken und säumet nicht,
kommt vor sein heiliges Angesicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle Sommerwoche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber