Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Pfingstsonntag. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Johannes im 16. Kapitel, die Verse 5-15. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Werk des Heiligen Geistes

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch.
Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: Dass sie nicht an mich glauben: über die Gerechtigkeit:
Dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: Dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener,
Der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.

Liebe Gemeinde,

befragt nach dem Wesen und dem Wirken des Heiligen Geistes fallen uns alle bestimmt sofort die Worte Tröster, Begleiter und Beistand ein. Und dann lesen wir heute bei dem Evangelisten Johannes, dass der Heilige Geist weitere, ganz konkrete Aufgaben an und in uns wahrnimmt. Lassen Sie uns diese Aufgaben heute Morgen einmal ein wenig näher betrachten.

1. Sünde

Der Heilige Geist öffnet uns unsere inneren Augen und lehrt uns, was Sünde ist.
Lassen Sie uns das einmal am Wesen des deutschen Strafrechtes näher erläutern. In unserem Strafgesetzbuch sind diverse Straftatbestände aufgeführt. Verstoße ich auch nur gegen einen dieser Straftatbestände, habe ich mich strafbar gemacht und darf dann meine gerechte Strafe erwarten. Mache ich etwas, was hingegen nicht in dem Strafgesetzbuch als verboten normiert ist, mache ich mich auch nicht strafbar und habe auch keine Strafe zu erwarten.

Wenn wir es so wollen, dann lehrt uns der Heilige Geist das himmlische Strafrecht. Vor unserer Bekehrung waren unsere inneren Augen noch verschlossen und wir konnten gar nicht wahrnehmen, was denn nun erlaubt und was verboten ist. Nach unserer Bekehrung erkennen wir unter der Anleitung des Heiligen Geistes aber sehr genau, was Sünde ist und was nicht.

Es ist natürlich eine Binsenweisheit, wenn ich sage, dass ich die Sünde nur dann vermeiden kann, wenn ich sie auch kenne. Und genau hier ecken wir Christen sehr häufig in der Welt an.
Nehmen wir nur ein Beispiel: Vor Gott ist die Tötung ungeborenen Lebens Mord. Jede Abtreibung ist also vor Gott ein Tötungsdelikt, also eine schwerwiegende Sünde. Unsere westliche Welt hingegen sieht dies ein wenig anders und verurteilt diejenige Mutter nicht, die sich dazu entschließt, ihr ungeborenes Kind in den ersten 12 Schwangerschaftswochen töten zu lassen.

Wenn ich jetzt noch Petrus aus Apostelgeschichte 5, 29 zitiere, wo er sagt: „Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen“ dann kennen wir zwar unsere eigene Richtlinie, aber wir erkennen auch gleichzeitig das Ausmaß des Dilemmas in welchem wir uns befinden. Und hier, liebe Gemeinde, kommt eine weitere Aufgabe des Heiligen Geistes ins Spiel, die wir eingangs schon erwähnt haben:

2. Beistand und Begleiter

Wir lesen in unserem Predigttext die Worte: „Dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht…“ Das ist ja auch so ein Dilemma mit dem Heiligen Geist. Wir sehen ihn nicht, aber wir spüren ihn. Er ist ja, wie Johannes schreibt nur eben nicht sichtbar, aber doch da. Das sorgt natürlich draußen vor den Kirchenmauern für so manch einen Heiterkeitserfolg, wenn wir davon erzählen.

Eine ganz wichtige Aufgabe des Heiligen Geistes ist es, uns Christen in der Wahrheit beizustehen. Wenn Sie sich in Ihrem Heimatort auf den Marktplatz stellen und öffentlich verkünden, dass Abtreibung Mord ist, kann ich Ihnen garantieren, dass Sie innerhalb kürzester Zeit von allen Seiten wüst beschimpft und verunglimpft werden. Und dann brauchen Sie jemanden, der Ihnen beisteht, damit Sie eben nicht einknicken sondern auch bei dieser Wahrheit bleiben.

Unweit meiner Heimat gab es vor ca. 10 Jahren eine christliche Konferenz, die auch unser dem Thema des Verbotes der Abtreibung stand. Außen vor der Veranstaltungshalle protestierten indes unsere Gegner unter anderem mit Plakaten folgenden Inhalts: „Hätte Maria abgetrieben, wäret ihr uns erspart geblieben!!!“

Es fällt natürlich schon sehr schwer, dabei ruhig und besonnen zu bleiben. Ich persönlich hätte am liebsten dem erstbesten Demonstranten das Plakat aus der Hand gerissen und ihn mit selbigem verdroschen. Es war nur eine innere liebevolle Stimme, die mich letztendlich davon abgehalten hat, es nicht zu tun. Es war natürlich auch weiser, es nicht zu tun. Ich wage gar nicht an die Schlagzeilen am nächsten Tag zu denken, wo ich vielleicht auf einem Foto zu sehen gewesen wäre mit der Überschrift: „So geht christliche Nächstenliebe“.

Unser Beistand und Begleiter ist aber auch in allen anderen Situationen bei uns. Das muss nicht immer etwas dramatisches sein. Das kann ganz einfach auch mal die schnöde Frage sein, ob der Partner, den ich ehelichen will, auch der richtige Partner für mich ist. In meiner eigenen Verblendung sehe ich die Welt vielleicht doch ein wenig zu rosarot. Da kann mir der Heilige Geist ein wertvoller Ratgeber sein.

Der Heilige Geist ist immer bei uns und möchte uns auch immer bestehen. Wir müssen ihn nur darum bitten und ihn dann auch als Beistand akzeptieren. Nur allzu häufig ist es nämlich so, dass wir Gott anrufen, ihn bitten uns den Weg zu zeigen, den wir gehen sollen, und 5 Minuten später dann doch wieder unser eigenes Ding machen. Dann dürfen wir uns natürlich nicht beschweren, dass ER uns nicht geholfen hat.

3. Der Fürst ist am Ende

Das ist auch wieder so eine prekäre Geschichte. An hunderten von Stellen in der Bibel, im Alten Testament und auch im Neuen Testament wird von der Existenz des Teufels berichtet und wie dieser nur eines will, nämlich unser Verderben.

Und was macht der ach so aufgeklärte Mensch des 21. Jahrhunderts, er lächelt den Teufel einfach weg. Wenn Sie den Menschen vom Teufel erzählen, dann ist ein Lächeln noch das harmloseste, was Ihnen passieren kann.

Stellen wir uns doch einmal folgende abstruse Situation vor: Ich behaupte, es gäbe keine Autos und Lastkraftwagen. Weil es diese für mich nicht gibt, gehe ich munter und sorglos auf der Autobahn spazieren. Eines kann ich Ihnen garantieren. Wenn ich dies täte, dann wäre dies heute meine letzte Predigt.

Also, den Teufel einfach wegzulächeln spielt nur einem in die Karten, nämlich dem Teufel selbst. Und hier erteilt uns der Heilige Geist eine weitere Lektion. Er erklärt uns, dass der Fürst dieser Welt, also der Teufel, gerichtet ist. Das klingt auf den ersten Blick positiv, ist aber brandgefährlich.

Stellen wir uns den Teufel doch einmal als einen verurteilten Verbrecher vor. Er weiß, dass er seine Strafe absitzen muss, aber im Moment ist er noch auf freiem Fuß. Da er sowieso die Höchststrafe erhalten hat, kann ihm auch nichts mehr passieren, auch wenn er noch mehr Menschen in den Abgrund zieht. Und das macht die Gefahr des Teufels aus.

Er kann uns aber nur dann gefährlich werden, wenn wir uns auf ihn einlassen. Wenn wir ihn indes gar nicht beachten, dann hat er auch keine Chance in unser Leben einzugreifen. Gerade eben nicht auf die Fallen des Teufels reinzufallen ist eine große Herausforderung an uns, wobei wir aber immer wieder auf den Heiligen Geist als Beistand zurückgreifen können.

Der Teufel ist ja auch kein Dummkopf, der heute bei mir an die Türe klopft und mich fragt: „Na, heute mal richtig Bock auf Sünde ?“. Dann wäre er ja einfach zu durchschauen. Der Heilige Geist hilft uns aber immer wieder, die hinterlistigen Gemeinheiten und Strategien des Teufels zu durchschauen.

Ein kleiner Tipp für die alltägliche Lebenspraxis: Ich stelle mir immer wieder die Frage: Was passiert, wenn ich diesem und jenen jetzt nachgebe und das mache, was man von mir erwartet. Wenn man dieses Szenario konsequent durchspielt, kommt man als Christ auch schon ein Stück weit selber dahinter, wer genau denn gerade was von einem will. Probieren Sie es einfach mal aus.

Ganz zum Schluss nur eine persönliche Erfahrung: Ich wurde einmal zu einer christlichen Konferenz eingeladen. Ich hatte irgendwie das Bauchgefühl, dass irgendetwas faul war an dieser Veranstaltung. Und nach Gebet und doch beinahe tagelanger Recherche erwies sich diese Veranstaltung als eine Rekrutierungsveranstaltung der Scientologen, die wohl das Ziel verfolgten, Christen in ihren Bann zu ziehen. Sie waren nach meiner Absage noch ein ganze Zeit lang ziemlich hartnäckig, aber der Heilige Geist war noch hartnäckiger.

Wenn wir das Wirken des Heiligen Geistes auf ein Wort reduzieren sollten, dann fiele mir nur das Wort „Liebe“ ein. Und daher lassen Sie uns nunmehr gemeinsam diese Macht der Liebe mit dem zweiten Vers des Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe…“ (EG 661) von Gerhard Tersteegen anbeten:

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Pfingstsonntag und verabschiede mich bis zum morgigen Tage von Ihnen allen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber