Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Miserikordias Domini. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 2, die Verse 21b – 25. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Liebe Gemeinde,

im heutigen Predigttext geht es also um die Nachfolge und darum, welche Hindernisse und Stolpersteine uns auf diesem Wege erwarten können. Lassen Sie uns über diese wichtigen Punkte heute Morgen ein wenig näher und intensiver nachdenken.

1. Die Nachfolge

Als Kinder sind wir mit unseren Eltern oft im Winter gemeinsam spazieren gegangen. Wanderungen durch den tiefverschneiten Wald haben riesig viel Spaß gemacht. Doch merkten wir als Kinder sehr bald, wie schwierig und kräftezehrend so ein Marsch durch den Tiefschnee sein konnte. Also was machten wir? Wir folgten den Fußstapfen, die unser Eltern vor uns hergehend hinterlassen haben. Und dann wurde der Spaziergang um etliches einfacher und weit weniger kräftezehrend als vorher.

Genau so sollten wir es auch bei der Nachfolge als Christen machen. Jesus ist uns in allem schon vorausgegangen. Das einzige, was wir tun müssen, ist seinen Fußspuren, die er hinterlassen hat, zu folgen. Jesus hat uns also unseren Weg auf Erden schon bereitet.

Allerdings müssen wir gleich sagen, dass ein Leben in der Nachfolge kein einfacher Spaziergang mit unserem Herrn ist. Aber er hat auch schon für die schwersten Zeiten in unserem Leben seine Fußstapfen so hinterlassen, dass auch diese Wege, obwohl sie schwer sind, für uns dennoch gangbar sind.

Wenn wir dies machen, liebe Gemeinde, dann können wir auch von Jesus lernen. Dieser „Jesusweg“, den er uns vorangegangen ist so angelegt, dass wir ihn nicht nur begehen können, sondern dass wir auf diesem Wege auch viel von unserem Herrn lernen können.

Aber was machen wir häufig? Wir meinen, uns unseren eigenen Weg suchen zu müssen. Und so laufen wir wie bei unserem Winterspaziergang ganz alleine durch den Tiefschnee unseres Lebens. Der Weg wird immer mühseliger und immer schwieriger bis wir uns irgendwann einmal total verrannt und verausgabt haben. Diesen Stolperstein können wir vermeiden, indem wir von Anfang an mit unserem Herrn unterwegs sind.

Aber, und das wird passieren, immer wieder lockt uns natürlich der eigene Weg, da wir ja bekanntlich ganz genau wissen, was denn am besten für uns ist. Und dann passiert es eben, dass wir uns hin und wieder einmal wieder total verrannt haben. Gerade in solchen Momenten ist unser Herr nur einen Gebetsanruf von uns entfernt und wartet nur darauf, uns zur Hilfe eilen zu dürfen.

2. Das Schmähen ertragen

Eigentlich auch wieder so ein Wort mit dem wir, wenn wir ehrlich sind, ganz, ganz wenig anfangen können. Ich kenne keinen Konfirmanden, der mir dieses Wort erklären kann. Also schauen wir einmal wieder im Urtext und nach alternativen Übersetzungsmöglichkeiten nach.

Wenn wir im Urtext das Wort „Loidoreo“ lesen, so kann dies auch mit „Beschimpfen“ und „Vorwürfe machen“ übersetzt werden. Und schon sind wir dem Verständnis ein wenig näher gerückt.

Natürlich werden uns auf unserem Lebensweg in der Nachfolge Menschen begegnen, die uns beschimpfen. Für jemanden, der mit dem Christentum so rein gar nichts „am Hut“ hat, ist unser Leben ja auch nicht zu verstehen. Wir sprechen mit jemandem, den wir nicht sehen. Wir gehen sonntags in Räumlichkeiten wo wir Geschichten über jemanden hören, der es möglich machen kann, dass wir in den Himmel kommen. Und dann behaupten wir auch noch, dass dieser unsichtbare, wenn wir Brot und Wein zu uns nehmen, mitten unter uns ist.

Wenn uns jemand so gegenübertritt, dann kann es schon einmal sein, dass wir die Faust in der Tasche ballen. Am liebsten möchten man doch dann gleich so richtig „losevangelisieren“ freilich nach dem Motto: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein.“

Und genau das sollten wir als Christen natürlich nicht tun. Wir sollen eben nicht gleiches mit gleichem vergelten. Nur so ist übrigens eine Deeskalation der Gewalt überhaupt möglich. Liebe Gemeinde, wir können sicherlich alle ein Streitgespräch für uns gewinnen, wenn wir mit noch Ungläubigen über das Christentum diskutieren. Es ist nur die Frage, ob dieses im Sinne unseres Herrn ist, wenn wir einen Streit gewinnen, aber einen potentiellen Nachfolger verlieren.

Probieren Sie es einfach einmal selber aus. Wenn Sie das nächste Mal in eine Situation kommen, wo Sie am liebsten sofort so richtig lospoltern möchten, dann bleiben Sie ganz einfach still. Provoziert der andere weiter, bleiben Sie weiter still. Ich garantiere Ihnen, dass der andere spätestens beim dritten Versuch seine Provokation einstellen wird.

3. Das Erleiden

Kein Mensch von uns leidet gern. Vielleicht haben das im Mittelalter einige Mönche getan, indem sie sich selber geißelten, um so dem Himmel ein Stück weit näher zu kommen. Aber diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.

Aber auch heute leiden wir auf dem Weg der Nachfolge. Da geben wir uns so viel Mühe mit unseren Mitmenschen, sind immer für sie da und dann kommt noch nicht einmal ein kleines Dankeschön.

Da gehen wir konsequent unseren Glaubensweg und müssen feststellen, dass es denjenigen Menschen, die gar nicht an Gott glauben, in nahezu jeder Hinsicht wesentlich besser geht als uns. Sie haben Reichtum, Wohlstand und Erfolg, währenddessen wir uns so gerade mal durch unser Leben hindurch schlagen können.

Und dann gibt es noch die Spezies, die ganz offen unseren Weg mit Jesus verhöhnt. All das prallt nicht so einfach an uns ab. All das nagt tief in uns, wenn wir keinen Ausweg wissen.

Und diesen Ausweg hat uns unser Herr an die Hand gegeben. Immer dann, wenn wir um seinetwillen leiden, dann sollen wir das eben nicht immer und immer wieder in uns hineinfressen, sondern wir sollen all dies ihm als dem gerechten Richter übertragen.

Gottes Mühlen mahlen langsam aber vortrefflich fein, so lautet ein altes Sprichwort. Vertrauen wir doch einfach darauf. Fressen wir doch nicht mehr all das Leid, was man uns anfügt, so einfach in uns hinein. Übertragen wir doch alles Leid, alle Demütigungen und sonstige Unbillen, die man uns zufügt einfach im Gespräch unserem Herrn. Wenn einer weiß, was zu tun ist, dann jedenfalls nur ER.

Mal so ganz nebenbei bemerkt, wenn wir dies tun, ersparen wir uns auch jede Menge negativer Gedanken. Wie viele Familien sind zerstritten, weil in der Vergangenheit irgendjemand einem anderen irgendetwas getan hat. In der Erinnerung wird dieses „etwas“ immer größer und mächtiger werden, als es tatsächlich gewesen ist. Wenn wir den Vorfall gleich unserem Herrn übertragen, dann sind wir ihn sofort los und müssen uns auch nicht weiter darüber ärgern und können somit unseren Weg fröhlich weitergehen. Gelebtes Christentum kann also auch ganz einfach praktisch und pragmatisch für den Alltag sein.

Gehen wir ihn also an, den Weg in die Nachfolge. Gehen wir doch den Weg in die Nachfolge, wie ihn der 1. Vers des Liedes „Lass mich, o Herr, in allen Dingen….“ (EG 414) des Liederdichters Georg Joachim Zollikofer beschreibt:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen
auf deinen Willen sehn und dich mir weihn;
gib selbst das Wollen und Vollbringen
und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.
Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;
dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber