Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem 15. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 5-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Desgleichen, ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit ! Amen.

Liebe Gemeinde,

nachdem Jesus für unsere Sünden an unserer Stelle gestorben war, also der Weg für uns zu Gott wieder frei geworden war, gründeten sich rasch die ersten Gemeinden. Damals war alles noch nicht so strukturiert, wie wir es heute kennen. Es gab noch keinen Pfarrgemeinderat, Presbyterien und Älteste, die maßgeblich an der Gemeindeordnung beteiligt waren. Und so ging es schon ein wenig ungeordnet her in diesen ersten Gemeinden. Das ist ja auch nicht weiter schlimm, aber ein paar Essentials duften einfach nicht aus den Augen verloren werden. Schauen wir uns doch heute Morgen einmal diese Basics gemeinsam an.

1. Hochmut und Demut

Hochmut ist ein Begriff, der in unserem Sprachgebrauch kaum noch Verwendung findet. Im Urtext setzt sich dieser Begriff aus zwei Wörtern zusammen, nämlich dem Begriff „Hyper“, welcher mit „Über“ übersetzt werden kann und dem Begriff „phaino“, welcher mit „erscheinen“ übersetzt werden kann.

Hochmütig ist also ein Mensch, der sich von sich aus über andere stellt und dadurch mehr erscheinen und darstellen will als die unter ihm befindlichen Menschen. In der damaligen Zeit waren einige Menschen schon ein wenig vertrauter mit der frohen Botschaft, andere hingegen noch jung im Glauben besaßen daher eher wenige Kenntnisse über die frohe Botschaft. Und so passierte es, dass die Glaubensprofis sich schnell als etwas Besseres fühlten als die Glaubensneulinge. Was liegt also näher, als dass sie sich über die Neuchristen stellten.

Dieses Problem, liebe Gemeinde, ist keineswegs auf das Urchristentum beschränkt. Wir finden es immer wieder auch in unseren Gemeinden. Wie oft geschieht es, dass ein christliches Amt oder Ehrenamt auch dazu benutzt wird, sich über die anderen Gemeindemitglieder zu stellen. Und das ist genau der Punkt, wo Petrus eingreift und erklärt: Gott widersteht den Hochmütigen. Das heißt natürlich nicht, dass Gott kein Ehrenamt und keine wie auch immer geordnete Ordnung der Gemeinden will. Das besagt nur, dass wir, die wir ein Amt oder Ehrenamt ausüben uns nicht damit vor den Menschen brüsten oder gar hervortun sollen. Wenn wir ein Amt oder Ehrenamt bekleiden, dann sollen wir es zu Gottes Ehre mit Leben füllen und nicht zu unserer Ehre.

Und wie macht man das ? Mit Demut. Auch wieder ein Begriff, den wir heute so gar nicht mehr kennen. Demut heißt, dass wir uns selber richtig einschätzen. Wenn wir uns selber richtig vor Gott einschätzen, dann sind wir genau so klein und nichtig und sündig und böse, genau wie der Christ, der gerade erst zum Glauben gekommen ist. Nichts, aber auch rein gar nichts berechtigt uns also, uns über jemanden anders zu stellen.

Demut heißt aber auch, dass es mir daran gelegen sein muss, dass allen Menschen geholfen wird. Wenn selbst mir als sündiger, böser Mensch Gnade geschenkt wird, um wie viel mehr möchte Gott diese Gnade auch allen meinen Mitmenschen schenken. Das allein gilt es weiterzugeben.

2. Alle Sorgen werft auf ihn

Es ist schon erstaunlich, liebe Gemeinde, viele Menschen glauben felsenfest daran, dass Gott die Welt erschaffen hat, aber sie haben enorme Schwierigkeiten zu glauben, dass Gott sich auch um einen jeden einzelnen, den er schließlich geschaffen hat, persönlich kümmert.

Das ist manchmal ja auch ganz schön praktisch. Gott kümmert sich um das große Ganze und ich kann mich schön vor ihm verstecken. So ist es aber nicht. Gott sieht nämlich alles. Das soll auch nicht als Drohung verstanden werden, wie es leider oftmals gemacht wird. Das soll ein Trost sein.

Gott, der auch mich und dich geschaffen hat, der lässt uns doch nicht allein im Regen stehen. Egal, was auch gerade passiert, dieser allmächtige Gott möchte alles mit uns teilen. Er möchte an all unseren Freuden teilnehmen, indem er sich mit uns freut. Aber er möchte auch nicht, dass wir von Sorgen geplagt depressiv durch die Welt laufen.

Sie kennen wahrscheinlich alle diese ominösen Erfolgsratgeber, die Regal für Regal die Buchhandlungen füllen und manchmal weggehen, wie die berühmten warmen Semmeln. Sie alle versprechen uns den Königsweg zum glücklichen und erfüllten Leben. Und dabei braucht man nur ein Neues Testament in die Hand zu nehmen und hätte das Erfolgsgeheimnis für ein gelingendes Leben direkt in den Händen.

Erfolgreich und zufrieden leben kann nämlich jeder, der seine Sorgen und Nöte Gott überträgt. Er darf gewiss sein, dass Gott sich auch direkt darum kümmert. Viele Menschen machen dies und haben, weil Gott vielleicht doch nicht so viel Zeit hat, gleich den Königsweg einer Lösung mit parat. Man weiß ja selbst, was am besten für einen ist. Das, liebe Gemeinde, funktioniert natürlich nicht.

Ich darf Gott all meine Probleme und Sorgen übertragen und ihn im Gebet bitten sich dieser auch anzunehmen. Wie er das dann macht, das muss und darf ich getrost meinem Herrn im Himmel überlassen. Egal, was er macht, er macht genau das, was genau richtig für mich ist.

Ich glaube, wir alle müssen uns immer mal wieder an die Aufforderung „Alle Sorgen werft auf ihn“ erinnern. Und dann müssen wir auch noch etwas mitbringen, nämlich Zeit. Gott kümmert sich um all unsere Sorgen, den rechten Zeitpunkt hingegen den bestimmt nur ER allein. In der heutigen Zeit muss ja immer alles schon vorgestern erledigt worden sein. Bei Gott müssen wir uns hingegen darauf einstellen, dass es auch mal übermorgen sein kann.

3. Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe

Das klingt auf den ersten Blick viel dramatischer, als es in Wirklichkeit ist. Natürlich läuft der Teufel noch umher. Aber das Brüllen zeigt, dass er verletzt ist. Petrus will uns also keine Angst machen, er will uns beruhigen. Der Teufel ist angezählt wie ein Boxer kurz vor dem endgültigen KO. So ein Boxer schlägt meist unkontrolliert um sich und versucht irgendwas oder irgendjemanden zu treffen. Wer sich ihm ausliefert, der hat natürlich verloren. Aber ein taktisch kluger Gegner wird ihm einfach aus dem Weg gehen und warten bis er mit seinen Kräften am Ende ist.

Auch wenn des Teufels Macht besiegt ist, so sollen wir trotzdem Obacht haben, dass wir uns ihm nicht entgegenstellen. Nur dann kann er uns nämlich noch gefährlich werden. Wenn wir uns von ihm und seinen Versuchungen fernhalten, dann sind wir immer auf der sicheren Seite.

Und selbst wenn wir aus eigenem Verschulden dem Teufel und seiner Macht zu nahe gekommen sind, finden wir die Hilfe bei unserem Herrn. Aber so weit müssen wir es ja gar nicht erst kommen lassen. Auch hier gilt: Gefahr erkannt Gefahr gebannt.

Üben wir uns doch alle wieder in der Demut, lassen Sie uns all unsere Sorgen aif IHN werfen und treten wir dem Teufel nicht ungeschützt entgegen, sondern halten ihm unseren Glauben entgegen. Dann sind wir von der Herrlichkeit die uns in Christus erwartet, wahrlich nicht mehr weit entfernt.

Dann können wir auch fröhlich in den dritten Vers des Liedes „Vertraut den neuen Wegen“ (EG 395) von Klaus Peter Hertzsch einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt !
Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber