Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Pfingstmontag. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 11, die Verse 1-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Turmbau zu Babel

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen ! – und nahmen Ziegel aus Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Der fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe ! So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.

Liebe Gemeinde,

Pfingsten, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes mit der Folge, dass jeder seine eigene Sprache hören kann, das war schon ein Ereignis. Und heute hören wir von einer genau gegenteiligen Geschichte, nämlich der Zerstreuung der Völker in vielerlei Sprachen und Kulturen. Das eine, wie das andere sind von Gott veranlasst worden. Zwischen den Zeilen finden wir auch die Botschaft, die Gott uns senden will. Ich glaube, drei Punkte sollen wir uns immer wieder in unserem Umgang mit Gott klarmachen:

1. Gott regiert

Der Theologe Karl Barth schrieb einem Pfarrer, den, bedingt durch die Geschehnisse des Dritten Reiches die Angst zu übermannen drohte, einmal die Worte: „Vergiss nicht lieber Freund es wird regiert…“

Wir Menschen meinen ja immer die ganze Welt im Griff zu haben. Mit zunehmender Technisierung geht nahezu alles automatisch. Wer hätte vor 50 Jahren an das Internet gedacht ? Heutzutage ist es der Goldstandard jedweder Kommunikation überhaupt. Und wer hat’s erfunden, natürlich wir Menschen!!!

Mit dem Internet sind wir weltweit verbunden. Innerhalb von Sekunden können ganze Tonnen von Akten in digitaler Form von A nach B bewegt werden. Eine ganz tolle Leistung. Bloß leider, liebe Gemeinde, überholen wir uns dabei meist selbst. Das Internet hat es erst möglich gemacht, dass es ein Darknet gibt, in welchem zum Beispiel Kriegswaffen jedweder Art offen zum Kauf angeboten werden. Und wer hat’s vermasselt, natürlich wir Menschen.

Und genau so waren die Menschen in unserem Predigttext. Sie wähnten sich als Herrscher der Welt, denen nichts mehr unmöglich schien. Also starteten sie ihr eigenes Himmelsprojekt. Und dies ging gewaltig in die Hose, wie wir es soeben gehört haben.

Das Gute daran ist allerdings, dass wir zwar gegen Gottes Willen angehen können, ER aber letztendlich immer die Oberhand behält. Ihm gleiten die Dinge niemals aus der Hand, wie uns das so schnell passiert. Wie Karl Barth auf dieses „Es wird regiert“ vertraute, so können auch wir Tag für Tag darauf vertrauen, dass Gott letztendlich alles zum Guten wenden wird.

Daher können wir uns auch ganz getrost zurücklehnen und auf Gottes eingreifen abwarten und müssen uns nicht ständig um alles und jedes Geschehen in der Welt Sorgen machen. Gott hat alle Dinge im Blick, auch das Darknet. Und zu dem von ihm festgesetzten Zeitpunkt wird ER dort eingreifen, sei es selber oder aber durch Menschen, wie Du und Ich.

Johannes Busch, der Bruder des bekannten Pfarrers Wilhelm Busch saß im Kriege kurzzeitig in einem Nazigefängnis ein, wo er ob seiner Gesinnung wegen verhört wurde. Einer seiner Peiniger ging am Abend aus dem Gebäude heraus und rutschte auf einer achtlos weggeworfenen Obstschale derart aus, dass er sich bei diesem Sturz das Genick brach und auf der Stelle verstarb. Wir sehen, es wird regiert.

2. Die Marschroute

Die Menschen von Babel hatten ja eigentlich nichts ehrenrühriges im Sinne. Sie wollten ja schließlich Gott nicht von seinem Thron stoßen. Sie wollten Gott nur so nahe wie möglich sein. Und das mit eigenen Mitteln zu dem von ihnen bestimmtem Zeitpunkt.

Und hier kommen wir zu unserer zweiten Lektion: Nicht wir kommen von unten herab zu Gott in die Höhe. Nein, dies ist nicht möglich. Gott kommt von oben herab zu uns Menschen. Für uns sündige Menschen ist es schlichtweg unmöglich so wie wir sind zu Gott zu kommen. Dies wusste keiner besser als Gott. Und doch liebte er seine Geschöpfe und wollte einen Weg schaffen, dass wir wieder seine Kinder sein können.

Also musste er, und darüber haben wir von Weihnachten bis Ostern gesprochen, als Mensch auf die Erde kommen und für all unsere Sünden bezahlen. Erst dann, wenn keine Sünde mehr zwischen Gott und mir steht erst dann habe ich wieder freie Bahn hin zu Gott.

Alle meine eigenen Bemühungen, ohne mein JA zu seiner Erlösungstat, werden früher oder später scheitern.

Gott hat Pfingsten vor rund 2000 Jahren den Heiligen Geist ausgesandt. Seitdem wirkt dieser Geist in allen Menschen, die ihn bitten, bei ihnen Einzug zu halten. Dieser Heilige Geist führt und leitet uns unser ganzes Leben lang. Mit dem Heiligen Geist an unserer Seite können wir uns ganz getrost auf unseren Lebensweg machen immer im festen Vertrauen darauf, dass Gott stets das Beste für uns will.

3. Sich einen Namen machen

Das, liebe Gemeinde, hatten die Bürger von Babel im Sinne. Sie wollten sich vor Gott einen Namen machen. Sie wollten mit eigenen Taten vor Gott glänzen. Gott sollte schließlich stolz auf sie sein, was sie geschafft hatten.

Und daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Viele Menschen glauben in der Tat immer noch, dass Gott für jeden Menschen ein persönliches Punktekonto im Himmel führt und die guten Taten letztendlich addiert werden und ihnen somit ein „VIP-Platz“ im Himmel bereitsteht.

Und wenn dann diese guten Taten von anderen Menschen nicht entsprechend anerkannt und gewürdigt werden, dann sind diese Menschen auch noch so richtig beleidigt.

Wenn wir auf diese Art und Weise, also über die Addition der guten Taten in den Himmel kommen wollen, dann sollten wir immer bedenken, dass jede einzelne Sünde, und sei sie auch noch so klein, jedes Mal den gesamten Punktestand wieder auf Null setzt.

Also dürften wir mit Worten, Taten und Gedanken niemals auch nur in die Nähe einer möglichen Sünde kommen. Denn ansonsten sähe es recht düster aus mit unseren Himmelsaussichten.

Gott sei Dank ist es aber nicht so, dass wir uns auf diesem Wege einen Namen bei Gott machen müssen. Das klappte schon damals in Babel nicht.

Aber wie geht es denn dann in den Himmel ? Dadurch, dass Gott sich bei uns einen Namen gemacht hat !!! In Jesus ist Gott als Mensch auf die Erde gekommen, hat für unsere Sünden bezahlt und ist wieder in den Himmel aufgefahren. Am Pfingsttag kam Gott als Beistand zurück auf die Erde und macht sich seitdem bei all denen einen Namen, die ihn im Glauben anrufen.

Wer Gott im festen Glauben und Vertrauen annimmt, sich auf seine Erlösungstat beruft und ihm die Regentschaft über sein Leben überlässt, der muss sich vor Gott nicht mehr über gute Werke den Himmel verdienen. Den Himmel hat er nämlich schon längst geschenkt bekommen.

Wenn der so gläubige Mensch sich dann trotzdem über gute Taten definiert, dann deshalb, weil er sich freut, von Gott angenommen worden zu sein und dies möglichst vielen Menschen auf diese Art und Weise weitergeben möchte.

Dann sind die guten Taten kein Weg mehr zur Eintrittskarte in den Himmel, sondern ein Wegweiser für andere Menschen, wie auch sie in den Himmel kommen können.

Darum lassen Sie uns den Heiligen Geist bitten, auch in unseren Herzen Einzug zu halten indem wir in den ersten Vers des Liedes “ O Heilger Geist, kehr bei uns ein …“ (EG 130) von Michael Schrimer einstimmen:

O Heilger Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein,
o komm, du Herzenssonne.
Du Himmelslicht, lass deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein
zu steter Freud und Wonne.
Sonne, Wonne, himmlisch Leben willst du geben, wenn wir beten;
zu dir kommen wir getreten.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Feiertag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber