Liebe Gemeinde,
ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Markusevangelium, Kapitel 1, die Verse 40-45. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Heilung eines Aussätzigen

Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.

Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekanntzumachen, so dass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.

Liebe Gemeinde,wenn wir uns den Text einmal etwas intensiver ansehen, dann beschäftigt er sich genau mit dem, was wir als gläubige Menschen tun sollen. Lassen Sie uns heute Morgen darüber einmal etwas intensiver nachdenken.

1. Jesus – Die Entscheidung

Viele Menschen geben an, religiös zu sein und an einen Herrgott zu glauben. Gut, dass es einen Herrgott gibt, das weiß auch der Teufel. Schon weit weniger Menschen besuchen regelmäßig Gottesdienste, Gemeinschaftsstunden und andere Formen der christlichen Zusammenkunft. Und ganz wenige Menschen sind wie der Aussätzige aus unserem Predigttext.

In unserer heutigen Gesellschaft lassen viele Menschen Gott einen guten Mann sein, an den man sich zu Weihnachten und Ostern gern erinnert und der auch bei Taufe und Heirat seinen Segen dazugeben darf. Und schließlich so ganz ohne kirchlichen Segen will man ja auch nicht den Friedhof bevölkern.

Unser Aussätziger hingegen hatte mit alle dem religiösen Gedöns nicht viel am Hut. Er hatte aber mit dem was am Hut, der ihn heilen konnte. Er wusste dass Jesus ihn heilen konnte. Das sagte er auch indem er äußerte: „Willst du, so kannst du mich reinigen.“ Es ging ihm also nicht um das ob, sondern dass Jesus ihn reinigen wollte.

Ich glaube, davon sind viele Menschen heute meilenweit entfernt. Viele Menschen glauben, dass sie in den Himmel kommen werden, aber sie glauben nicht daran, dass der auferstandene Herr Jesus tagtäglich auch in ihrem Alltag präsent ist.

Und dabei ist genau dies der Fall. Aber Jesus ist kein hyperaktiver klerischer Hektiker, der von sich aus alles geradebiegt, was irgendwie schief gelaufen ist. Nein, Jesus macht nur etwas, wenn wir ihn auch darum bitten. Er mischt sich also nicht einfach ungefragt in unser Leben ein.
Genau hier können wir uns an dem Aussätzigen ein Beispiel nehmen. Gehen wir doch wieder mit allem, was uns bedrückt zu unserem Herrn. Nichts ist ihm zu groß, als dass er uns nicht helfen könnte. Und kein Anliegen ist ihm zu klein, als dass er sich dafür nicht interessieren würde.

Viele Menschen haben mir schon  berichtet, dass sie sehr wenig oder gar nichts mit Jesus erleben. Wenn ich dann frage, worum sie ihn denn erfolglos gebeten haben kommt meist das berühmte Schweigen im Walde.

2. Jesus – Der Weg

„Und Jesus trieb ihn alsbald von sich..“, so lesen wir es weiter in unserem Predigttext. Da hat also ein Mensch sein Vertrauen in Jesus gesetzt und dann dies. Auf den ersten Blick ist dies auf jeden Fall für mich alles andere als verständlich.

Aber auf den zweiten Blick steckt etwas ganz anderes dahinter. Schauen wir uns doch einmal in unseren Kirchen und anderen Veranstaltungen um. Da geht es doch liebevoll, harmonisch und freundlich zu. Jeder nimmt auf den Anderen Rücksicht. Da möchte man doch gar nicht mehr nach draußen zurück in die Welt gehen.

So erging es auch unserem Aussätzigen. Er wollte vermutlich nur eines, nämlich bei dem bleiben, der ihn geheilt hatte. Das ist auch nur all zu verständlich. Aber Jesus geht es ja gerade darum, dass seine Botschaft möglichst viele Menschen erreicht.

Wenn wir uns innerkirchlich abschotten wie Geheimbünde, dann wird unsere Botschaft auch kaum draußen ankommen. Erst dann, wenn wir in unseren Familien, in unserem Bekanntenkreis und auf unserer Arbeitsstelle den Menschen von Jesus berichten, erst dann haben immer mehr Menschen die Chance auch ihr ganz persönliches Ja zu Jesus zu sagen.
Jesus sagt nicht „Bleibet drin“, sonder er sagt „Gehet hin“. Übrigens auch nachzulesen im 28. Kapitel des Matthäusevangeliums. Nun kann das Ganze natürlich ziemlich holprig werden und wir werden sicherlich das ein oder andere Mal anecken. Auch daran hat unser Herr gedacht, als er uns seinen Missionsbefehl gegeben hat.

Jesus lässt uns ja nicht allein auf weiter Flur unseren Dienst verrichten nach dem Motto: Dann seht mal zu, wie ihr zurechtkommt. Nein unser Herr gibt uns folgendes Versprechen mit auf unseren Weg: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Und darauf dürfen wir uns felsenfest verlassen.

3. Jesus – Der Magier

Da kommt jemand mit einer recht unschönen Hautkrankheit zu unserem Herrn und wie durch ein Wunder ist diese Krankheit im Nu verschwunden. Würde mir das passieren, ich würde es doch am liebsten auch sofort in die ganze Welt hinausposaunen, was der Herr an mir getan hat. Das wirft doch ein ganz besonderes Licht auf meinen Herrn. Das muss ihm doch recht sein, wenn ich das allen Menschen erzähle.

Und was macht Jesus? Er verbietet es dem Aussätzigen darüber zu reden. Stattdessen soll der Geheilte ganz einfach weiter seinem religiösen Leben nachgehen. Irgendwie schon komisch, oder?

Vor einigen Jahren ist ein Fallschirmspringer namens Felix Baumgartner aus einer Höhe von rund 40 km auf die Erde gesprungen. Wochen vorher und Wochen nachher wurde über dieses Ereignis in den Medien berichtet. Und wer spricht heute noch darüber? Kaum noch einer.
Besondere Ereignisse, und dazu zählen auch Wunderheilungen, sind immer nur eine Zeitlang interessant. Ist der spektakuläre Moment erst einmal vorbei, wendet man sich alsbald wieder dem Tagesgeschehen zu. Das wusste auch unser Herr.

Mit dem Verbot des Weitererzählens wollte er vermeiden, dass er nur auf seine Wunder reduziert wird. Jesus war weit mehr als ein Wunderheiler. Er, der Erlöser der ganzen Menschheit, wollte eben nicht auf ein paar Wundergeschichten reduziert werden. Er wollte, dass man ihm im Glauben nachfolgt.

Und genau so ist es heute auch noch. Wir sollen behutsam, das heißt keinesfalls zögerlich, mit unserem Glauben umgehen. Wie mache ich dies am besten? Indem der Herr Jesus das zentrale Element in meinem Leben darstellt. Gewiss kann er auch heute noch in mein Leben eingreifen und mich vor allerlei Schaden und Gefahren bewahren. Aber viel wichtiger ist es doch, dass ich ihn als treuen Begleiter in meinem Leben zur Seite habe, auch wenn es mal durch dunkle Täler geht.

Auch wenn ich es in diesen Momenten nicht unbedingt spüre, dann bereitet er doch schon im Hintergrund einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, wo er mein Haupt salben und mir voll einschenken wird.

Wenn ich Jesus so zum Zentrum meines Lebens mache, dann darf ich auch erfahren dass mir Gutes und Barmherzigkeit folgen werden mein Leben lang. Und das ist doch weit mehr als ein Wunder. Das ist doch DAS Wunder schlechthin.

Darum lassen Sie uns den Herrn loben und preisen mit dem 4. Vers des Liedes „Lobe den Herren…“ (EG 316) von Joachim Neander, der da lautet, wie folgt:

Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet,
der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.
Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.
Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen FriedenAmen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.
Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber