Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 32-39. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn. Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.

Liebe Gemeinde,heute sind wir live dabei, wie Jesus auf Erden gewirkt hat. Dieses Wirken hat auch Auswirkungen auf unser eigenes Christenleben. Schauen wir uns doch Jesu Wirken einmal etwas genauer an.

1. Jesus heilt

Jesus heilte alle Kranken, die man zu ihm brachte. Jesus trieb aber auch böse Dämonen aus. Darüber mögen wir vielleicht ein wenig schmunzeln und innerlich sagen: Die gibt’s doch gar nicht. Auf den ersten Blick mag ich uns auch recht geben.

Aber schauen wir uns doch einmal an, wie viele Menschen in Süchten jedweder Art gefangen sind. Ich meine nicht nur Alkohol- und Drogensüchte. Denken wir nur einmal an Internetsucht oder die Spielsucht. Allen gemein ist doch, dass eine innere Stimme den Süchtigen immer tiefer in den Abgrund treibt und er von allein gar nicht aus dieser Sucht herauskommen kann.

Anders als wie viele Krankheiten beginnt die Wirkung der Dämonen bei den Süchten ganz langsam sodass man die Gefahr am Anfang gar nicht bemerken kann. Der Teufel ist ja schließlich nicht dämlich.

Ich hatte einen guten Freund, der sich ein Spielprogramm für das Casino zurechtgebastelt hatte. Jede Woche ging er einmal in ein Casino und kam immer mit kleinen, bescheidenen Gewinnen nach Hause. Irgendwann reizte ihn doch etwas an dem schnellen und großen Geld, was man ja in einem Casino gewinnen kann. So nahm er den Gewinn der vergangenen Monate und probierte sein System im großen Stil aus und verlor alles. Er hörte aber nicht auf und nahm sich Kredite auf, weil eine innere Stimme ihm sagte, dass er nur weitermachen müsste, dann käme schon der große Gewinn. Und der kam natürlich nicht.

Was können wir daraus lernen? Seien wir vorsichtig, wenn es um den Umgang mit dämonischen Mächten geht. Das Gläschen in Ehren kann bald schon zum Fässchen werden ohne dass wir gar nicht mehr leben möchten. Der totsichere Casinotipp kann uns bald schon in den Ruin führen ohne das wir dies bewusst mitbekommen. Der vielleicht harmlose Joint kann uns schon bald in die Abhängigkeit von harten Drogen führen.

Gewiss, Jesus kann uns auch heute noch mit einem Schlag von diesen Süchten befreien, aber wir müssen sie ja trotzdem nicht reizen, die Dämonen, die uns dort hineintreiben wollen.

2. Jesus betet

An vielen Stellen der Bibel lesen wir, dass Jesus nach seinen Heilungstaten und anderem wunderbaren Wirken stets die Stille suchte. In dieser Stille besprach er sich mit seinem Vater im Himmel und erhielt die notwendige Kraft für sein weiteres Wirken.

Ohne Gebet keine Kraft und ohne Gebet keine Vollmacht. Dies sollten wir auch in unserem Alltags- und Christenleben, die natürlich zusammengehören, stets berücksichtigen.

Es ist ganz wichtig für unser Überleben, dass wir den Kontakt zu unserem Vater im Himmel nicht abreißen lassen. Gebet ist bekanntermaßen das Gespräch mit Gott und kein herunterleiern von wohlformulierten hochtheologischen Reimen.

Gott möchte uns helfen. Er möchte, dass wir mit allem, was uns bedrückt zunächst zu ihm kommen und ihm alles vor die Füße legen. Gott möchte uns trösten, er möchte uns aber gleichzeitig auch stärken für das Leben in der Welt.

Ein Bekannter von mir ist Pfarrer in einer unserer Nachbargemeinden. Er beklagte sich einmal darüber, dass er einfach keine Zeit mehr für das Gebet habe. Es sei ja auch nicht so wichtig. Im Laufe der Jahre bemerkte dies auch seine Gemeinde. Er predigte über alles, aber kaum mehr über Gott. Und so kam es, dass er irgendwann in einem Burnout landete.

Halten wir also fest am Gebet zu unserem Herrn. Natürlich haben wir alle wenig Zeit. Dafür nur ein paar Tipps. Stellen wir doch unseren Wecker einfach 15 Minuten vor der sonst üblichen Zeit und beginnen den Tag mit einem Gebet. Sogar beim Zähneputzen und beim Duschen ist Zeit dafür. Nutzen wir doch den Weg zur Arbeit und zurück einfach mal wieder für ein Gespräch mit dem Herrn. Wir werden erstaunliches erleben.

Ein bekannter Evangelist sagte einmal: Wenn ich einen Tag nicht bete, merke ich dies sofort. Wenn ich zwei Tage nicht bete, dann merkt es meine Familie und wenn ich drei Tage nicht bete, dann merkt dies meine Gemeinde. Soviel zur Kraft de Gebetes.

3. Jesus predigt

Gewiss, die Heilungsgeschichten in der Bibel sind schon wahre Sensationen. Wenn Blinde wieder sehen und taube Menschen auf einmal wieder hören können dann ist dies gewaltig. Und wenn wir erfahren, dass dies auch heutzutage noch geschieht, dann können wir es fast nicht glauben.

Und doch sind dies nur Demonstrationen der Macht, die Jesu Allmacht unter Beweis stellen. Und Jesus sagt es ja selbst, dass er nicht auf die Welt gekommen ist, um Wunderheilungen zu vollziehen, sondern um zu predigen.

Und predigen, das lesen wir auch z.B. bei Wikipedia ist nichts anderes als Gottes Wort zu verkündigen. Und daher zieht Jesus immer weitere Kreise, um dieser Aufgabe auch gerecht zu werden.

Und hier kommen wir wieder ins Spiel. Das predigen ist auch unsere Aufgabe als Christen in der Welt. Dabei sollen wir im Kleinen beginnen, also im Bereich unserer Familien, danach sollen wir größere Kreise ziehen. Zum Beispiel Freunde und Verwandte und Arbeitskollegen von der frohen Botschaft zu berichten.

Wie es in einem schönen Kirchenlied heißt: „Mit Herzen, Mund und Händen..“ Predigen heißt nämlich nicht auf einer Kanzel zu stehen und die Gemeinde 20 Minuten lang zu unterhalten. Gottes Wort sollen wir überall kundtun, wo uns der Herr gerade hinstellt.

Mit dem Herzen tun wir dies, indem wir für die Nöte und Sorgen unserer Mitmenschen ein offenes Ohr haben und ihnen unsere Zeit schenken. Mit Worten tun wir dies unter anderem damit, dass wir den Menschen davon erzählen, was wir mit Jesus schon alles erlebt haben. Und mit den zupackenden Händen predigen wir ganz praktisch, wenn wir uns zum Beispiel mit unseren körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Dienst einer Gemeinschaft einbringen oder ganz einfach dem Mitmenschen dort helfen, wo er unsere Hilfe benötigt.

Jeder von uns wird von Gott mit Fähigkeiten ausgestattet, die er in den Dienst der frohen Botschaft stellen kann. Überlegen wir doch heute Nachmittag einmal, mit welchen Fähigkeit wir unserem Herrn und unseren Nächsten dienen können.

Der Liederdichter Salomo Liscow beschreibt diese Art des Dienstes für unseren Herrn sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes : „In Gottes Namen fang ich an…“ (EG 494), der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut, ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen FriedenAmen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber