Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag Lätare. Lätare heißt ja bekanntlich „Freuet Euch“ und da wollen wir doch einmal sehen, welche Freude unser heutiger Predigttext, den wir im 6. Kapitel des Johannesevangeliums, die Verse 55-65 finden, für uns bereithält:

Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte. Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das? Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Aber es gibt einige unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.

Liebe Gemeinde,

so auf den ersten Blick betrachtet geht es hier um das Heilige Abendmahl. Das würde ja auch zu dem Sonntag Lätare irgendwie passen. Und dann kommt als Reaktion der Jünger etwas ganz anderes, als wir es erwartet hätten. Sie sagten: „Das ist eine harte Rede…“ Hatten die Jünger mehr gehört oder besser zugehört oder etwas besser verstanden, was Jesus ihnen zuvor gesagt hatte?

Ich glaube, es geht in unserem Text gar nicht so sehr um das Heilige Abendmahl, es geht vielmehr darum, wie ich als Christ auch authentisch lebe und mein Leben dementsprechend gestalte. Ich glaube nämlich, dass wir alle, die wir heute Morgen zusammensitzen keinerlei Erkenntnisprobleme haben. Wir alle kennen die Bibel doch wirklich sehr gut. Wir wissen doch alle was drin steht. Aber wir könnten ein Umsetzungsproblem haben. Nämlich das in unseren Alltag umzusetzen, was wir allsonntäglich hören.

Schauen wir uns doch einmal 3 Fragen an, die Jesus uns auch heute noch zwischen diesen Zeilen versteckt stellt. Jesus stellt auch mir diese Fragen immer wieder. Schauen wir doch mal kurz rein in den Dialog zwischen Jesus und mir.

1. Du willst also Christ sein?

Natürlich Jesus, will ich Christ sein. Ansonsten wäre ich heute wohl nicht hier. Ja gut, in der Woche ist es mal wieder nicht alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin ein paar Mal aus der Haut gefahren, was nicht hätte sein müssen.

Und dann habe ich jemandem die Vorfahrt genommen. Und dieser Jemand als er mich überholte zeigte er doch glatt auf mein Schild mit dem Fisch und schüttelte nur noch den Kopf. Ich wurde wütend und zeigte ihm auch noch den Vogel. Das war natürlich voll daneben.

Jesus, ich möchte doch so gern Christ sein, vergesse mich in der Woche aber immer wieder. Was soll ich nur machen? Bitte mich doch einfach, Dir den ganzen Tag in der Woche beizustehen. Gesteh Deine Sünden auch sofort ein und lass uns versuchen, es gemeinsam besser zu machen.

Ich weiß, dass Du es allein gar nicht kannst, die Sache mit dem vollkommenen Christsein. Aber wenn es Dich tröstet, das kann kein Mensch, also mach Dir nicht allzu große Vorwürfe, sondern lass uns fortan den Weg gemeinsam gehen.

2. Du willst ein gläubiger Mensch sein?

Schau Ulli, du bist doch ein Fan vom VfL Bochum. Ist dir eigentlich mal aufgefallen wie häufig Du Dich mit Deinen Mitmenschen über Fußball und den VfL unterhältst? Nein, aber mir ist es aufgefallen.

Und mir ist noch etwas aufgefallen, du sprichst mit den Menschen über Fußball, ihre Nöte, Sorgen und Probleme, aber über mich redest Du ganz wenig. Du musst den Leuten doch auch zeigen, was dich trägt, wenn Deine Sorgen dich quälen. Es ist natürlich gut und richtig, dass Du dich der Nöte, Sorgen und Probleme Deiner Geschwister annimmst.

Aber denke doch mal darüber nach, dass Du nicht zeitgleich für alle Deine Geschwister da sein kannst. Und irgendwann wirst Du bei mir sein und wer hilft Ihnen dann? Lehre doch Deine Geschwister, dass es mich gibt, der ihnen stets und immer beisteht. Lehre sie doch den Weg zu gehen, den Du auch einmal gegangen bist , als wir beide uns begegnet sind. Erzähl doch einfach von damals, als du noch kein Christ warst und alles andere lieber tatest als die Bibel zu lesen.

Und dann berichte darüber, was sich alles in Deinem Leben geändert hat, seit ich Dich auf Schritt und Tritt begleite. Erzähle ihnen doch einfach von Deinem großen Haufen von Problemen, die Du hattest, als Du zu mir kamest. Und berichte doch ganz frank und frei darüber, wie wir beide ein Problem nach dem anderen bewältigt haben.

Rückwirkend sieht ja alles immer positiver aus, als es in Wirklichkeit war. Sag also Deinen Geschwistern, das auch ein gläubiger Mensch nicht nur in Frieden und Glückseligkeit lebt. Berichte ruhig darüber, dass Du auch heute manchmal noch niedergeschlagen bist. Aber sage Ihnen auch, dass trotz allem Negativen, was Dir auch heute noch wiederfährt Du trotzdem an mir hängenbleibst. Du vertraust mir trotzdem, weil Du ganz genau weißt, dass ich am Ende alles gut mache.

3. Ich soll Dein Retter sein?

Weißt Du, Ulli, natürlich bist du vom Tod zum Leben übergegangen, als Du mein Angebot angenommen hast. Aber das war ja keine einmalige Geschichte. Damit hat doch erst alles angefangen. Ich habe meinen Jüngern damals dies recht drastisch dargestellt, als ich sagte: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“

Weißt du, die Jünger damals waren schon recht raue Gesellen. Mit denen musste man schon mal Tacheles reden, damit sie auch begriffen, was ich ihnen sagen wollte. Manchmal habe ich auch bei Dir den Eindruck, dass ich Dir mal wieder gehörig den Kopf waschen muss. Warum, das fragst Du?

Mit Essen und Trinken wollte ich den Jüngern damals verdeutlichen, dass dies Bedürfnisse sind, die jeden Tag auf neue gestillt werden müssen. Kein Mensch kann auf Vorrat essen oder trinken. Genau so lebe ich nur in Dir und Du in mir wenn wir täglich miteinander verbunden sind.

Stell dir einfach mal vor, ich bin die Tankstelle und du ein Auto. Wenn du nicht regelmäßig bei mir vorbeischaust um dich aufzutanken, dann ist irgendwann der Tank leer und Du kannst nicht mehr weiterfahren. Denn das, was Du als Auto brauchst, das bekommst Du allein von mir.

Und jetzt setzen wir das mal in Dein Leben um. Du lebst allein von mir, meiner Gnade und meiner Kraft. Gewiss, du schaffst es auch ein paar Meter alleine, aber wie!!! Aber, wenn Du die Verbindung zu mir niemals abreißen lässt, dann bin ich stets und ständig mit Dir verbunden. So stelle ich sicher, dass Du jeden Tag aufs Neue genügend Treibstoff für Dein Leben bekommst.

Und jetzt denke mal darüber nach, wie oft Du auch heute noch versucht bist, etwas selber in die Hand zu nehmen, ohne mich zu befragen. Sogar in der letzten Woche gab es einige Angelegenheiten, die wir zuvor hätten besprechen sollen. Aber das merkst Du leider oftmals erst hinterher.

Tu mir doch einen Gefallen, bleib stets ganz dicht an mir dran und besprich die Dinge, die Du vorhast, doch vorher mit mir. Erspare Dir doch so manche Enttäuschung. Und vor allem: Nimm Du Dich mal nicht so wichtig. Ich bin der Retter.

Wer sich so von Jesus angesprochen fühlt, der hat jeden Tag die Möglichkeit den rechten Weg mit unserem Herrn zusammen zu gehen. Und wer sich diesen Jesusfragen erst etwas zu spät stellt, der hat sein ganzes Leben lang immer wieder die Möglichkeit zur Umkehr. Jesus ist immer nur ein Gebet weit entfernt.

Ein Gebetslied des Liederdichters Johann Olearius beschreibt das tägliche Leben mit unserem Herrn sehr schön wie folgt (EG 197, Vers 1):

Herr, öffne mir die Herzenstür,
zieh mein Herz durch dein Wort zu Dir.
lass mich dein Wort bewahren rein,
lass mich dein Kind und Erbe sein.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und geben dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

gehen wir doch mit diesen drei Fragen einmal gemeinsam mit unserem Herrn durch die kommende Woche und lassen Sie uns erleben, was er uns alles sagen möchte. Dabei wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber