Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Erntedanktag des Jahres 2016. Wie es der Namen schon sagt, geht es heute um das Danken. Wenn wir uns die Altargaben anschauen, dann hat Danken auch etwas mit abgeben zu tun. Und um das Abgeben und die damit verbundenen Probleme geht es auch in unserem heutigen Predigttext, welcher auch als „Paulinische Kollektenrede“ bekannt ist. Wir finden den Predigttext im 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 9, die Verse 9-15. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder mit Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht (Psalm 112,9): “ Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“ Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot und Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte der Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zugeben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass Viele Gott danken. Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

Liebe Gemeinde,

Beim Danken bzw. bei der Kollekte stoßen wir im allgemeinen auf drei Bereiche, die wir heute Morgen einmal gemeinsam betrachten wollen:

1. Nehmen und Geben

Viele Gemeinden der ersten Zeit lebten ja in der Hoffnung und der Gewissheit, dass unser Herr recht bald wiederkommt. Demzufolge teilten Sie ihr Vermögen, kümmerten sich auch nicht mehr darum, ihren Lebensunterhalt zu sichern und brauchten ihre Vermögenswerte auf bis schließlich nichts mehr vorhanden war.

Die Korinther hingegen waren besser gestellt. Sie besaßen ein größeres Vermögen, verließen sich vielleicht auch nicht unbedingt auf das schnelle Wiederkehren des Herrn und taten auch etwas, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Diesen Menschen sagt Paulus nun, dass sie etwas abgeben müssen und zwar denen, die auf Grund falscher Annahmen ihr Vermögen aufgebraucht hatten.

Was würden wir denn heute sagen, wenn ein derartiges Anliegen an uns herangetragen würde ? Die haben einfach schlecht gewirtschaftet, immer aus dem Vollen gelebt und eine gewisse Realitätsferne stellen wir auch fest. Warum sollten wir denen, die alles aus eigener Schuld verprasst haben jetzt auch noch etwas von dem abgeben, was wir uns sauer erarbeitet bzw. erspart haben ? Das wäre doch eine nachvollziehbare Reaktion.

Paulus hingegen fragt nicht danach, ob die in Not geratenen Menschen die Hilfe auch wirklich verdient haben. Paulus geht es um das Abgeben als christlichem Lebensgrundsatz.

Alles, was ich habe, sei es eine gute Ernte, einen tollen Job, ein Supereinkommen, das alles habe ich mir nur vordergründig selber geschaffen. In Wahrheit ist es Gott, der uns dies alles gegeben hat. Wie schnell ist es vorbei mit unserer Arbeitskraft und dann auch mit dem Superjob und dem tollen Einkommen.

Gott gibt uns, damit wir weitergeben können. Das, was ich nicht brauche, soll ich nicht alles an die Seite legen. Nein, liebe Gemeinde, mein Überfluss dient dazu, dem Mangel der anderen abzuhelfen.

Wir müssen es, glaube ich, uns immer wieder in unser Bewusstsein rufen, dass unser Überfluss eben nicht zur Anhäufung unseres eigenen Reichtums bestimmt ist, sondern dass dieser Überfluss zur Minderung der Nöte unserer Mitmenschen bestimmt ist.

2. Das Mehr-Gen

Wir kennen es vielleicht alle: Wir haben ein gut funktionierendes Auto und sind auch ganz zufrieden damit. Dann kauft sich unser Nachbar die neueste Version eines Luxusschlittens. Und schon ist es vorbei mit unserer Zufriedenheit. Wir möchten am liebsten auch so einen Luxusschlitten unser eigen nennen. Und so geht es locker weiter und weiter und weiter.

Letztendlich bestimmen Neid und Gier immer mehr unser gesamtes Leben. Wir drehen uns vor noch um uns selbst und verlieren dabei den Blick für alles andere aus unseren Augen. Wozu hat es denn geführt, dass jeder nur noch an sich und sein Geld dachte, unter anderem doch zu der letzten Finanzkrise. Und im allgemeinen führt dies immer mehr zu ganz massiven Lebenskrisen, nämlich genau dann, wenn die Spirale mal eben nicht mehr weiter nach oben geht. Dann ist sie oftmals erreicht, die Sinnkrise des Lebens.

Jesus zeigt uns diese Gefahr auf und fordert uns auf, umzudenken. Wir sollen uns eben nicht zum Slaven des Besitzes machen. Sollen wir also wie die ersten Gemeinden sorglos in den Tag hineinleben und uns auf unsere Mitmenschen verlassen, die schon für uns sorgen werden? Nein, natürlich nicht.

Aber wir können uns folgende Fragen stellen: Anstelle von „Was fehlt mir noch?“ können wir uns fragen „Was habe ich nicht alles?“. Anstelle von „Wie viel kann ich noch an die Seite legen?“ können wir uns auch die Frage stellen „Wie viel kann ich abgeben?“

Wenn ich mit diesem Betrag anderen Menschen helfen kann, kommt dies immer als Segen zu mir zurück. Dies sagt nicht Ulli Naber, sondern Gott höchstpersönlich unter anderem in Maleachi 3, Vers 10: „Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herab schütten die Fülle.“

Um es etwas salopper auszudrücken: Wenn ich dafür sorge trage, dass es meinen Mitmenschen gut geht, wird es mir niemals schlecht ergehen. Ich stehe unter dem direkten Schutz dessen, der Himmel und Erde gemacht hat.

3. Geben ist Mission

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Was ist das eigentlich, ein fröhlicher Geber ? Nun, das ist zunächst einmal jemand, der Gott dafür dankt, dass er von dem, was er im Überfluss hat auch tatsächlich ohne Not etwas abgeben darf.

Wir sollen dem anderen mit Liebe etwas zukommen lassen und nicht so, dass er sich schämen muss, notleidend und auf unser Hilfe angewiesen zu sein. Wir müssen auch nicht für alles eine Spendenquittung haben.

Ein Bekannter von mir, dem es wirtschaftlich recht gut geht, verteilt regelmäßig anonym 50 € in einem Briefumschlag an Familien, wo er weiß oder gehört hat, dass diese das Geld dringend gebrauchen können. Immer ist ein Zettel dabei „Von Gott für Euch“.

Das geht natürlich auch mit geringeren Beträgen. Wenn ich so gebe, also ohne ein Dankeschön zu erzwingen dann mache ich mein Geben und meine Gaben zu das, was sie sein sollten nämlich zu einem rechten Gottesdienst. Und das sollen wir nicht nur heute am Erntedanktag tun, sondern an 365 Tagen im Jahr.

Nach der Höhe des Spendenbetrages gefragt antwortete einmal Pfarrer Paul Deitenbeck wie folgt: „Wenn Du jetzt das Doppelte von dem gibst, was Du dir gerade vorgenommen hast, gibst Du genau die Hälfte von dem, was Gott von Dir erwartet.“

Darum lassen Sie uns Gott zum Abschluss danken mit dem 1. Vers des Erntedankliedes „Die Ernte ist nun zu Ende..“ von Gottfried Tollmann, der da lautet, wie folgt:

Die Ernt ist nun zu Ende, der Segen eingebracht,
womit Gott alle Stände satt, reich und fröhlich macht.
Der treue Gott lebt noch,
man kann es deutlich merken
an soviel Liebeswerken,
drum preisen wir ihn hoch.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Erntedanktag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber