Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 22, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir zeigen werde. Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte. Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham ! Er antwortete: hier bin ich. Er sprach: Lege deinen Hand nicht den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.

Liebe Gemeinde,

ganz schön starker Tobak, den wir soeben gehört haben. Hätte ich das auch so konsequent mit meinem Sohn gemacht, wenn Gott dies von mir gefordert hätte? Ich glaube natürlich, dass ich dies nicht gemacht hätte. Aber was hat dann dieser heutige Predigttext für einen Sinn? Was will er uns aufzeigen? Ich glaube hinter dem Predigttext stehen drei Punkte, die wir vielleicht schnell überlesen, weil wir von dem Geschehen als solchem schnell in unseren Bann gezogen werden.

1. Gott unterbricht

Liebe Gemeinde, es gibt ja durchaus Menschen, die nach ihrer Bekehrung meinen, sie dürften überhaupt nichts mehr tun; außer zu Hause zu sitzen um auf göttliche Aufträge zu warten. Dies ist natürlich ein phänomenaler Unsinn, aber es gibt tatsächlich Religionsgemeinschaften, die dies so sehen.

So war Abraham natürlich nicht. Er kannte Gott und tat genau das, was nötig war, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Er schob also die Verantwortung für sich und die Seinen nicht auf Gott ab, sondern arbeitete, wie wir alle es tun, um unsere Familien zu ernähren. Natürlich betete er auch zu Gott, aber alles zu seiner Zeit.

Ein bekannter Evangelist hat dies einmal wie folgt auf den Punkt gebracht, als er gefragt wurde, ob Arbeiten oder Beten wichtiger sei: Arbeite so, als ob nur die Arbeit von Gott gewürdigt wird und bete so, als ob nur beten helfen würde.

Mitten in seine Arbeit hinein rief Gott den Abraham an. Abraham unterbrach sofort seine Arbeit und widmete sich augenblicklich Gott zu. Er ließ sich also bereitwillig von Gott in seiner Tätigkeit unterbrechen. Machen wir das heute auch noch so ? Ist es nicht vielmehr so, dass wir in diesem Falle sagen: „Jetzt nicht Gott, ich bin leider gerade zu beschäftigt.“ Und dann wundern wir uns, wenn wir so wenig mit Gott zusammen erleben.

Denken wir doch einmal daran, dass alles, was wir haben und alles, was wir sind wir schließlich von Gott erhalten haben. Demzufolge hat er nicht nur das Recht uns jederzeit zu unterbrechen, nein nicht nur das, wir haben demzufolge geradezu auch die Pflicht, uns gefälligst von Gott unterbrechen zu lassen. Wenn Ihr Chef auf der Arbeitsstelle Ihnen etwas mitteilen will, dann unterbrechen Sie ja auch Ihre momentane Tätigkeit und fokussieren sich auf das, was der Chef Ihnen sagen will.

Machen wir dies doch bei Gott ab jetzt genau so.

2. Raus aus der Komfortzone

Gott erteilt Abraham einen Auftrag. Der hatte es, wie wir gesehen haben, in sich. Da war nichts mehr mit religiöser Gefühlsduselei und frommen Chorälen. Bei diesem Auftrag ging es im wahrsten Sinne des Wortes an die Substanz. Und doch machte sich Abraham auf Geheiß seines Herrn auf den Weg, genau so, wie es der Herr ihm befohlen hatte.

Jetzt sind wir doch alle mal ganz ehrlich, wir sind ja unter uns. Es ist doch viel schöner in einer christlichen Gemeinschaft über Gott und unsere Erlebnisse mit ihm zu reden und zu diskutieren. Das tut doch richtig gut, von den anderen verstanden zu werden und zu erfahren, dass es ihnen genau so ergangen ist, wie uns. In völliger Eintracht und Frieden leben wir zusammen und genießen die Zeit der Gemeinschaft so richtig.

Bloß ist dies nicht unser Auftrag, den Gott uns erteilt hat. Wir sollen eben nicht in den Kirchen sitzen und aufpassen, dass ja kein Fremder unsere Idylle und den Frieden stört. Unser Auftrag lautet: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker; taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28, 19-20)

So, und dieser Auftrag kommt von Gott ganz persönlich und ist daher weder auslegbar, noch verhandelbar. Was bedeutet dies für uns? Wie Abraham werden wir von Gott höchstpersönlich aus unserer Komfortzone herausgerufen und beauftragt, diesen Auftrag auszuführen. Und der hat es sin sich.

Wir sollen ja nicht nur zu den Menschen gehen, die uns freundlich gesinnt sind, uns brav zuhören und sich anschließend allesamt bekehren. Nein, Gott spricht von allen Völkern. Und da sind auch solche dabei, dies uns eher misstrauisch, wenn nicht gar feindlich gesinnt gegenüberstehen. Und auch da sollen wir nicht kneifen.

Wie wir das umsetzen sollen, das ist uns selber überlassen. Wir können dies mit Herzen, Mund und Händen tun. Aber immer so, dass jeder erkennt, welche Botschaft wir weitergeben möchten.

3. Schattenspringer

Ich bekomme schon ein wenig Gänsehaut, wenn ich mir bildlich vorstelle, wie Abraham seinen Sohn Isaak auf dem Holz festbindet und dann mit dem Messer drauf und dran war, seinen Sohn zu opfern.

Ich wünsche natürlich uns allen, dass Gott uns niemals in eine ähnliche Situation führen wird. Aber Gott wird uns auf unserem Wege mit ihm immer wieder in Situationen führen, wo auch wir über den sprichwörtlichen Schatten springen müssen.

Da bekommt ein junger Mensch den Auftrag, für Gott als Prediger tätig zu werden. Er bekommt aber immer wieder Panik, wenn er vor mehr als fünf Menschen öffentlich reden soll. Zieht jetzt Gott seinen Auftrag zurück, weil er sich bei der Auswahl der Person vielleicht doch geirrt hat?

Nein, Gottes Auftrag bleibt bestehen. Der junge Mann muss wohl oder übel predigen, also über seinen eigenen Schatten springen. Denken wir noch einmal an Matthäus 28, also an unseren Generalauftrag. Der geht nämlich noch weiter: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Und das ist das entscheidende an unserem Leben mit und für unseren Herrn. Egal, was auf uns zukommt, er ist immer bei uns. Der junge Mann hat Angst vor öffentlichen Auftritten? Indem Moment wie er vor der Gemeinde steht Gott neben ihm und steht ihm bei. Gott hilft spätestens rechtzeitig. Und darauf können wir uns voll und ganz verlassen.

Ich glaube, dass wir Christen uns immer wieder im Schattenspringen üben sollten, das ist nämlich unsere Paradedisziplin. Wir haben Streit mit unserem Ehepartner und sind uns so richtig gram? Warum springe ich nicht über den Schatten und gehe den ersten Schritt in Richtung Versöhnung? Gott hilft mir dabei. Wir meinen, wir könnten uns der neuen beruflichen Herausforderung doch gar nicht stellen. Warum eigentlich nicht? Werden wir doch Schattenspringer in der festen Gewissheit, dass Gott mit springt und uns sogar über die Hürde trägt, wenn wir es nicht alleine schaffen. Wir haben Angst uns dem Mainstream entgegenzustellen, der zum Beispiel der Meinung ist, dass wir schon genug Flüchtlinge in unserem Land haben. Warum stellen wir uns denn denen nicht entgegen? Gott ist doch bei uns und steht uns bei.

Aus diesen Alltagsbeispielen sehen wir, dass wir immer wieder als Schattenspringer gefordert sind. Machen wir es doch auch, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt in dem festen Vertrauen auf Gottes Zusage: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Der Liederdichter Manfred Siebald hat für uns Schattenspringer einen mutmachenden Vers zur Hand, den wir uns tagtäglich ins Gedächtnis rufen dürfen. Es ist der erste Vers seines Liedes „Es geht ohne Gott..“, welcher lautet, wie folgt:

Es geht ohne Gott in die Dunkelheit
aber mit ihm gehen wir ins Licht.
Sind wir ohne Gott macht die Angst sich breit
aber mit ihm fürchten wir uns nicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche als Schattenspringer zusammen mit unserem Herrn.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber