Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Jubilate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 16, die Verse 16 und 20-23a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam betrachten:

Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen.

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext entstammt den Endzeitreden Jesu, der heutige Sonntag Jubilate besagt uns hingegen: „Jauchzet Gott, alle Lande.“ Wie sollen wir denn dieses zusammenbringen, auf der einen Seite die Endzeitstimmung und auf der anderen Seite der Jubel? Die Lösung finden wir mitten in unserem Predigttext, wo Jesus seinen Jüngern wortwörtlich sagt: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“ Geht das denn heute auch noch, also rund 2000 Jahre nach dieser Endzeitrede. Lassen Sie uns darüber heute morgen gemeinsam nachdenken.

1. Zeiten des Zweifels

Jeder unter uns kennt doch die Zeiten, in denen alles „rundläuft“ mit Jesus. Man kann ihn quasi hautnah bei sich spüren und hat das Gefühl, mit Jesus immer einen direkten Gesprächspartner neben sich zu haben.

Und dann ist sie auf einmal wie aus dem nichts da; die Zeit des Zweifels. Bilde ich mir dies alles vielleicht nur ein ? Ist da oben vielleicht doch keiner? Ist mit dem Tod nicht doch alles aus ? Diese Fragen stellen sich auch dem gläubigen Christen immer wieder einmal. Das wusste schon Jesus.

Gerade diese Zeiten in denen wir zweifeln sind doch die traurigen Zeiten des Glaubens. Und diese will unser Herr bei einem jeden von uns in Freude verwandeln. Jeder Zweifel, liebe Gemeinde soll uns doch eigentlich nur näher zu Jesus hinführen. Gerade in den Zeiten meiner persönlichen Zweifel habe ich mich noch stärker zu seinem Wort hingezogen geführt. Und gerade in diesen Zeiten habe ich in der Bibel die erstaunlichsten und für mich persönlich die hilf-reichsten Entdeckungen gemacht.

In Zeiten, wo alles „rundläuft“, da habe ich auch schon mal die Bibel ein wenig zur Seite gelegt und mich mehr mit dem Tagesgeschehen, als mit dem Worte Gottes beschäftigt. Aber dann, wenn auf einmal nicht mehr alles so lief, wie ich es mir dachte, dann hatte ich den Drang im Worte Gottes nach einer Lösung  zu suchen.

Damals bin ich dann auch über Matthäus 28 gestolpert. Insbesondere über den Satz: Siehe, ich bin bei euch alles Tage bis an der Welt Ende. Das sagt uns nicht irgendwer. Das sagt uns der Sohn des allmächtigen Gottes. Und wenn der etwas verspricht, dann kann ich mich auch felsenfest darauf verlassen.

Wenn er auch gerade dann um mich herum ist, wenn ich ihn nicht spüre und mich mit meinen Zweifeln allein wähne, dann ist er ja DOCH da. Dann ist er auch dann um mich herum, wenn ich seine Nähe einmal nicht so konkret spüren und fühlen kann.

Und wenn dies der Fall ist, dann ist der Traurigkeit meines Zweifels der Boden entzogen. ich kann dann allenfalls noch darüber nachdenken, wozu Gott dieses Zweifel in meinem Leben benutzt. Aber für eine tiefe Traurigkeit ist gar kein Platz mehr, vielmehr ist Platz für Freude am Worte Gottes.

2. Schicksalsschläge

Wir alle haben doch schon den einen oder anderen Schicksalsschlag erlebt. Da hat man sich in der Firma abgerackert ohne Ende und dann kommt wie aus heiterem Himmel die Kündigung ins Haus geflattert. Auf einmal gerät die ganze Existenz und alles, was man geplant hat, vollkommen durcheinander. Da hat der Ehepartner nach über 30 Jahren Ehe seine Sachen gepackt und verlässt einen, weil er woanders sein Glück gefunden zu haben scheint. Oder aber eine schwere Krankheit zwingt uns, uns vorzeitig von unseren Lieben verabschieden zu müssen.

Da kommt einem das „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“ eben mal nicht mehr so einfach über die Lippen. Da ist man zunächst einmal niedergeschlagen. Und doch, liebe Gemeinde, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott, der soeben eine Türe verschlossen hat, schon längst eine andere Türe unsers Lebens geöffnet hat, hinter der sich etwas verbirgt, was auch in einer solchen Situation geeignet ist, unsere Traurigkeit in Freude zu verwandeln.

Natürlich dürfen wir auch einmal traurig sein, aber wir sollen in diesen Zeiten eines nicht verlieren; nämlich unsere Hoffnung.

Auch David, der ja bekanntlich eine Traumkarriere hingelegt hat die man am besten ausdrückt mit der Überschrift: „Vom Hirtenjungen zum König“, auch der König David wurde von Schicksalsschlägen und Zweifeln nicht verschont.

Aber David wusste, wohin er sich mit seinen Zweifeln wenden kann. Aus einer dieser Zeiten stammt auch der berühmte Psalm 23, den ich hier gern mit uns zusammen beten möchte:

Der Herr ist mein Hirte, mir wir nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führte mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich keine Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

David hatte mehr als einmal in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass auch dunkle Täler durchschritten wedden müssen in unserem Leben. Aber auch dann ist die liebende Hand des Vaters immer nur ein Gebet weit entfernt. Gott führt uns niemals am Leiden vorbei, aber er führt uns immer durch das Leiden hindurch. Und dann verwandelt er die Traurigkeit auch wieder in Freude.

Darauf dürfen wir uns auch heute im Jahre 2017 genau so verlassen, wie es David zu seiner Zeit getan hat.

3. Gottes Vergleich

Jesus redet ja gern in Bildern zu uns. Ganz einfach, weil ein Bild mehr sagt als tausend Worte und weil wir uns Bilder einfach besser einprägen können. Um uns das: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“ einprägsamer zu machen, benutzt Jesus als Vergleich den Vorgang der Geburt.

Ich habe mir von meiner Frau sagen lassen, dass der Vorgang der Geburt mit so starken Schmerzen verbunden sei, die wir Männer uns gar nicht vorstellen können und die wir auch gar nicht aushalten könnten. Aber kurz nach der Geburt sei der Schmerz wie weggeblasen und die Freude über das neugeborene Kind weit größer als der soeben noch durchlittene Schmerz.

Und so sollen wir auch unsere Leidenstage sehen. Am Ende eines jeden Leides wartet etwas auf uns, dass uns das momentane Leid sofort vergessen lassen wird. Das einzige, was wir tun müssen ist dem zu vertrauen, der uns dieses sagt.

Und so, liebe Gemeinde, wird es auch bei unserem letzten Leide sein, durch das wir in dieser Welt hindurchmüssen. Auf der anderen Seite uneres Sterbebettes wird unsere Traurigkeit über den Verlust der Gegenwart unserer Liebsten durch die Freude überstrahlt werden endgültig bei unserem Herrn im Himmel angekommen zu sein.

Selbst das Sterben betrachtet Jesus als eine Art Geburt, die Geburt zu einem neuen Leben, einem ewigen Leben in seiner Gegenwart.

Lassen Sie un also ruhig einmal ins Zweifeln geraten. Nehmen wir doch in diesen Zeiten das Wort Gottes zur Hand und lassen sein Wort direkt in uns wirken. Dann wird die Traurigkeit des Zweifels in Freude verwandelt werden. Lassen Sie uns bei Schicksalsschlägen doch immer zunächst an David und an den Psalm 23 denken. Und betrachten wir alle Traurigkeiten in unserem Leben doch eher als Wehen vor einer Geburt, nach welcher wir unsägliche Freude empfinden werden.

Wenn wir unser Denken und den Umgang mit unseren Leiden in diese Richtung lenken, dann können wir vollen Herzens in den ersten Vers des Liedes „Du meine Seele, singe…“ (EG 302) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier presien auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und uns allen, dass wir stets darauf vertrauen, dass unser Herr allzeit unsere Traurigkeiten des Lebens in unsagbare Freude verwandeln wird.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber