Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Weihnachtsfeiertag. Ich wünschen Ihnen allen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir im 1. Johannesbrief, Kapitel 3, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Herrlichkeit der Gotteskindschaft
Seht, welche Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch ! Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht. Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden sehen, wie er ist. Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist. Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und in ihm ist keine Sünde. Wer aber in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.

Liebe Gemeinde,

wer sind wir eigentlich? Darum geht es in unserem heutigen Predigttext. Bei dieser Frage schießt mir sogleich der Titel eines Buches von David Precht durch den Kopf: “ Wer bin ich und wenn ja wie viele?“

Nun Gottes Antworten sind zum Glück nicht so verwirrend, sondern einfach und klar. Wir sind Gottes Kinder! Genau so steht es zu Beginn unseres Predigttextes geschrieben. Dann ist ja alles gut, dann könnten wir uns ja nun noch schnell unter den Schlusssegen stellen und dann ging es ab zur Weihnachtsgans. Nein, liebe Gemeinde, so einfach ist es dann doch wieder nicht.

Viele von uns kennen sicherlich den Werbeslogan „Ich will so bleiben, wie ich bin…“ Das trifft aber nicht auf unsere Eigenschaft als Gotteskinder zu. Wie wir es später in unserem Predigttext lesen, sollen wir uns reinigen. Also vor der Weihnachtsgans müssen wir noch kurz überlegen, wie denn das gehen könnte.

1. Sehen

Seht, welche Liebe hat uns der Vater erwiesen… Dieses „seht“ soll uns endlich mal von unserem Denken und Handeln wegbringen, welches sich immer nur um uns dreht. Wir sollen einmal aufhören nur darauf zu sehen, dass es uns persönlich gut geht.

Und wir sollen damit aufhören auf das zu achten, was die anderen von uns denken. Wir sollen uns einmal ganz und gar nur auf die Liebe Gottes fokussieren und einmal alles andere an die Seite stellen.

Das geht natürlich nicht zwischen Tür und Angel. Viele von uns dürfen nunmehr einige freie Tage genießen. Nehmen Sie sich doch wieder einmal Zeit für Gott. Wenn wir ganz konzentriert auf ihn schauen, dann, und nur dann können wir ihn und seine Gnade und Güte auch wirklich erkennen. Wer nur mal so im Vorbeigehen einen Blick auf das Kreuz wirft, dem bleiben die wesentlichen Erkenntnisse der Liebe Gottes verborgen.

Wenn wir uns so auf Jesus konzentrieren und auf die Liebe, die er uns erwiesen hat, dann können wir den Weg gehen weg vom menschlichen Leistungsprinzip und hin zum göttlichen Liebesprinzip.

2. Vergebung

Den Staub in der Wohnung sieht man im Allgemeinen erst dann richtig, wenn die Sonne durch die Fenster scheint. Und den Schmutz unseres Lebens den sehen und erkennen wir erst dann in seiner vollen Tragweite, wenn uns das Licht Gottes mit seiner ganzen Liebe erscheint und durch unser Herz hindurch scheint.

Erst in diesem Moment, wenn wir von seiner hellen und klarer Liebe durchdrungen werden, erst dann können wir unsere Sünden klipp und klar erkennen. Schließlich kann man ja auch nur den Schmutz entfernen, den man sieht.

Wenn wir unsere Sünden erkennen, werden wir in aller Regel mehr als einfach nur erschrocken sein. Das führt in nicht seltenen Fällen zu einer Art Schockstarre. Wir wissen einfach nicht, wie wir denn diesen Sündenberg loswerden können. Wir können dann nur eines tun, nämlich unseren Herrn um Vergebung bitten und diese dann an uns geschehen lassen.

Unsere Reinigung geschieht also nicht durch uns selbst, sondern durch unseren Herrn höchstpersönlich. Viele Menschen versuchen ja an dieser Stelle durch diverse Bußübungen und andere religiöse Klimmzüge bei ihrer Reinigung etwas nachzuhelfen und etwas zu ihrer Reinigung beizutragen. Das ist aber überhaupt nicht notwendig.

Sünde erkennen. Sünde bekennen. Vergebung erbitten und diese annehmen. Mehr ist nicht notwendig.

3. Bleiben

Wer aber in ihm bleibt…, so lesen wir es gegen Ende unseres Predigttextes. Ja, liebe Gemeinde, wir haben ein Bleiberecht in der Nähe unseres Herrn.

Wenn wir unseren Herrn um Vergebung gebeten haben, dann wird eines passieren: Er wird als Herrscher in unser Leben einziehen und den Prozess der Reinigung durchführen.

Das geschieht freilich nicht nach dem „Hau-ruck-Prinzip“ sondern langsam und allmählich, aber stetig. Häufig merken wir es gar nicht zuerst, sondern unsere Umgebung bemerkt es vor uns, dass etwas mit uns geschehen ist und auch weiterhin geschieht.

Unser Herr, der nunmehr in uns wohnt, wird all das von uns wegtun, was ihn an seiner Königsherrschaft in uns hindert und durch andere Eigenschaften ersetzen, die ihm zur Ehre dienen. Das hat auch nichts mit christlichem Gekrampfe zu tun.

Unser Herr verändert uns so, dass wir alles, was er an uns ändert auch freudig annehmen.
Soweit die Theorie. Auch wenn heute Weihnachten ist, allzu „sülzig“ soll es dann doch nicht werden. Unser Herr arbeitet zwar an uns, aber wir bleiben doch die Menschen, die wir vorher waren; wir mutieren also nicht zu weltfremden Heiligen.

Und weil wir eben keine Heiligen sind, weichen wir unser ganzes Leben immer mal wieder vom rechten Wege ab. Und dann ist alles aus!!! Nein, natürlich nicht. Wir durchlaufen dann wieder und immer wieder die Schritte 1-3 unserer heutigen Predigt.

Ich drücke es, wie immer stark vereinfacht aus: Der Weg eines Christen führt meist drei Schritte vor und zwei zurück. Aber die Richtung stimmt. Und das ist das allerwichtigste. Und so wünsche ich uns allen, dass wir stets und ständig auf diesem rechten Wege bleiben.

Und wenn uns der Weg zu beschwerlich erscheinen mag, und wenn wir auch manchmal fallen mögen, dann dürfen wir uns an Jesu letzte Zusage auf Erden erinnern: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Und das dürfte uns vollends fröhlich stimmen.

Und ausgestattet mit dieser inneren Fröhlichkeit lassen Sie uns nunmehr gemeinsam in das Lied einstimmen, dass heute ich sehr vielen Kirchen zum Abschluss des Gottesdienstes gesungen wird:

Oh du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit!
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.
Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Weihnachtsfeiertag und freue mich, Sie morgen wieder begrüßen zu dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber