Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 29. Kapitel, die Verse 17-24. Lassen Sie uns diesen Text zunächst einmal gemeinsam lesen:

Die große Wandlung

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werde, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.

Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht der Unschuldigen.

Darum spricht der Herr, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.

Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände – seine Kinder – in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen  und den Gott Israels fürchten. Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Liebe Gemeinde,

diese und andere „beglückende“ Texte kommen immer gut an. Auch Menschen, die ansonsten die Bibel von vorn bis hinten kritisieren, fühlen sich von diesen Texten irgendwie berührt. An uns Christen gerichtet gibt uns der Text dreierlei mit auf unseren Lebensweg hier auf Erden. Schauen wir uns diese drei Dinge heute einmal gemeinsam an:

1. Wir kennen das Endziel

Wenn wir uns in einen Fabrikationsbetrieb begeben, dann geht es dort auf den ersten Blick ziemlich ungeordnet zu. Und doch macht alles Sinn. Jeder Arbeiter kennt schließlich das Endprodukt und welchen Anteil er an selbigem hat.

Würde er das Endprodukt nicht kennen, wäre er bestimmt nicht so motiviert in seiner Arbeit. Wenn er den Sinn nicht erkennen würde, würde er bei dem in oder anderen Fehler vielleicht sagen: Was soll’s ist doch eh egal.

Als Christen geht es uns ähnlich wie dem Arbeiter in unserer Fabrik. Wir kennen unser Endziel, den Himmel. Und daher gehen wir in allem, was wir auf Erden tun auch immer schon einen Schritt in Richtung Himmel.

Unsere Arbeit, die wir verrichten, unsere Beziehungen in denen wir leben und auch unsere gesamte Freizeit ist auf dieses Endziel ausgerichtet. Nein, wir sind natürliche keine Heiligen. Aber wir bemühen uns bei allem, was wir tun den Himmel nicht aus den Augen zu verlieren.

Natürlich begegnet uns hier auf Erden manches Ungemach, dass wir lieber nicht durchleben möchten. Aber mit dem Blick auf das Endziel gerichtet, ertragen wir auch dies Dank und mit Gottes Hilfe.

Nicht nur für uns Christen, sondern für alle Menschen gilt: Nur wer das Ziel kennt, kann auch in die richtige Richtung gehen. Und wir sollten niemals vergessen, dass einer auf unserem Lebensweg stets an unserer Seite ist; ER hat es nämlich versprochen, als er sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

2. Wir haben die Grundausstattung

Wer sich auf den Weg macht um einen Berg zu besteigen, der benötigt dafür eine bestimmte Grundausstattung. Ohne festes Schuhwerk, gutes Kartenmaterial und wetterfeste Kleidung könnten wir gar bald in große Probleme geraten.

Gott hat uns auch für unseren Lebensweg eine bestimmte Grundausrüstung mitgegeben. Diese Grundausstattung, die uns sicher an unser Ziel geleiten soll, besteht aus einem Kompass und einem liebevollen Herzen.

Wofür um alles in der Welt brauchen wir denn einen Kompass? Nun, jeder der schon einmal einen Geländemarsch gemacht hat, der wird wissen, dass uns der Kompass immer wieder auf den Weg zum Ziel führt, wenn wir unseren Weg einmal verlassen.

Das kann gezwungenermaßen dann sein, wenn wir vor unüberwindbaren Hindernissen stehen, die uns zwingen, einen Umweg einzuschlagen. Dank unseres Kompasses führt uns Gott auch in solchen Situationen wieder auf den rechten Weg.

Es kann aber auch sein, dass wir uns auf unserem Weg verirrt haben, weil wir vielleicht dem Kompass nicht getraut haben oder aber meinten, es doch besser  zu wissen und eine vermeintliche Abkürzung genommen haben, die sich dann doch als Sackgasse herausstellte. Auch in diesem Falle führt uns der Kompass wieder auf den rechten Weg.

Das liebevolle Herz hat Gott uns mit auf die Reise gegeben, weil wir auf unserer Lebensreise vielen Menschen begegnen werden. Viele werden vielleicht noch gar nichts von Gott und seinem Endziel mit uns Menschen wissen. Unser liebevolles Herz soll dann zum Einsatz kommen, um möglichst vielen Menschen diesen Weg, den wir gehen ebenfalls auf zu zeigen.

Aber es wird uns auf dem Lebensweg auch viel Argwohn begegnen, vielleicht werden wir sogar angefeindet werden ob des Weges, den wir gehen. Dann kann das liebevolle Herz uns helfen, die Wogen der Anfeindung und des Hasses zu glätten.

3. Wir sind keine Richter

Wie schnell vorverurteilen wir doch Menschen auf Erden. Wir sind ja immer wieder versucht, Menschen in bestimmte Schubladen zu stecken. Da ist zum Beispiel der Straftäter, der seine Strafe wegen Diebstahls schon lange verbüßt hat. Wird irgendwo in der Nachbarschaft eingebrochen dann ruhen alle Augen auf wem ? Natürlich auf dem bewussten Straftäter.

Im Prinzip möchten wir ja alles nach unseren Prinzipien und unserem Weltbild ausrichten. Und alles, was da nicht hineinpasst, wird vorverurteilt.

Jesaja sagt es uns ja ganz konkret, dass es aus sein wird mit Spöttern, Tyrannen, Lügnern und all den Menschen, die Gottes Wort nicht achten, sondern es wissentlich missachten.

Wenn ich dies beachte, dann kann ich doch ganz getrost durch mein Leben gehen. Dann kann ich mir auch einmal eine kleine, ja auch eine große Ungerechtigkeit gefallen lassen. Eines Tages wird Gott schon richten. Natürlich könnte man manchmal aus der Haut fahren, aber lassen Sie uns in diesen Fällen ganz einfach auf das Endziel schauen.

Lassen Sie mich kurz noch ein Letztes sagen: Der Blick auf das Endziel, welches uns Jesaja so schön beschreibt soll auch die Menschen erreichen, die nach dem Motto leben: „Früher war alles besser, heute geht alles den Bach runter und in Zukunft wird alles noch viel schlimmer werden.“ Gottes Wort will diesen Menschen wieder den Blick nach vorne schärfen und seine Freudigkeit in ihrem Herzen soll sie auf diesen neue Weg führen.

Und der Blick auf das Endziel soll auch die Menschen erreichen, die nur im hier und heute leben, die Menschen, die also so leben, als ob es den morgigen Tag nicht mehr gebe. Gönn dir was, nimm mit was du kriegen kannst, und kümmer dich nicht um die anderen Menschen sind Parolen dieser Spezies.

Diese Menschen will Gott vor schweren Fehlern und Dummheiten bewahren, wenn er Ihnen zeigt, dass am Ende doch noch das Gericht steht.

Was können wir nun also aus diesem Predigttext für unser Leben umsetzen ? Ich glaube folgendes wäre sicherlich nicht schlecht: Schau immer nach vorne auf das, was Dich erwartet und lass Dich nicht von dem Gefangennehmen, was Dich auf dem Weg zu dem Endziel abbringen könnte.

Dieses Endziel hatte sicherlich der Liederdichter Paul Gerhardt auch nicht aus den Augen verloren, auch wenn mannigfache Schicksalsschläge seinen Lebensweg überschatteten. In einer solchen Trübsal vermag uns der 5. Vers seines Liedes „Auf, auf, mein Herz mit Freuden…“ (EG 112) ein Trost sein, der da lautet, wie folgt:

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn,
sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht,
das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber