Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja, Kapitel 6, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesaja Berufung zum Propheten

In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe!

Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden ? Wer will unser Bote sein ? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich ! Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht!

Verstocke das Herz dieses Volks und lass ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, dass
sie nichts sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen. Ich aber sprach: Herr, wie lange ? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt. Denn der Herr wird die Menschen weit wegtun, so dass das Land sehr verlassen sein wird. Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden, doch wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

Liebe Gemeinde,

An dem heutigen Sonntag gedenken wir der der Dreieinigkeit unseres Gottes. Gott, der Vater, der Himmel und Erde gemacht hat, Gott der Sohn, der für unsere Sünden das Lösegeld bezahlt und an Gott, den Heiligen Geist, der an Pfingsten über uns ausgegossen wurde. Alle drei wirken, salopp gesagt in einer Art Personalunion auch heute noch zusammen. Und sie wirken auf drei verschiedene Ebenen unseres menschlichen Körpers. Wie geschieht eigentlich eine Bekehrung bzw. eine Berufung Gottes an uns und welche Auswirkungen hat diese? Lassen Sie uns das Wirken Gottes doch einmal anschauen, welches zu Zeiten Jesajas nicht anders war, als es heute ist.

1. Vor der Bekehrung

Wenn wir mal alle ganz ehrlich zu uns selber sind, dann haben wir doch in der Zeit, als wir mit Gott noch nichts am Hut hatten, manchmal ein wenig gelächelt über unsere gläubigen Mitmenschen. Als ich Kind war, hatte ich eine gläubige Tante, die wir als Kinder immer gern ein wenig auf den Arm genommen haben, wegen ihres „Jesus-Fimmels“. Wie kommt das eigentlich?

Nun, vor unserer Bekehrung waren wir allesamt verlorene Menschen, die auf dem besten Weg in die Hölle waren.
Unsere Ohren waren für das, was wir über Gott hören sollten vollkommen verschlossen. Alles, was sich auch nur irgendwie nach Religion anhörte, haben wir doch gar nicht erst an uns herangelassen.

Unser Herz war ebenfalls verstockt für das Wirken Gottes in uns. Und da unser Herz nicht für die christliche  Botschaft erreicht werden konnte, machten wir uns auch so herzlich lustig über die „Betbrüder und Betschwestern“. Und damit waren wir so ziemlich alle in bester Gesellschaft. Den meisten Menschen erging es doch genauso wie uns. Und was die meisten tun und denken, dass muss doch auch irgendwie richtig sein.

Natürlich waren im gleichen Zuge auch unsere Augen blind für das Wirken Gottes um uns herum. Was noch viel schlimmer war, unsere Augen waren auch verschlossen, was die geistliche Not unserer Mitmenschen anbelangt.

Wir machten also, wie man so schön zu sagen pflegt „komplett dicht“ wenn es um die Sache mit Gott ging. Das ist es, was Jesaja empfängt als Gott ihm das Wesen des gottlosen Menschen übermittelt.

2. Die Bekehrung

Auch wenn unsere Augen blind, unser Herz verstockt und unsere Ohren taub sind und wir uns nicht bekehren und dadurch genesen, hat Gott doch einem jeden Menschen eine gewisse Ewigkeitshoffnung in sein Herz gelegt.

Irgendwann in einem Leben ist es dann soweit, dass unser Herz auf diese Ewigkeitshoffnung hört, also nicht gleich alles als Spinnerei an die Seite schiebt. Irgendwann ist die Ewigkeitshoffnung, dass da noch etwas ist, was wir noch gar nicht kennen, so groß, dass  unsere Neugier entfacht wird.

In diesem Moment hat Gott unser verstocktes Herz erreicht und sorgt dafür, dass wir uns für sein Wort und was er uns zu sagen hat, tatsächlich interessieren. Ich kann mich persönlich noch ganz genau daran erinnern, wann ich mir zum ersten Male das Neue Testament genommen habe und dies gelesen habe. Da waren kein Pfarrer und keine Kirche und kein Religionslehrer involviert; mitten in unserer Heimatstadt bekam ich an einem Missionsstand, den ich eigentlich gar nicht besuchen wollte,  mein erstes Neues Testament geschenkt.

Und da ich entgegen dem Sprichwort einem geschenkten Gaul sehr wohl ins Maul schaue habe ich es auch sogleich gelesen. Mein Herz war entfacht und meine Neugier trieb mich dazu, mich nicht nur mit der Bibel, sondern auch mit bibelnaher Literatur zu beschäftigen.
Bald las ich auch Berichte, wie Gott andere Menschen erreicht hatte und wie er sogar höchst problematische Lebensläufe (Vom Knast auf die Kanzel) in Segen verwandelte.

Dies führte dann dazu, dass auch meine Augen aufgetan worden sind. Ich meine nicht die äußeren, mit denen konnte ich schon 12 Jahre lang sehen. Ich meine die inneren Augen mit denen wir Gottes Wesen und Wirken in dieser Welt erkennen und wahrnehmen können. Aber meine Augen wurden auch aufgetan für all das Elend und all die Nöte, die um mich herum existierten und die ich bis dahin nicht einmal ansatzweise erkannt habe.

Dies alles passierte nicht im gleichen Moment. Ich kann nur sagen, dass mich Gott ganz behutsam an das christliche Leben herangeführt hat.

3. Die Auswirkungen der Bekehrung

Eine Bekehrung bleibt nie ohne direkte und wahrnehmbare Auswirkungen. Jesaja bringt es auf den Punkt, wenn er Bekehrung und Genesung in einem Atemzug nennt. Die Genesung ist die interne Auswirkung der Bekehrung; ich bin von allen Sünden befreit und habe als Gottes Kind wieder direkten Zugang zu meinem Vater.

Aber die Bekehrung hat auch diverse Außenwirkungen auf meine Mitmenschen. Wenn das vormals verstockte Herz von Gott aufgetan wird, dann wird es auch in die Lage versetzt, anderen Menschen davon zu erzählen. Gott möchte ja nicht nur unser verstocktes Herz erreichen, sondern die Herzen aller Menschen. Und dazu möchte er auch uns benutzen sozusagen als sein Sprachrohr.

Weil meine Ohren für die Sache Gottes aufgetan worden sind kann, ich auch die Nöte, Sorgen und Probleme der Menschen besser verstehen, die diese an mich herantragen. War ich vorher vielleicht ein eingebildeter Snob, der sich gar nicht erst mit „denen da unten“ abgegeben hat, sorgt mein nicht mehr verstocktes Herz dafür, dass ich mich ganz besonders zu den Menschen hingezogen fühle, die es im Leben nicht so gut erwischt haben, wie ich.
Mit offenem Herzen und mit offenen Ohren kann ich jetzt auch die Nöte und Sorgen dieser Menschen  erkennen.

Meine inneren Augen, die ja nun ebenfalls aufgetan worden sind diese inneren Augen schauen aufmerksam in alle Richtungen, inwiefern ich meinen Mitmenschen mit welchen Mitteln auch immer eine wertvolle Hilfe sein kann. Diese inneren Augen schauen eben nicht mehr nur auf mich selbst, sondern vielmehr auf den anderen. Vom ICH zum DU tragen sie dazu bei, dass ich losgelöst von meinen eigenen Bedürfnissen immer auch die Bedürfnisse meiner Mitmenschen im Visier habe.

Ich darf mir also selber gar nichts gönnen? Das werde ich häufig gefragt. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Wir sollen schließlich den Nächsten lieben, wie uns selbst. Dazu gehört auch ein gerüttelt Maß an Eigenliebe. Nur nutzt diese Eigenliebe den Mitmenschen nicht aus. Ich darf mir solange auch etwas gönnen, wie es nicht auf Kosten oder zu Lasten meiner Mitmenschen geht.

Um dies alles auch nur so halbwegs hinzubekommen bedürfen wir täglich des Beistandes vom Heiligen Geist. Und wir benötigen täglich das Gespräch mit unserem Herrn Jesus Christus, welches wir Gebet nennen. Und dann dürfen wir jedem Tag, Gott dem Vater im Himmel dankbar sein, das er sich unser angenommen hat und wir wieder seine geliebten Kinder sein dürfen.

Darum lassen Sie uns Gott loben, indem wir gemeinsam in den 1. Vers des Liedes „Gelobet sei der Herr….“ (EG 139) von Johann Olearius einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben,
mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seele gegeben,
mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an,
der alle Augenblick viel Guts an mir getan.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber