Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Volkstrauertag. Traditionell gedenken wir an diesem Sonntag den Verstorbenen der letzten beiden Weltkriege. Indirekt beschäftigt sich auch unser heutiger Predigttext mit diesem Thema.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im achten Kapitel des Propheten Jeremia,
die Verse 4-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Gegen das verblendete Volk und seine Verführer

Sprich zu Ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde ? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme ? Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für ? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen. Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan ! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt. Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.

Liebe Gemeinde,

„Wo ist jemand, der irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme ?“ das ist die Frage des Herrn. Wenn wir an die beiden großen Weltkriege denken, dann können wir diese Frage nur mit einem
„Ich weiß es nicht“ beantworten. Aber warum gehen wir überhaupt in die Irre ?

Der heutige Predigttext bietet uns zwei interessante Ansatzpunkte, die wir zusammen bedenken sollten.

1. Der falsche Gottesdienst

Zur Zeit des Propheten Jeremia wurde sehr viel Wert auf die peinlich genaue Einhaltung ritueller Handlungen gelegt. Schon der kleinste Verstoß wurde strengstens geahndet. Und so waren auch die Gottesdienste weitestgehend durchritualisiert.

Im Prinzip war man mit dem Verstand dabei, aber schon lange nicht mehr mit dem Herzen. Und das ist das, was Gott als falschen Gottesdienst bezeichnet. Es geht Gott nicht um bestimmte Rituale, es geht IHM um uns und unser Leben.

Wie ist es denn eigentlich heute bei uns ? Wir streiten um ein gemeinsames Abendmahl. Die beiden großen Konfessionen haben fest eingespielte Liturgien. Alles ist beinahe so fest verankert, wie damals zu Zeiten Jeremias. Auch wir verstecken uns gern hinter der Fassade ritueller Handlungen, anstelle unser Herz ganz Gott gegenüber zu öffnen.

Wir müssen also wieder zurückkommen zu einem Gottesdienst der Herzen, einem Gottesdienst, der frei ist von allen falschen Beiwerken. Ich selber bin ein Freund der Liturgie und kann mir diese nicht wegdenken, wenn sie aber zum hohlen Selbstzweck wird, dann bin ich der erste der diese Liturgie abschaffen möchte.

Wenn der Gottesdienst nur noch das I-Tüpfelchen unseres Lebens ist, mit dem wir unser Leben schmücken wollen, welches wir ansonsten lieber selber gestalten, dann läuft gewaltig etwas falsch, dann sind wir auf dem Wege in die Irre zu gehen.

Was ist also der rechte Gottesdienst ? Es ist der Gottesdienst in dem wir vor Gott zur Ruhe kommen und mit den Worten des damals noch jungen Samuels beten: „Rede Herr, dein Knecht hört.“

2. Die Wahrheit

„Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden.“, so haben wir es soeben in unserem Predigttext gehört.

Der leichtfertige Umgang mit der Wahrheit, dieser wird von unserem Herrn angeprangert. Wir müssen wieder lernen die Wahrheiten, die uns präsentiert werden, mit der Lupe der göttlichen Wahrheit zu durchleuchten.

Wo finden wir denn nun die göttliche Wahrheit oder die göttlichen Wahrheiten ? Ganz einfach, in der Bibel. Die Messlatte, die uns die Bibel bereitstellt, mit dieser Messlatte sollen wir die menschlichen Wahrheiten überprüfen ehe wir auf sie vertrauen.

Hätten wir dies getan, dann hätte ein Adolf Hitler niemals eine Chance gehabt, dass ihm auch nur ein Mensch den Unsinn mit dem 1000 jährigen Reich abgekauft hätte. Hätten wir uns von den Demagogen der damaligen Zeit nicht einfach so mitreißen lassen, dann wäre ein Herr Goebbels niemals auf die Idee gekommen, die Frage nach dem totalen Krieg zu stellen.

Wenn wir mit den Antworten der Bibel an diese Wahrheiten herangegangen wären, dann hätten wir Herrn Goebbels geradewegs ins Gesicht sagen können, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein darf.

Aber auch heute lauern noch viele Scheinwahrheiten auf uns, die uns gern in ihren Bann ziehen und verführen möchten. Denken wir nur einmal an die ostasiatischen Religionen. Buddhismus und Hinduismus, was versprechen sie uns nicht alle mehr oder weniger vollmundig.

Auch hier hilft uns die Bibel. Hat nicht unser Herr gesagt, dass viele Christusse gekommen werden und das wir diesen nicht glauben sollen.

Hören wir doch wieder auf Sein Wort. Haben wir nicht alle schon einmal in der Bibel gelesen, dass in keinem anderen das Heil zu finden ist, als in unserem Herrn.

Wenn wir uns alle wieder auf die ewigen Wahrheiten der Bibel zurückbesinnen, ich glaube, dann haben wir einen festen Grundstein, der uns davon abhält, in die Irre zu gehen.

3. Das Tierreich

Ein wenig befremdlich ist es schon der Vergleich mit dem Tierreich. Hat uns nicht Gott das gesamte Tierreich untertan gemacht ? Sicherlich ist dies richtig.

Aber schauen wir nur einmal kurz auf das Zusammenleben der Tiere. Dort gibt es kein böses Herz oder niedere Absichten. Tiere kennen keinen Neid, Missgunst oder gar mörderische Absichten gegenüber Ihren Artgenossen (die Nahrungsbeschaffung einmal ausgenommen).

So sollten wir auch wieder leben. Einfach auf unseren Herrn vertrauen.
Das mehr und mehr und immer noch mehr aus unseren Sinnen streichen und mit dem zufrieden sein, was uns unser Herr schenkt. Und Er schenkt uns mehr, als wir jemals brauchen.

Wenn wir uns darauf wieder zurückbesinnen, dann haben es satanische Mächte sehr, sehr schwer, uns in die Irre zu leiten.

Wir alle, die wir heute der Verstorbenen der beiden letzten Weltkriege gedenken, wir alle wollen doch nur eines, dass so etwas niemals wieder geschieht. Dann lassen Sie uns doch auch gemeinsam daran arbeiten, indem wir wieder das Wort unseres Herrn zu unserem Lebensmittelpunkt machen.
Nur ER kann uns davor bewahren, in die Irre zu gehen. Vertrauen wir doch wieder allein auf IHN.

Helfen kann uns dabei der erste Vers des Liedes von Paul Gerhardt „Du meine Seele, singe…“, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem,
welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr mache Dein Herz frei für den wahren Gottesdienst
Der Herr lasse Dich Verlockungen und Unwahrheiten stets als solche erkennen
Der Herr halte Dich immer wieder ganz fest geborgen in SEINER Wahrheit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber