Predigt zur Passionszeit (Invokavit)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem ersten Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Invokavit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 3, die Verse 1-19. Dort wird die Geschichte des Sündenfalls erzählt. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Sündenfall

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott, der Herr, gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten ? Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: An dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten. Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der Herr zur Frau: warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß. Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinen Nachkommen und ihren Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr ein. Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

Liebe Gemeinde,

hätte es diesen Vorfall nicht gegeben, säßen wir heute sicherlich alle nicht hier um auf Gottes Wort zu hören. Wir wären ja nach wie vor im Paradies und somit in der ständigen Gemeinschaft mit unserem Herrn. Daher lassen Sie uns heute Morgen das, was im Garten Eden passiert ist, ein wenig genauer analysieren. Leider müssen wir uns auf einige wenige Punkte beschränken, da die Zeit einfach nicht mehr zulässt.

1. Was ist Sünde

Wenn wir vom Sündenfall reden, dann sollten wir zunächst einmal definieren, was denn überhaupt die Sünde ist. Ich habe einmal im Internet nachgesehen und folgende Definition gefunden: Sünde ist eine Handlung, die gegen religiöse Gesetze und Gebote verstößt.

Das ist eine ganz neutrale Definition, die es aber in sich hat. Wir müssen uns nämlich vergegenwärtigen, dass jede Sünde, die wir begehen, uns von Gott trennt. Dabei reicht schon eine einzige Sünde im Leben um dauerhaft und in Ewigkeit von Gott getrennt zu sein.

Jetzt könnten wir natürlich in die Waagschale werfen, dass wir als Christen doch keine Sünde begehen. Gut und schön, wir versuchen es zumindest. Eine Zeitlang klappt das auch. Aber dann auf einmal ist es doch wieder passiert, dass wir in die Sündenfalle Satans hineintappen. Nehmen wir nur einmal die 10 Gebote. Ich sage uns allen auf den Kopf zu, dass wir bestimmt und mit Sicherheit beständig gegen einige dieser Gebote verstoßen.

Natürlich sind wir keine Mörder und vermutlich auch keine Ehebrecher. Aber haben wir eigentlich auch schon in Kindertagen unsere Eltern stets geehrt? Hat es da im pubertären Alter nicht doch einmal die ein oder andere nicht so schöne Auseinandersetzung gegeben? Natürlich sagen wir immer und überall die Wahrheit. Auch bei der Steuererklärung? Immer und überall?

Wir sehen, alle aber auch wirklich alle Menschen tappen immer mal wieder in die Sündenfalle hinein. Wie passiert das eigentlich?

2. Der Weg der Sünde

Kein Mensch geht ja von sich aus so vor, dass er sagt: „So, heute wird mal kräftig gesündigt.“ Ich hoffe, ich liege damit richtig. Also warum sündigen wir überhaupt? Unser heutiger Predigttext zeigt uns dies auf sehr eindrucksvolle Art und Weise.

Der einzige Weg Satans wie er Adam und Eva von Gott wegbekommen konnte war, sie zur Begehung einer Sünde zu verführen. Verführer tarnen sich immer sehr geschickt. Nur selten gelingt es uns, Verführer auf den ersten Blick auch als solche wahrzunehmen. Meist entdecken wir dies erst, wenn es mal wieder zu spät ist. So war es auch bei der Schlange.

Die Schlange sagte ja nicht zu Eva: Nun iss mal von der Frucht des Baumes, ich weiß, das ist verboten. Nein, die Schlange ging ganz geschickt vor. Ich könnte mir das wie folgt vorstellen. Sie kommt zu Eva und spricht zu ihr: „Du Eva, ich möchte mal mit dir über Religion reden.“ Da ist ja auch gar nichts Verwerfliches dabei. Eva konnte auch noch gar nichts merken, da die Schlange ja wie Eva auch davon ausging, dass Gott existiert. Warum sollte sie sich also nicht mit jemandem, der Gott ebenso gut kennt wie sie selbst über Gott unterhalten.

Und dann kam der entscheidende Satz: Sollte Gott denn wirklich gesagt haben…? Er meint es doch tatsächlich ganz anders. So manövriert die Schlange Eva ganz bewusst und gezielt in eine Sündenfalle hinein. Aus der Verführung, also der Verdrehung der Tatsachen, wurde eine Verblendung. Eva sah nur noch das Argument der Schlange und dass sie ja eigentlich recht hat. Sie ist so sehr in den Bann der Sünde gezogen, dass sie das ursprüngliche Verbot Gottes vergisst.

Und genau mit diesem Prinzip geht Satan heute noch vor, wenn er uns zum Beispiel zuflüstert: „Da ist doch nichts dabei, das machen doch alle so.“, um nur ein Beispiel zu nennen.

Nun isst Eva von der Frucht. Und Sünde so, sie einmal begangen wurden ist, hat die Eigenschaft, sehr schnell auf weitere Menschen überzugreifen. So auch hier im Paradies. Eva animierte den Adam doch ebenfalls von der Frucht zu essen. Und schon hatte sich die Sünde manifestiert.

Genau so war es übrigens im Dritten Reich. Zunächst wurden die Kirchen gleichgeschaltet. Dann sangen einige das hohe Lied des Nationalsozialismus und nach und nach taten dies immer mehr und am Ende hatten bis auf wenige Ausnahmen sehr viele Kleriker das Blut unschuldiger Menschen an ihren Händen kleben. Diese Kleriker hatten zu Beginn des Dritten Reiches niemals in Erwägung gezogen, einmal tatenlos dabei zuzusehen, wie andere Menschen umgebracht werden.

Gibt es denn einen Ausweg, vielleicht so eine Art qualifizierter Entschuldigung? Leider nein, wie wir es im weiteren Verlauf dieser Geschichte nachlesen können. Adam und Eva flogen achtkantig aus dem Paradies heraus und Wachen vor den Toren des Paradieses sorgten dafür dass sie keinerlei Chance mehr hatten zu Gott zurückzukehren. Aber die Geschichte sollte ja noch weitergehen…

3. Der Freispruch

Adam und Eva befanden sich also vor den Toren des Paradieses und waren dauerhaft von Gott getrennt. Und genau dies vereint diese beiden Menschen mit uns Menschen im 21. Jahrhundert. Wir alle, die wir geboren werden, werden mit der Erbsünde behaftet geboren, und sind also von Geburt an mit der Sünde behaftet. Sie glauben das nicht?

Dann denken wir doch einmal an ein kleines Kind. Welche Eigenschaften kann es von ganz alleine ohne das wir sie ihm beigebracht haben? Zum Beispiel die Lüge. „Nein, ich war das nicht“, wer kennt sie nicht diese Worte unserer Kleinen, obschon wir ihnen sofort das Gegenteil nachweisen können.

Jetzt stellt sich natürlich für uns die Frage: Wie kommen wir denn wieder rein in die Gegenwart Gottes? Diese Frage hatte sich Gott auch vor über 2000 Jahren gestellt. Es gab nur eine Lösung, es musste für die Sünden aller Menschen, also für alle vergangenen Sünden, alle gegenwärtigen Sünden und alle zukünftigen Sünden aller Menschen eine Lösung gefunden werden, wie diese ihnen nicht mehr angerechnet werden konnten.

Der einzige, der dieses Gesetz der Erbsünde durchbrechen konnte, war Gott selber. Und so kam er als Jesus auf die Erde und wurde am Karfreitag gekreuzigt. Er allein, der vollkommen sündlos war konnte also für all unsere Sünden bezahlen, indem er sein Blut dafür gab und für uns starb. Eigentlich hätten wir dort hängen müssen; aber Gott tat dies in seiner unendlichen Liebe zu uns für uns. Er nahm uns unsere Sünden ab und bezahlte für sie.

Das bedeutet natürlich keinen Freispruch für alle, also keine Generalamnestie für alle Menschen. Nur wer sich dazu bekennt, also ganz bewusst diese Erlösungstat auch für sich im Glauben annimmt, nur der ist errettet und auf den Weg in die ewige Gemeinschaft mit Gott.

Und daher ist es unser aller Aufgabe, möglichst vielen Menschen diesen Rettungsweg aufzuzeigen. Gehen müssen sie ihn schon selber und wir können auch niemanden zwingen diesen Weg der Errettung einzuschlagen.

Das, was am Kreuz von Golgatha geschah, fasst der Liederdichter Adam Thebesius sehr schön in dem dritten Vers seines Liedes „Du großer Schmerzensmann..“ (EG 87) zusammen, der da lautet, wie folgt:

Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben;
in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben.
Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,
dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder teil.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag zu Invokavit in der immerwährenden Gegenwart unseres Herrn und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber