Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Hebräerbrief, Kapitel 5, die Verse 7-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Liebe Gemeinde,

auch wenn der Predigttext sich auf unseren Herrn bezieht, dann dürfen wir doch indirekt daraus auch das ableiten, was für uns heute Gültigkeit besitzt und unser Leben mit dem Herrn als unsere Mitte bestimmt. Lassen Sie uns daher heute einmal gemeinsam darüber nachdenken, was denn an diesem Leben mit dem Herrn als unserem Lebenszentrum so besonders ist.

1. Bitten Flehen, Schreien

Wir dürfen uns mit allem Bitten, Flehen und Schreien direkt an unseren Herrn wenden.

Wenn wir das Wort Bitten lesen, dann steht dort im Urtext das Wort „deesis“, welches sich auf ganz konkrete Bitten bezieht. Gott möchte sich um einen jeden einzelnen von uns ganz besonders kümmern. Wir haben keinen „Weltengott“, der sich nur um das große ganze kümmert und dem dabei der einzelne Mensch vollkommen gleichgültig ist. Wir haben einen ganz persönlichen Gott, der stets nur ein Gebet weit von einen jeden von uns entfernt ist.

Daher dürfen wir ihn auch ganz konkret um das bitten, was uns fehlt. Und wenn wir Gott um etwas bitten, was unserem Nächsten fehlt, dann nennen wir das Ganze Fürbitte. Viele Menschen beten ja immer ganz allgemein für den Weltfrieden und die Abschaffung der Hungersnöte auf dieser Welt. Das ist auch gut und richtig. Aber viele Menschen vergessen dabei die ganz persönlichen Anliegen, mit denen sie ebenfalls vor Gott treten können.

Dann lesen wir noch das Wort Flehen. Unter Flehen und Schreien verstehen wir ein ganz besonderes verstärktes Bitten. Insbesondere, wenn es sich um ganz persönliche bittere Nöte handelt, dann kommt Flehen und Schreien zum Einsatz.

Gott ist ein Gott, der möchte, dass es uns gut geht. Wir haben nicht den strafenden Gott über uns, der nur darauf wartet, dass wir einen Fehler machen, damit er uns nach allen Regeln der göttlichen Kunst abstrafen kann. Aber es kann ja auch Situationen geben, in welchen wir uns vielleicht von Gott entfernt haben und wie man so schön zu sagen pflegt „unser eigenes Ding“ gemacht haben.

Wenn dieses eigene Ding dann gehörig in die Hose gegangen ist, dann dürfen wir mit all unserem Schmerz trotzdem wieder zu Gott kommen. Gott wendet sich niemals beleidigt ab, sondern wartet immer wieder darauf, dass wir mit unserem Schreien und Flehen zu ihm zurückkehren.

2. Wir werden erhört

Mit diesem Hören ist ein aktives Hören Gottes gemeint. Wir hören ja alle viel, aber nur weniges interessiert uns derart, dass wir aktiv zuhören und uns mit dem beschäftigen, was wir gerade gehört haben.

Gottes „Erhören“ ist immer ein derartiges aktives Zuhören. Wir meinen ja manchmal, dass unsere Gebete spätestens unter der Zimmerdecke ihre Wirkung verlieren. Weit gefehlt, liebe Gemeinde. Wir dürfen nicht unsere eigenen Gefühle mit den Gefühlen Gottes verwechseln. Jeder, der sich ehrlichen Herzens an Gott wendet darf davon überzeugt sein, dass Gott sich seiner Nöte und Sorgen annimmt.

Ehrlichen Herzens heißt nichts anderes, als dass wir mit Gottesfurcht angetan vor Gott im Gebet erscheinen. Gottesfurcht klingt heute in unseren Ohren schnell ein wenig pathetisch. Deshalb lassen Sie uns diesen Begriff zu definieren versuchen.

Gottesfurcht ist nichts anderes, als dass ich gehorsam und demütig vor Gott trete. Ds heißt, dass ich meinen eigenen Willen aufgebe und zuallererst nach dem Willen Gottes Frage. Demut ist keine Haltung der persönlichen Erniedrigung, sondern eine innere Haltung, die erkennt, dass der, vor den ich trete alles aber auch wirklich alles besser kann und weiß als ich selber.

Gehorsam resultiert schließlich aus dieser Haltung heraus. Wenn ich meinen eigenen Willen aufgebe und nach dem Willen dessen frage, der mich in- und auswendig kennt und der ganz genau weiß, was den am besten für mich und mein Leben ist, dann ist es doch nur logisch, dass ich diese Weisung für mein Leben dann auch im Gehorsam befolge.

Wie erkenne ich den Das Wort Gottes in meinem Leben ? Natürlich durch das Gebet. Nun leben wir alle in einer hektischen Zeit, wo viele von uns der Meinung sind, überhaupt keine Zeit mehr zu haben. Schnell wird dann noch ein Gebet gesprochen, mit Amen abgeschlossen und dann geht es gleich wieder an das Tagesgeschäft.

Können Sie sich ein Gespräch mit einem Bekannten vorstellen, wo nur Sie reden, und sich nach Abschluss Ihrer Rede dankend verabschieden. Das wird jedenfalls keine Freundschaft auf Dauer sein. Wenn Sie einen Bekannten um seinen Rat fragen, dann sollten Sie sich auch die Zeit des Zuhörens nehmen.

Nichts anderes ist dies mit dem Gebet. Das Gebet mit dem Amen zu beschließen ist sicherlich vollkommen richtig. Es gibt ein Buch von Hans-Peter Royer, welches den Titel trägt: „Nach dem Amen bete weiter.“

Und genau dies ist auch der Knackpunkt. Wenn wir in eine wirklich ernsthafte und dauerhafte Beziehung mit unserem Herrn eintreten wollen dann müssen wir uns auch die Zeit des Zuhörens nehmen. Gott redet mit jedem von uns, der sich die Zeit nimmt, ihm zuzuhören. Das ist übrigens genau so sicher, wie das berühmte Amen in der Kirche. Man muss es nur probieren.

3. Die Basis

Wir haben uns damit beschäftigt, wie wir vor Gott treten können und damit, was er alles für uns tun möchte. Wenn ich das Alte Testament lese, dann ging die Sache mit Gott und den Menschen aber ganz anders aus. Da war nichts mehr mit persönlichem Zugang eines jeden von uns.

Der direkte Weg Gott – Mensch war nach dem Sündenfall beendet. Obwohl sich die ersten Menschen über die Gebote Gottes ganz einfach hinweggesetzt hatten, mussten sie zwar bestraft werden, aber trotzdem liebte Gott „seine“ Menschen nach wie vor.

Es stand nur ein gewaltiges Hindernis zwischen uns Menschen und Gott, welches die Bibel Sünde nennt. Dieser gewaltige Brocken musste irgendwie an die Seite geräumt werden, damit der Weg von uns Menschen zu Gott wieder frei werden konnte.

Man brauchte also, wie wir es im Predigttext lesen einen Urheber des ewigen Heils. Und dieser Urheber war unser Herr Jesus Christus. Jesus Christus, der vollkommen sündlos war, nahm durch seinen stellvertretenden Opfertod die Strafe für all unsere Sünden mit ans Kreuz. Und wurde so der Urheber des ewigen Heils für alle Menschen, die dies für sich in Anspruch nehmen möchten.

Wenn wir wollen, das all unsere Bitten und Flehen und unser Schreien vor Gott erhört werden, dann brauche wir nur zu ihm umkehren. Das heißt, wir müssen ehrlichen Herzens unsere Sünden bereuen und ihn bitten mit uns einen Neuanfang zu wagen. Da die Strafe für unsere Sünden bereits unser Herr auf sich genommen hat, ist nun unser Weg zu ihm wieder frei.

Diesen Weg, den Jesus für uns bereitet hat, den beschreibt der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes „Jesus Christus herrscht als König…“ (EG 123), der da lautet, wie folgt:

Nur in ihm, o Wundergaben, können wir Erlösung haben,
die Erlösung durch sein Blut.
Hört’s: Das Leben ist erschienen, und ein ewiges Versühnen
kommt in Jesus uns zugut.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber