Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag im Jahre 2016. Unseren Predigttext finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 11, die Verse 23-26. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Gemeinde,

wie immer am Gründonnerstag geht es natürlich um das Abendmahl. In unserem heutigen Predigttext finden wir dann auch die Einsetzungsworte des Abendmahles, die wir sicherlich alle kennen. Und doch sind ein paar Besonderheiten darin zu finden, die wir vielleicht, weil wir den Text nur allzu gut kennen, leicht übersehen. Lassen Sie uns diese Besonderheiten einmal etwas näher betrachten:

1. Für euch gegeben

In diesen drei Worten finden wir zwei grundlegende Ausrichtungen auf welche die Einsetzungsworte verweisen.

Wir haben zunächst die vertikale Ausrichtung. Es wird uns also von Gott selbst etwas gegeben. Wir, die Empfangenden müssen diese Gabe nur entgegennehmen, sonst nichts. Wenn Jesus seinen Leib hingibt, dann geschieht dies einzig und allein unserer Sünden wegen. Er gibt sich selber in den Tod, damit wir nicht sterben müssen, sondern ewiges Leben erlangen können.

In unserer Leistungsgesellschaft kennen wir dies natürlich nicht. Wenn ich etwas haben will, dann muss ich auch etwas dafür geben. Hätte Jesus gesagt: Ich gebe meinen Leib für euch und ihr müsst jetzt aber auch dies und das und jenes tun, damit ihr auch in den Himmel kommen könnt. Und wenn ihr dies, das und jenes nicht tut, dann kommt ihr auch nicht in den Himmel, dann könnten wir das, glaube ich, viel eher annehmen und verstehen, als dieses Geschenk, was er uns geben möchte.

Dieses Geschenk ist ganz ohne Hintergedanken und ohne irgendwelche Verpflichtungen an uns gerichtet. Wir müssen es nur mit dankbaren Händen annehmen. Mehr nicht. Und da verwundert es uns sicherlich alle, dass so wenige Menschen dieses Geschenk anzunehmen bereit sind. Deshalb ist es auch unsere Aufgabe unseren Mitmenschen immer und immer wieder von diesem wunderbaren Geschenk zu berichten.

Jetzt hat dieses Geschenk aber nicht nur eine vertikale, sondern auch eine horizontale Ausrichtung. Da steht eben nicht „Für DICH gegeben“, sondern da steht „Für EUCH gegeben“. Gottes Gnadengeschenk gilt also allen Menschen. Alle Menschen sind Gott gleich wichtig.

Wenn Gott alle Menschen liebt und alle Menschen gleich wichtig für ihn sind, dann, liebe Gemeinde, steckt in diesen drei Worten auch eine Aufforderung an uns. Wenn Gott alle Menschen liebt, dann dürfen wir ihnen nicht mit Hass begegnen, wie es leider gerade in Deutschland passiert. Gott liebt jeden Flüchtling und wir sollen dies auch tun. Auch und gerade wenn wir uns Sorgen machen, wie es mit unserem Land weitergeht. Gott braucht keine offensichtlich geistig verwirrten AFD-Hassprediger, Gott braucht uns. Jetzt sind wir gefragt und jetzt müssen wir handeln.

Aber auch allen anderen Mitmenschen sollen wir mit Anstand und Respekt begegnen. Der Mann am Wegesrand ist kein Penner, sondern unser Mitmensch. Und es gibt auch keine „Drecksbullen“. Das sind Menschen, die für unser Wohl oftmals Kopf und Kragen riskieren.

2. Tod des Herrn

Wir stecken ja alle immer mehr in unserem Tagesgeschehen fest. Bei vielen von uns ist der Tagesablauf fast schon minutiös getaktet und festgelegt. Da muss immer und überall alles sofort und reibungslos funktionieren. Da bleibt einfach keine Zeit für Beten und Nachdenken übrig.

Und gerade hier will uns dieses Wort wachrütteln. Auch wieder vertikal und horizontal. Horizontal will es uns zeigen, dass mit unserem eigenen Tod unser hektisches Leben hier auf Erden endet. Es geht eben nicht immer alles planvoll so weiter, wie wir es wollen. Eine schwere Erkrankung und schon kann unser tolles Lebensgebäude innerhalb von Sekunden in sich zusammenbrechen. Dieses Wort will uns wachrütteln und salopp sagen: Wach auf, es gibt noch etwas Wichtigeres.

Und das ist die vertikale Ausrichtung. Unser Leben auf Erden wird eines Tages enden. Bloß damit ist ja eben noch nicht alles zu Ende. Es geht nämlich dann erst richtig los. Wo wir dann hingehen, liebe Gemeinde, das haben wir hier unten auf Erden selber in der Hand. Der Tod des Herrn hat nämlich weitreichende Konsequenzen für uns.

Wenn wir ihm gehören und uns zu ihm bekennen, dann ist unser irdischer Tod nur noch eine Durchgangsstation in Richtung Himmel. Alle seine Jünger, und damit sind auch wir gemeint, nimmt er persönlich in der Sekunde ihres Ablebens in Empfang und führt sie zu ihrer ewigen Wohnung. Das hat er uns hier auf Erden versprochen. Und wenn ich einem mein vollstes Vertrauen schenken kann, dann doch wohl dem, der für mich den eigenen Tod auf sich genommen hat, den ich eigentlich verdient hätte nur damit ich das ewige Leben habe.

3. Bis er kommt

Wenn wir gleich das Heilige Abendmahl feiern, dann geschieht dies, ich möchte es einmal so ausdrücken, auf drei Zeitschienen. Wir gedenken des Todes unseres Herrn am Kreuz. Das geschah bekanntermaßen vor 2000 Jahren.

Aber jetzt, wenn wir dieses Abendmahl in unserer zeitlichen Gegenwart feiern, dann dürfen wir uns gewiss sein, dass wir dies mit all denen zusammen tun, die uns bereits vorausgegangen sind. Das Abendmahl ist also ,ein wenig überhöht ausgedrückt, der Ort, wo sich Himmel und Erde begegnen. Im hier und jetzt ist also bei der Feier des Heiligen Abendmahles das Fenster zum Himmel schon einen Spalt weit für uns geöffnet.

Als drittes zeitliches Element erinnert uns das Abendmahl stets daran, dass wir in einer Zwischenzeit leben. Unser Herr, der vor 2000 Jahren am Kreuz gestorben ist, kommt ja wieder zurück auf die Erde. Er, der den Tod überwunden hat ist jetzt schon in den Gaben des Abendmahles bei uns und in Form des Heiligen Geistes immer mit uns zusammen. Aber er wird eines Tages höchstpersönlich wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir es aus unserem Glaubensbekenntnis her kennen.

Darum sollten wir ihm einfach Danke sagen. Danke Herr, das du für unsere Sünden ans Kreuz gegangen bist. Danke Herr, das Du heute in Gestalt des Heiligen Geistes unter uns weilst. Danke Herr, dass Du eines Tages wiederkommen wirst.

Lassen Sie uns diesen Dreifachdank, den viele unserer noch nicht gläubigen Mitmenschen nicht verstehen, lassen Sie uns doch versuchen auch ihnen das nahe zu bringen, was unser Herr auch für sie ganz persönlich getan hat.

Diesen Dank beschreibt Friedrich von Bodelschwingh sehr schön in dem vierten Vers seines Liedes: „Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha…“ (EG 93), der da lautet, wie folgt:

Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha.
Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu;
ja, wir dienen dir von Herzen, ja, du machst einst alles neu.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Abend am heutigen Gründonnerstag. Bis zum morgigen Karfreitag seien Sie all wohl behütet von unserem Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber