Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ewigkeitssonntag im Jahre 2015. Traditionell gedanken wir am letzten Sonntag des Kirchenjahres all derer, die uns bereits im Glauben vorausgegangen sind.
Uns allen steht diese letzte Reise ja noch bevor. Wie wir uns am besten auf diese Reise vorbereiten können, das erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Den Predigttext für den heutigen Ewigkeitssonntag finden wir bei Matthäus im 25. Kapitel, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Von den klugen und törichten Jungfrauen.

Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt ! Geht hinaus, ihm entgegen !
Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und für euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Türe wurde verschlossen. Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf ! Er antwortete aber und sprach:
Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet ! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Liebe Gemeinde,

wortwörtlich gelesen fand ich diesen Text nicht gerade besonders „Jesuslike“. Da mahnt uns Jesus immer wieder zu aufopferungsvoller Nächstenliebe und dann hört die Nächstenliebe schon dann auf, wenn Öl für ein paar Lampen geteilt werden soll. Mehr Egomanie geht doch wohl kaum.

Aber dann bin ich über die ersten Worte des Predigttextes gestolpert, die man gerne vergisst angesichts des dramatischen Geschehens in diesem Text. Es geht nämlich um das Himmelreich, also ein Gleichnis, welches wir heute Morgen versuchen wollen einander zu erklären.

1. Kluge und Törichte

Auf dieser Erde leben kluge und törichte Menschen beieinander. Wie wir unserem Predigttext entnehmen können, schaut der Alltag beider Gruppen in etwa gleich aus. Auf den ersten Blick können wir also einen törichten Menschen gar nicht von einem klugen Menschen unterscheiden.

Es geht in unserem Predigttext ja auch nicht um das, was wir unter dumm und klug auf Erden verstehen, sondern es geht um die, ich nenne sie einmal, Himmelsklugheit und Himmelsdummheit.

Mit dem Bräutigam in unseren heutigen Predigttext ist übrigens der Herr Jesus selbst gemeint. Und dieser gibt uns indirekt den Auftrag, dass wir uns ganz speziell auf den Tag vorbereiten sollen, an welchem wir ihm gegenübertreten, also dass wir himmelsklug handeln sollen.

Die uns im Glauben vorausgegangen sind haben dies schon hinter sich, uns steht dieser Moment hingegen noch bevor. In dem Moment, wo wir unseren irdischen Körper verlassen, stehen wir ihm nämlich direkt gegenüber.

Dann wird sich zeigen, ob wir himmelsklug oder himmelsdumm waren. Direkt nach unserem Sterben wird sich nämlich auch entscheiden, wo wir unsere Ewigkeit verbringen werden. Verbringen wir sie mit Gott zusammen im Himmel, dann haben wir in der Tat himmelsklug gelebt. Oder verbringen wir die Ewigkeit in der ewigen Verdammnis, dann haben wir nämlich himmelsdumm gelebt.

Denn hier auf Erden legen wir den Grundstein für Himmel oder Hölle.

Himmelsdumm, liebe Gemeinde, leben all die Menschen, die mit Gott nichts zu tun haben wollen. Gott überall außen vor lassen, so leben, als ob es ihn gar nicht gibt, und auch gar keinen Gedanken daran verschwenden, dass es ihn vielleicht doch geben könnte. Das sind untrügliche Anzeichen für einen himmelsdummen Lebensstil.

Aber was ist denn im Gegensatz dazu ein himmelskluger Lebensstil ?

2. Das Öl

Das Öl in unserem Gleichnis ist ein Sinnbild für eine persönliche Beziehung mit unserem Herrn. Himmelsklug lebe ich dann, wenn ich diese persönliche Beziehung nicht nur eingehe, sondern diese auch permanent pflege.

Wenn ich in ihm bleibe, dann bleibt er auch in uns. Das verspricht er uns. Garantiert. Das bedeutet zunächst einmal ganz praktisch, dass ER bei mir das Sagen hat. Nicht mehr ich bestimme den Kurs meines Lebens, sondern ich lasse Jesus die Stationen meines Lebens bestimmen.

Über die schönsten Erlebnisse kann ich mich mit ihm zusammen freuen.
Geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude. Und mit ihm an meiner Seite kann ich auch die leidvollen Zeiten meines Lebens durchstehen.
Bekanntlich ist ja auch geteiltes Leid ein halbes Leid.

Wenn ich diese Beziehung pflege, dann lebe ich auch wenn ich sterbe.
Klingt irgendwie paradox. Ist es aber nicht. Mit Jesus an meiner Seite habe ich das ewige Leben. Auch das Sterben, das für den Weltmenschen häufig das Ende aller Dinge bedeutet, hat für uns Christen eine ganz andere Dimension.

Stellen wir uns das ganze doch einfach mal so vor, dass wir alle von einer weiteren Dimension, die wir hier auf Erden zwar manchmal spüren und fühlen, aber nicht direkt sehen können, umgeben sind. Bei unserem irdischen Tod gehen wir ganz einfach diesen einen Schritt in die göttliche Dimension weiter. Dann dürfen wir schauen, was wir ein Leben lang geglaubt haben.

Das mag auch ein Grund dafür sein, dass ich so viele Christen habe mit einem Lächeln auf den Lippen einschlafen sehen. Vielleicht war das ja ein kleiner Gruß aus der Ewigkeit an die, die noch in der Zeit leben ?

3. Verweigerung des Teilens

Auch wenn es sich um ein Gleichnis handelt, bleibt dieser Vorgang doch recht undurschaubar. Aber irgendwas muss doch dahinterstecken. Wir hatten ja vorhin über die himmelsdummen Menschen kurz gesprochen.

Das sind genau die, die eben kein Öl dabei haben. Das sind diejenigen, die sich ihr leben lang überhaupt nicht um Gott gekümmert haben. Aber auch für die himmelsdummen schlägt das letzte Stündlein. Und da wird es ihnen auf einmal schmerzhaft bewusst, wie verkehrt sie doch gelebt haben und was sie alles unterlassen haben.

Und jetzt ist guter Rat teuer. Gut, der Weg zum Kaufmann den kann man ja noch versuchen. Aber wie wir gesehen haben, war auch das zu spät. Liebe Gemeinde, ich möchte keinem Menschen Angst machen, aber ich muss darauf hinweisen, dass es ein „zu spät“ gibt. Es gibt ein „zu spät“ um in den Himmel zu gelangen.

Der Schächer am Kreuz wird ja gern herangezogen, wenn es um die Bekehrung in letzter Minute geht. Aber keiner kann uns garantieren, dass wir auch so eine Möglichkeit erhalten werden.

Solange wir leben, solange haben wir es in der Hand, wo wir die Ewigkeit verbringen möchten. Aber weiß einer unter uns, ob er den morgigen Tag noch erlebt ? Daher lassen Sie uns alle heute unsere Lampen nehmen und dafür sorgen, dass sie stets brennen. Dann sind wir auf den Moment gut vorbereitet, an welchem wir unserem Herrn gegenübertreten dürfen.

Und dann dürfen wir gewiss auch all unser Lieben wiedersehen, an die wir heute vielleicht noch ein wenig schmerzvoll denken. Daher ist der heutige Tag auch kein Totensonntag, sondern für uns alle in der Tat ein Ewigkeitssonntag.

Den Weg auf Erden direkt in die Ewigkeit beschreibt der Liederdichter Johann Walter sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes „Herzlich tut mich erfreuen…“ (EG 148), der da lautet, wie folgt:

Er wird uns fröhlich leiten ins ewig Paradeis, die Hochzeit zu bereiten zu seinem Lob und Preis.
Da wird sein Freud und Wonne in rechter Lieb und Treu aus Gottes Schatz und Bronne und täglich werden neu.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ein Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu und das neue beginnt bereits in der nächsten Woche. Nutzen wir heute den Tag um auch uns auf die Ewigkeit einzustimmen und gedenken wir ab der nächsten Woche wieder dem, der uns den Weg dahin überhaupt erst bereitet hat.

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne voradventliche Woche und freue mich, Sie alle am 1. Advent hoffentlich wieder begrüßen zu dürfen.

Herzliche Segensgrüße sendet Ihnen allen Ihr

Ulrich Naber