Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 9. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 1-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Bekehrung des Saulus

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe. Als er aber auf dem Weg war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du ? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.

Liebe Gemeinde,

diesen biblischen Bericht kennen wir sicherlich alle. Auch wenn wir ihn schon unzählige Male gehört und gelesen haben, dann stecken doch hinter der Bekehrung des Saulus einige Fakten, die wir uns heute einmal genauer anschauen wollen.

1. Jesus, der Beschützer

Bei der Bekehrung des Saulus vergessen wir oft, dass diese Geschichte ja damit beginnt, dass Saulus eigentlich die Anhänger der neuen Lehre zu verfolgen beabsichtigte. Mit stattlichem Erfolg hatte er dies auch bereits getan. So war er auch bei der Steinigung des Stephanus zugegen gewesen und sicherlich hat er sich auch bei anderen Christenverfolgungen besonders hervorgetan.

Und dann hat er einen ganz großen Coup vor; er möchte gerne ganz rigoros gegen diese neue Sekte vorgehen und erbittet sich vom Hohenpriester eine Art Generalvollmacht, die ihn dazu ermächtigt, mit dieser neuen Sekte ein für alle Male aufzuräumen.

Doch da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auch wenn wir es manchmal nicht spüren und fühlen können; unser Herr ist stets in unserer Nähe. Das war er auch damals, als Saulus sich aufmachte, die Christen zu verfolgen. Genau in diesem Moment greift Jesus ein. In erster Linie geht es hier nicht um die Bekehrung des Saulus, in erster Linie geht es hier um den Schutz seiner Nachfolger.

Und da diesbezüglich eine konkrete Gefährdungslage vorlag, musste Jesus eingreifen, indem er Saulus vom Pferd holte und ihn mit Blindheit schlug. Saulus war als Feind der Christen also zunächst einmal kampfunfähig durch das Eingreifen unseres Herrn.

Liebe Gemeinde, wir mögen ja wirklich in wirren Zeiten leben, wo es um uns herum auf einmal gar nicht mehr so sicher zu sein scheint, wie wir es immer angenommen haben. Aber einer Sache dürfen wir ganz gewiss sein: Jesus beschützt die Seinen immer und überall. Egal, welcher Situation wir auch ausgesetzt zu sein scheinen, oder es tatsächlich auch sind, unser Herr ist immer eine Handbreit neben uns.

Das bedeutet, dass wir uns auch zu Zeiten, wo die Kanonen donnern, keine Sorgen machen müssen. Tiefer als in die Hände unseres Herrn können wir niemals fallen.

2. Der ganz persönliche Jesus

Wissen Sie, ich halte überhaupt nichts von Massenbekehrungen wie sie vielfach auch von namhaften Evangelisten durchgeführt werden. Wenn ich Berichte von Evangelisten höre, dass sich an einem Abend wieder einmal über 500 Menschen bekehrt haben, dann melde ich schon einmal meine fast immer berechtigten Zweifel an.

Wenn wir uns die Bekehrung des Saulus anschauen, dann hatte Jesus zunächst einmal seine Pläne durchkreuzt. Aber dann, dann sprach er ihn ganz persönlich an. Diese ganz persönliche Ansprache ist es, was meines Erachtens der Beginn der Bekehrung ist. Wenn wir als noch unentschlossene Zweifler den Herrn ganz einfach darum bitten, sich uns zuzuwenden, dann wird er dies auch 2000 Jahre nach der Bekehrung des Saulus auch bei uns tun.

Das muss ja nicht so dramatisch sein, wie bei Saulus. Aber die ganz persönliche Ansprache unseres Herrn kann ganz konkret auch einmal damit beginnen, das er all unsere Pläne durchkreuzt. Wie oft haben wir einfach keine Zeit für die Bibel, für das Gebet und ganz allgemein keine Zeit für Gott. Und dann kann es schon einmal so kommen, dass uns unser Herr auf ziemlich brutale Art und Weise diese Zeit schenkt.

Ein ziemlich karriereorientierter und überaus gottloser Cousin von mir erfuhr dies kurz vor dem Höhepunkt seiner Karriere. Ausgestattet mit einem 1A-Diplom war er bei einer großen Unternehmensberatungsgesellschaft für die Kostenoptimierung im Personalbereich der zu beratenden Unternehmen zuständig. Er war also, um es ganz einfach auszudrücken, dafür verantwortlich, dass Leute entlassen wurden, damit Unternehmen noch mehr Gewinne machen können.

Eines Tages ging es ihm nicht gut und er ging, da die Arztpraxen bereits geschlossen hatten, direkt in die Klinik. Dort stelle man ein Aortenaneurysma fest, welches, wenn er nicht innerhalb von einer halben Stunde operiert worden wäre, unweigerlich zu seinem Tode geführt hätte. Wochenlang musste er in der Klinik verweilen, weil sich auch noch die ein und andere Infektion dazugesellte. Aber er hatte auf einmal Zeit um über sich und das Leben nachzudenken. Initialisiert durch einen ganz tollen Krankenhausseelsorger kam er auf diesem Umweg zum Glauben.

Er ist heute immer noch Unternehmensberater aber mit umgekehrten Vorzeichen. Heute versucht er, Firmen und Arbeitsplätze zu retten. Natürlich ist er auch heute noch kein Heiliger, aber die Vorzeichen in seinem Leben haben sich geändert. Wo vorher die Dollarzeichen standen steht heute das Kreuz.

3. Der Auftrag von Jesus

Mit der Bekehrung, wie wir es bei Saulus gesehen haben, war es ja nicht getan. Jesus hätte ja auch sagen können: „Lass die Verfolgerei und bekehr Dich und dann halt Dich ein wenig zurück mit der Christenverfolgung“. Das hat er aber nicht getan.

Zunächst hat er Saulus bereit gemacht für das, was er mit ihm vorhatte. Wie bei meinem Cousin, wurde Saulus außer Gefecht gesetzt. Und dann kam der Neubeginn.

Und so ist auch unsere Bekehrung nicht das Ende unseres Christenweges, sondern erst der Beginn. Es ist vollkommen richtig, dass wir mit unserer Bekehrung quasi die Eintrittskarte für den Himmel ganz fest in Händen halten. Diese kann uns niemand mehr abnehmen. Wir müssen auch gar nichts mehr dafür leisten, dass wir in den Himmel kommen.

Aber unser Herr möchte, dass wir an dem Aufbau seines Reiches mit all unseren Kräften mitwirken. Und wie soll das gehen? Liebe Gemeinde, dem Saulus wurde ein erfahrener Christ an die Seite gestellt, der ihm ganz genau sagte, was denn unser Herr für einen Auftrag für ihn hat. Das zeigt uns, dass auch wir nicht getragen von blindem Eifer, einfach losrennen sollen um das Reich Gottes zu bauen. Auch wir sollen darauf hören, was denn genau unser Herr von uns ganz persönlich erwartet.

Dies erfahren wir zum Beispiel im Gebet. Es kann auch sein, dass uns Jesus Menschen an die Seite stellt, die uns sagen und zeigen, was wir machen sollen. Oder aber wir werden ganz unvermittelt in eine Situation hineingestellt, die unser christliches Handeln sofort auf der Stelle erforderlich macht.

Sprechen wir doch mit unserem Herrn und bitten ihn, dass er uns so leiten möge, wie seinen Jünger Saulus geleitet hat und er uns zur rechten Zeit die rechte Aufgabe aufträgt. Und nur so nebenbei bemerkt: Wir müssen keine Angst haben, dass wir diesen Aufträgen nicht gewachsen sein könnten. Wenn uns Jesus beauftragt, dann bekommen wir auch die Befähigung dazu, diese Aufgabe in seinem Sinne zu erledigen. Fangen wir also gleich an.

Möge uns dabei der erste Vers des Liedes von Salomo Liscow „In Gottes Namen fang ich an…“ (EG 494) ein täglicher Begleiter sein. Dieser Vers lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut, ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen guten Start in die neue Woche und dass die Hand des Herrn Sie stets behüten möge.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber