Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag im Advent. Den Predigttext, der uns schon einmal auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmt, finden wir im 1. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 26-33 und 38. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Ankündigung der Geburt Jesu

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die da heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mir dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Liebe Gemeinde,

ein Engel erscheint Maria und erteilt ihr, wenn wir es denn mal so nennen wollen, einen göttlichen Auftrag. Wie das vonstattengeht das wollen wir uns heute Morgen einmal zusammen anschauen.

1. Fürchte dich nicht

Sie werden mir sicherlich zustimmen, wenn ich einmal behaupte, dass der Besuch eines Engels auch für uns heute nichts Alltägliches ist. Wie würden wir reagieren, wenn wir auf einmal einem Engel gegenüberstehen?

Ich gehe einmal davon aus, dass wir zumindest erstaunt, ich sogar ein wenig ängstlich wäre. Und diese Angst, aber auch die Angst allgemein machen starr. Wenn wir richtig ängstlich sind, dann sind wir zumeist geistig, aber auch körperlich relativ unbeweglich. Körperlich reagieren wir allenfalls mit Flucht, aber nicht mit einem „auf das zugehen“, was da passiert.

Also sagte der Engel zunächst einmal die beruhigenden Worte „Fürchte dich nicht“. Dieses „Fürchte dich nicht“ finden wir übrigens auch an anderen Stellen der Bibel, nämlich immer dann wenn
die göttliche Welt und die menschliche Welt zusammentreffen.

Erst dann, wenn uns Menschen die Furcht genommen wird, die wir vor der Begegnung mit der göttlichen Welt haben, erst dann wird unser Blick wieder klar. Wir können wieder klar denken und verstehen und sind aufnahmebereit für das, was uns Gott sagen möchte.

Wenn wir es so wollen, dann ist jedes „Fürchte dich nicht“ eine Vorbereitung auf ein Wort Gottes, das uns ganz persönlich ereilen soll.

2. Die Aufgabe

Eine Aufgabe wie Maria werden wir sicherlich nicht erhalten. Aber unser Herr hat für jeden Menschen in seinem Leben mannigfache Aufgaben parat. Diese Aufgaben sollen wir mit einem von Furcht befreiten Herzen ausüben.

Wir Menschen teilen ja immer gern alles in Kategorien ein. So machen wir dies häufig auch mit Gottes Aufgaben, die er uns gibt. Manch eine Aufgabe erscheint uns dabei sicherlich als zu groß und zu schwer, um sie zu bewältigen. Vielleicht denken wir insgeheim, dass andere Menschen doch viel besser für diese Aufgabe geeignet sind, als wir es sind.

Daher lassen Sie uns immer daran denken, dass Gott nicht die besonders fähigen Menschen beauftragt, sondern dass Gott die Menschen befähigt, denen er eine Aufgabe erteilt. Egal, wie groß und unlösbar uns eine Aufgabe Gottes an uns auch erscheinen mag, wir sollen einfach losgehen und Gottes Auftrag ausführen. ER, der uns beauftragt hat, wird auch dafür sorgen, dass wir die dafür notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten erlangen.

Denken wir nur einmal an die ersten Bücher des neuen Testamentes, insbesondere an das 2. Buch Mose. Erinnern wir uns doch daran, wie Mose sich selber für vollkommen ungeeignet hielt, sein Volk aus Ägypten zu führen. Aber trotzdem vertraute er der Zusage seines Herrn und marschierte tapfer drauflos. So sollen wir es auch machen. Aber niemals dabei den Herrn aus den Augen verlieren, denn er ist des, der die Dinge letztendlich steuert und lenkt.

Die andere Kategorie der Aufgaben ist diejenige, die uns zu einfach sind. Wir sind doch schließlich für höhere Aufgaben auf der Welt gemacht, da muss ich doch nicht die Stühle im Gemeindezentrum schleppen. Aber Achtung, liebe Gemeinde, nur wer im Kleinen treu ist, der ist dies auch im Großen.

Lassen Sie uns also die Aufgaben unseres Herrn nicht hinterfragen. Sowohl die einfachen, als auch die vermeintlich schwierigen Dinge wollen erledigt werden. Egal, wozu uns der Herr auch immer berufen mag, folgen wir doch diesem Ruf mit ganzem Herzen.

3. Das große Ja

Wie wir soeben gehört haben, ist es ganz wichtig, dass wir ein ganz großes JA zu unserer Aufgabe sagen. Wir sollen alles daran setzen, um unsere Aufgabe so zu erfüllen, wie es der Herr von uns erwartet.

In unserem Predigttext stehen zwei Worte, die man schnell überliest; nämlich die Worte Marias „Mir geschehe…“ Diese Worte drücken eine gewisse Passivität aus. Maria möchte damit vielleicht zum Ausdruck bringen, dass sie erkannt hat, dass da jemand im Hintergrund ist, der die Fäden der kommenden Geschehnisse ganz fest in Händen hält.

Es liegt eben nicht alles in meinen Händen, wenn es darum geht, Gottes Aufgaben gerecht zu werden. Es ist immer jemand da, der wenn ich ihm voll und ganz vertraue im Hintergrund die Fäden zieht und mich nicht fallen lässt. Er ebnet mir den Weg, den ich gehen soll. Er räumt die Steine auf dem Weg zur Seite oder leitet mich um diese herum. Und er fängt mich auf, sollte ich einmal straucheln und ins Stolpern geraten.

Diesen einen sehen wir heute und noch über die Weihnachtstage in der Krippe liegen. Und dieser eine lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit und regiert auch heute noch das Leben all seiner Jünger, die sich zu ihm bekennen.

Sagen wir doch auch zu unserem Heiland Marias Worte „Mir geschehe…“ und gehen dann, wie es die Bibel so schön sagt, getrost und unverzagt unseren Weg. Wenn wir dies ehrlichen Herzens tun, dann liebe Gemeinde erleben wir nicht nur in der Weihnachtszeit Gottes spürbare Liebe in und um uns herum. Nein, dann erleben wir diese Liebe jeden Tag, den wir hier auf Erden leben.

Die richtige Einstellung dazu beschreibt der Liederdichter Paul Ernst Ruppert sehr schön in seinem Lied „Er ist die rechte Freudensonn…“ (EG 2), welches lautet, wie folgt:

Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott.
All unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott.
Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Gelobet sei mein Gott.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten 4. Advent und eine beschauliche, etwas ruhigere Woche zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber