ePredigt-Archiv » Buch Jesaja 42.Kapitel, Verse 1-4
Liebe Lesergemeinde !
Ich grüße Sie herzlich am 1. Sonntag nach Epiphanias. Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Zuschriften.
Als Predigtwort lesen wir im Jesajabuch im 42.Kapitel, die Verse 1 - 4:²
"Siehe, das ist mein Knecht -ich erhalte ihn - und mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Er wird das Recht wahrhaftig halten lehren. Er wird nicht matt werden noch verzagen, bis daß er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf sein Gesetz warten."
Der Herr segne an uns SEIN Wort!
Liebe Gemeinde!
Ich sah einen großen Vogel fliegen. Die Welt um mich wurde dunkel. Aus einer offenen Wunde strömte Blut des Lebens.
Von Weitem hörte ich seine Wort:
Du hast veschenkt, was mir gehört. Du hast dein Herz verschenkt. Nun entflieht Dein Leben.
Doch aus fernem Babylon sprach eine Stimme eines Propheten. Deine Wunde wird sich schließen. Du wirst leben.
Ich sah mich gehen durch Babylon. Menschen drängten mich durch die Straßen. Sie wurden getrieben von der Furcht vor den Göttern und vor den Mächtigen dieser Welt. Sie waren fasziniert von Reichtum und Glanz.
Sie wurden gelockt von Zukunftsbildern von Glück und Spaß.
Vom Fluss her aber klang unsagbares Flehen von Menschen. Menschen klagten über ihr Leben, gefangen in verlorener Hoffnung auf Gott. Dann sah ich diese Menschen unter dem Wort des Propheten. Seine Stimme gab ihren Augen Glanz. Hoffnung ließ sie aufschauen und sich erheben. Zaghafte Schritte fassten Tritt gegen den Strom der Menschen. Und sie nahmen mich mit.
Doch die Zeit warf mich ins Heute.
Und ich sah mein Babylon.
Ich sah meine Verlorenheit vor Gott. Aber in meinem Herzen war Hoffnung auf Leben. Überall ging Jesus mit. In IHM war die Rettung zum Greifen nah. Denn Gott hat Jesus, der auch für mich gestorben ist, als Retter gesandt.
Über IHN hat Gott gesagt:
"Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören" (Mt 17,5).
Dieser Gott gibt uns heute als Predigtwort Verse aus dem Prophetenbuch Jesaja, einem Propheten in Babylon. Gott schenkt SEINER Gemeinde damals und heute Hoff- nung und Trost. ER sagt der Gemeinde, dass SEIN Bevollmächtigter, ein Knecht, berufen und erwählt ist: "Siehe, das ist mein Knecht - ich erhalte ihn - und mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihn meinen Geist gegeben, er wird das Recht unter die Heiden bringen."
Ob die Gemeinde damals gerätselt hat, wie Theologen unserer Zeit, wer dieser Knecht sei?
Der Text könnte sowohl die Gottesgemeinde meinen, als auch eine Einzelperson, wie den Propheten. Im Neuen Testament wurde dieser Knecht als Jesus Christus gesehen (Mt 12,15ff). Petrus verkündet in der Apostelgeschichte Jesus als Knecht Gottes:
"Der Gott Abrahams,Isaaks und Jacobs, der Gott unserer Väter hat seinen Knecht Jesus verherrlicht" (Apg 3,12).
Gottes Rettung der Menschen geschieht durch SEINEN Knecht Jesus Christus. In der Verkündigung des Rettungshandelns Gottes beteiligt Gott Menschen an der Verwirklichung der Rettung der Menschen. In der Zeit vor Jesus geschieht es auf Jesus hin, und danach von Jesus her.
Für Israel, im 6.Jahrhundert v.Cr., war das Wort des Propheten Hoffnung für einen Neuanfang eines Lebens mit Gott. Es war Hoffnung für sie als Gemeinde und Hoffnung für alle Völker, eingeschlossen ihrer Bedränger in Babylon. In der Botschaft des Propheten hören sie das Gottesurteil. Die Menschen sind vor Gott schuldig. Ihre Schuld ist von Gott festgestellt und bedeutet für sie das Todesurteil. Wie in einem Gerichtsverfahren wird die Rechtsgültigkeit des Urteils durch ein Zeichen sichtbar gemacht. Die Lampe des Lebens ist bereits gelöscht, der Stab des Lebens ist bereits zerknickt. Jeden Moment kann der Vollzug der Strafe beginnen.
Nun geschieht etwas Wunderbares. Der glimmende Docht wird nicht ausgeblasen, der Stab wird nicht endgültig zerbrochen. Der Vollzug der Strafe findet nicht statt. Der Schuldige wird begnadigt, sein Leben wird gerettet.
Erst im Neuen Testament wird uns deutlich, warum Gott Gnade vor Recht ergehen lässt. Gott hat SEIN Urteil nicht aufgehoben. Doch die Strafe für die Sünde und Schuld der Menschen, auch unsere Schuld, hat SEIN Sohn Jesus Christus am Kreuz erlitten.
Wer Jesus als seinen Herrn annimmt und durch SEINEN Kreuzestod sich retten lässt, empfängt sein Leben neu.
Dieses neue Leben will allen und will uns Gemeinschaft mit Gott geben. In dieser Gemeinschaft empfangen wir Gottes Geist, der uns lehrt nach Gottes Willen zu leben. Das ist etwas Anderes, als eine pädagogisch vermittelte Ethik des guten Willens.
Wir haben immer wieder die Möglichkeit, unser Leben erneuern zu lassen, wenn wir in unserem Leben scheitern, weil wir die Gemeinschaft mit Jesus verlassen haben.
Jesus wird, wie der angekündigte Knecht, allezeit nicht nachlassen im Mühen um Rettung der Menschen. In SEINEM Wort wird ER der ganzen Welt Gottes Gerichts- urteil verkünden und Gottes Rettungsangebot bringen. Am Ende wird eine Welt im Frieden Gottes und SEINER Gerechtigkeit sein. Jesus und das Neue Testament machen allerdings deutlich, dass dies eine neue Welt sein wird, eine neue Schöpfung. Sie wird ihre Vollendung erfahren, wenn Jesus sichtbar wiederkommt.
Gott sagt uns durch SEIN Wort, dass unser Leben ohne Gott verloren ist.
Zugleich schenkt ER uns Hoffnung auf Leben durch SEINEN Knecht Jesus Christus. In IHM ist Gott auch zu uns gekommen. Wir müssen nicht in Verlorenheit zu Grunde gehen, sondern dürfen leben aus ge- schenkter Freiheit zur Ehre Gott.
Ergreift dieses Geschenk und lebt zur Ehre Gottes!
Es ist ein Wort an die Gemeinde, es ist ein Wort an Euch. Es ist das Licht der Hoffnung für die Menschen aller Völker, denn Jesus ist das Licht der Heiden, der Völker.
Mit der Hoffnung von diesem Licht lasst uns unter dem Segen Gottes in eine neue Woche gehen.
Ich grüße Sie herzlich
Ihr Pfr. i.R. Steinführer (geschrieben 13.01.2002)
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