ePredigt-Archiv » Hebräerbrief 13.Kapitel, Verse 12 - 14
Liebe Lesergemeinde !
Ich grüße Sie herzlich am 5. Sonntag in der Passionszeit. Das Predigtwort steht im Hebräerbrief, im 13.Kapitel, in den Versen 12-14:²
"Darum hat auch Jesus, damit er heiligte das Volk durch sein Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasset uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir."
Der Herr segne an uns SEIN Wort!
Liebe Gemeinde!
Wir haben uns daran gewöhnt, dass auf der Welt viele Menschen fern von ihrer Heimat sind. Wie notvoll und bedrängend das ist, weiß mancher aus der Vergangenheit. Jeder ist erleichtert, der einen neuen Platz im Leben gefunden hat, ein neues Zuhause.
Doch unser Predigtwort erinnert uns daran, dass wir als Gemeinde Jesu Christi in dieser Welt Fremde sind. Gottes Gemeinde bleibt ein wanderndes Volk. Es ist unterwegs zu der Heimat, die Gott uns bereitet hat. Jesus spricht davon, als die für uns vorbereitete Wohnung beim himmlischen Vater (Joh 14,2).
Es fällt uns nicht leicht, das für uns anzunehmen.
Wir haben uns in der Welt eingerichtet, oft von ihr assimilieren lassen. Christliche Gemeinde ist ein Teil der Sozialstruktur, der Herrschaftsstruktur und der Zeitströmung dieser Welt. Wir sind in Gemeinschaften intigriert - in Familien, Freundeskreisen, Berufsgruppierungen, in politischen und religiösen Gemeinschaften.
In ihnen finden wir Geborgenheit und Lebensmöglichkeiten. Sie geben uns den Rahmen für unsere Zukunft und für die Zukunft unserer Kinder zu sorgen.
Die Verflochtenheit mit der Welt, hindert uns häufig unsere Aufgaben als Gemeinde zu erfüllen.
Wir sind gerufen "Salz der Erde" und "Licht der Welt" zu sein.
Wir haben mit unserem Leben Gottes Stimme in die Welt zu tragen. Das können wir weder, indem wir uns von der Welt beherrschen lassen, noch indem wir uns aus ihr zurück- ziehen.
Wir können es nur, indem wir unser Leben von Gott und SEINEM Wort erfüllen lassen.
Die Welt hat Gott nicht im Blick. Sie ist auf den Menschen ausgerichtet. So leugnet sie auch eine Verantwortung und Schuld vor Gott. Gottes Stimme wird als belastend und störend empfunden. Darum wird mit allen Mitteln versucht, die Stimme Gottes zum Schweigen zu bringen.
Wir können es in der Bibel nachlesen. Wir können es im Leben ständig erfahren. Jesus Christus, der Gottessohn, hat es in SEINEM Leiden und Sterben erfahren. ER wurde aus der Gemeinschaft der Menschen ausgestoßen. ER wurde zum Verbrecher erklärt, von der Gottesgemeinde als Gotteslästerer abgetan und gekreuzigt.
Aber die Welt kann Gott nicht abschaffen und SEINE Stimme nicht zum Schweigen bringen.
Jesus ist auferstanden und lebt!
Gott begegnet der Welt weiter durch SEIN Wort und durch Menschen, die ER durch Jesus Christus zum Weitersagen SEINES Wortes beruft. Durch sie lässt ER SEINEN Anspruch an die Welt verkünden, den Zuspruch neuen Lebens in SEINER Gemeinschaft verkünden.
Jesu Kreuz mahnt allezeit an unser aller Schuld als Menschen. Es ist zugleich Hoffnungszeichen für alle. Denn Jesus hat für alle die Strafe für ihre Schuld erlitten, damit wir alle Gottes Vergebung empfangen. Wir können durch Jesus geheiligt und gereinigt in Gottes Gemeinschaft leben. Wir sind in Jesu Gemeinschaft so mit IHM verbunden, dass wir mit IHM an der Sünde und Schuld der Welt leiden. So werden wir als SEINE Gemeinde belächelt, verspottet, gehasst und verfolgt.
Mancher mag einwenden, so schlimm geht es uns Christen in der Welt doch nicht. Es stimmt, dass nicht alle Christen in der Welt ständig solche Bedrängnis erfahren. Und doch leben ständig Christen unter solcher Ablehnung und Bedrängnis.
Wir haben häufig den Blick für eine weltumspannende Gemeinschaft und Verbindung unter uns Christen verloren.
Paulus hat diese Verbindung der Gemeinde in Korinth gezeigt mit den Worten:
"Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit" (1.Kor 12,26).
Wir können diese Wirklichkeit ignorieren und dabei an unserem Auftrag schuldig werden;
Denn wir sind gerufen:
Gottes Stimme in die Welt zu tragen!
Ein Schuldigwerden daran bedeutet eine Blokade unserer Vollmacht und eine Blokade des Strömenlassen des göttlichen Lichtes in dieser Welt.
Oder wir können uns durch den Hebräerbrief bewegen lassen:
"So lasset uns zu ihm herausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen".
Lasst uns dort hingehen, wo Jesus in der Welt die Gottesablehnung durchleidet. Das bedeutet nicht, dass wir in der Kreuzesnachfolge Jesu das Leiden suchen. Aber es bedeutet:
Wir sollten die Augen nicht verschließen, wo Menschen unter der Sünde leiden.
Wir sollten unsere Stimme nicht zurückhalten, wo Menschen durch die Schuld Anderer bedrängt werden.
Wir sollten unsere helfenden Möglichkeiten ausschöpfen, wo Menschen um des Glaubens an Jesu willen verfolgt und getötet werden.
Wir sollten Not und Bedrängnis, die Leidenden und die Bedränger, in der Fürbitte vor Gott bringen.
So ist unser Predigtwort ein Ruf in die Kreuzesnachfolge. Es ist aber auch Gottes Zuspruch und Verheißung:
Wir haben bei Gott durch Jesus ein Zuhause. Mit IHM sind wir unterwegs zur verheißenen Herrlichkeit, auf einem Weg, der auch durch Leiden und Bedrängnis führt.
Es ist der Weg, den uns Jesus durch SEIN Leiden und Sterben geöffnet hat. So wie Jesus uns im Wochenspruch sagt:
"Der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele" (Mt 20,28).
Lasst uns aus dieser Erlösung unter Gottes Segen leben.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfr. i.R. Steinführer (geschrieben 17.03.2002)
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