ePredigt-Archiv » Hebräerbrief 11.Kapitel, Verse 8 - 10
Liebe Lesergemeinde !
Ich grüße Sie herzlich am 2.Sonntag in der Passions- zeit.
Das Predigtwort steht heute im Hebräerbrief, im 11.Kapittel, in den Versen 8 - 10:²
"Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, als er berufen ward, auszugehen in ein Land, das er erben sollte, und er ging und wußte nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Gast gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung: denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. "
Der Herr segne an uns SEIN Wort!
Liebe Gemeinde!
Ich war in der Stadt. Die Menschen eilten an mir vorbei, getrieben vom Wind und Schneegestöber, gehetzt von der Zeit. Plötzlich sah ich einen Bekannten. Er lächelte mir zu. Es war wie ein Geschenkgruß Gottes.
Wollte Gott mich an sich erinnern?
Ich hatte IHN doch nicht vergessen?
Doch ich musste überlegen:
Was hatte ER mir zuletzt gesagt?
Nicht immer bin ich begeistert, wenn Gott mich anredet in SEINEM Wort. Da weiche ich manchmal einfach aus. Ich habe doch ein Recht auf ein Privatleben, ich bin ja nicht mehr im Dienst.
Gott gibt mir, wie allen anderen, Freiheit, doch ER ist auch in dieser Freiheit gegenwärtig. Gott möchte, dass wir, Du und ich, ein erfülltes Leben haben. Dieses Leben will uns hinführen zu IHM. Es will uns heimholen in SEIN Vaterhaus. Um dieses Leben geht es, wenn Gott mit uns redet und darum, dass wir Andere zu diesem Leben einladen.
Da wurde ich kürzlich angefragt, können Sie nicht kurzfristig eine Bibelstunde übernehmen. Die anderen Pfarrer, die es tun konnten, waren krank oder hatten bereits anderen Dienst. Ich habe zugesagt. Doch mein Herz war noch nicht offen für den Dienst. In der Vorbereitung löste sich unter dem Wort Gottes diese Sperre. Ich erfuhr für mich und für die Gemeinde Gottes Zusage:
Jesus öffnet mit SEINER Fürbitte vor Gott einen Weg zum Leben.
Auch unser Predigtwort spricht davon, wie Gott einem Menschen den Weg zum Leben öffnet. Es erzählt von Abraham. Gott redet ihn an, er ruft ihn in einen Aufbruch und gibt ihm eine Zukunft und ein Ziel.
Für Abraham muss es zunächst wie eine Zumutung erscheinen, was da in sein Leben hereinbricht. Gott verlangt, dass er seine Heimat, sein Besitz, den Familienverband und seine gesicherte Existenz verlässt. Er soll in ein für ihn fernes und unbekanntes Land ziehen. Gott gibt ihm eine Zukunft: Gott will ihn zu einem großen Volk machen, zum Segen für viele Völker. Seine Nachkommen sollen das ferne Land besitzen.
Durch den Glauben gehorcht Abraham dem Anruf Gottes. So bezeugt es der Hebräerbrief. Abraham gehorcht und geht. Abraham vertraut dem Gott, der zu ihm redet. Der Glaube zeigt sich als geschenktes Vertrauen auf Gott, das ihn gehorchen lässt. Was hier so kurz und knapp gesagt wird, vollzieht sich oft in einem Ringen um die Öffnung des Herzens. Gottes Ruf zu einem Aufbruch und Wandel im Leben erfährt häufig Widerspruch. Eigene Bedenken melden sich. Oft warnen und bedrängen uns Menschen aus unseren engsten Lebensbereichen.
Wenn wir begriffen haben, dass Gott uns fordert, dass ER auf unser ganzes Leben Anspruch hat, bleibt uns nur die Frage;
Gehorsam oder Ungehorsam?
In Ungewissheit können wir uns Gott anvertrauen und bitten:
Herr, schenke uns den Glauben, der in den Gehorsam führt.
Gottes Ruf kann uns ganz anders begegnen als dem Abraham. Doch es wird ein Ruf in einen Aufbruch , einen Neuanfang sein. Wir werden Sicherheiten loslassen müssen. Wir müssen und können uns in Gottes Hand fallen lassen - uns führen lassen zu einem Zielpunkt, den Gott allein kennt. Wir wissen nur, dass Gott uns dort hinhaben will, dass ER dort für uns eine Zukunft hat. Gott wird unseren Gehorsam segnen und Andere durch uns segnen.
Von Abraham wird weiter gesagt:
Durch den Glauben ist er ein Gast, ein wartender Fremdling in dem Land gewesen, in das Gott ihn geführt hat. Er lebte wie Jakob und Isaak in Zelten aufbruchsbereit wartend auf die Stadt, wartend auf den Ort der Ruhe, der auf Gott gegründet ist.
Diese Aussagen sind für uns wie Spiegelbilder der Gemeinde. Christliche Gemeinde ist in dieser Welt wanderndes Gottesvolk. Wir sind unterwegs zu der Wohnung beim himmlischen Vater, die Jesus uns bereitet hat. Gemeinde ist nicht Gottes Paradies auf Erden. Sie wird weder sich noch die Welt zu einem solchen Paradies machen.
Gemeinde lebt aus der Hoffnung, dass Gottes Reich im Kommen ist. Im Glauben schaut und lebt sie bereits im kommenden Gottesreich und sie ist auch mit ihrem Leben mit der vergehenden Welt verflochten.
Gemeinde lebt und erfährt die kommende Gotteswelt in der Gegenwart des auferstandenen Christus. Es ist das Hineinstrahlen der Zukunft Gottes in ihre Welt.
Die kommende Stadt, das neue Jerusalem, die neue Schöpfung Gottes, sind Bilder für die neue Gotteswelt, die bereits in der Auferstehung Jesu Christi gegründet ist.
Wir sind Bürger dieser neuen Welt, in der Gemeinschaft Jesu Christi. Darin sind wir Fremdlinge in der vergehenden Welt.
Im Glauben können wir die Zukunft schauen, Zeichen dieser Zukunft in die vergehenden Welt tragen. Diese Zeichen wollen alle Menschen zur Begegnung mit Gott einladen, damit sie durch Jesus das Leben der neuen Gotteswelt empfangen.
Für diesen Dienst ruft Gott Menschen. ER ruft auch Dich, in der Welt, in der Du lebst, dass Du zu SEINEM Dienst aufbrichst. Du kannst ein Gesegneter des Herrn werden, dazu geleite Dich der Segen des Herrn durch die Woche.
Ich grüße Sie herzlich
Ihr Pfr. i.R. Steinführer (geschrieben 24.02.2002)
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