ePredigt-Archiv » Hebräerbrief 10.Kapitel, Verse 19 - 25
Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 1. Advent, am Beginn des neuen Kirchenjahres.
Für den 1. Advent lesen wir den Predigttext im Hebräerbrief, im 10.Kapitel, in den Versen 19 - 25:²
"Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heilige, welchen er uns bereitet hat als neuen lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes: so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben, besprengt in unseren Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser. Lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasset uns aufeinander achthaben, uns anzureizen zur Liebe und guten Werken, und nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, je mehr ihr sehet, daß sich der Tag naht."
Der Herr segne an uns SEIN Wort!
Liebe Gemeinde!
Im Vorgarten des Nachbarn leuchtet ein Weihnachtsbaum in der Dunkelheit. Es ist Adventszeit. Oder hat die Weihnachtszeit schon begonnen?
Ich schnuppere in die Luft. Wovon ist die Zeit erfüllt?
Mein Terminkalender spricht von Weihnachtsfeiern. Irgendwo wartet die Geschenkeliste für die Weihnachtsgeschenke. Die Zeitung berichtet von der Eröffnung der Weihnachtsmärkte. Die Supermärkte sind schon lange auf Weihnachten eingestellt. Nun ist zu dem weihnachtlichen Schmuck die passende Weihnachtsmusik gekommen. Und in der Fernsehwerbung ist der Coca Cola Truck unterwegs.
Ich lese im Wochenspruch für den 1. Advent:
"Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer" (Sach 9,9).
Es ist doch Zeit des Wartens und der Ankunft.
Gott will zu m i r kommen.
Bin i c h dafür bereit?
Ist es das, was i c h für die Adventszeit erwarte?
Gott wird kommen, auch wenn ich nicht dafür bereit bin.
Aber werde i c h IHN wahrnehmen?
Und wie soll i c h IHM begegnen?
Wie passen all meine geplanten Vorbereitungen dazu?
Ich lese im Predigtwort, dass Gott auf m i c h wartet.
Gott wartet auf uns alle. ER wartet, dass w i r kommen.
Advent - Ankunft - bekommt plötzlich eine neue Ausrichtung. Gott hat die Tür für uns ganz weit aufgetan. Dazu ist SEIN Sohn Jesus in die Welt gekommen.
Ja, Jesus selbst ist die Tür, durch die wir zu Gott kommen können.
Jesus ist wie der Hohepriester des Alten Bundes - des Gottesvolkes der Juden - für uns vor den Heiligen Gott getreten. Mit SEINEM Blut hat ER, wie der Hohepriester mit dem Opferblut, uns alle von Sünde und Schuld gereinigt. Und wir sind durch Jesus in der Taufe reingewaschen worden. Seither hat Jesus in Beichte und Abendmahl unsere Reinigung immer wieder vollzogen.
So hat Gott in Jesus alles getan, dass wir zu IHM kommen können.
- Nun wartet Gott auf uns, dass wir kommen. -
Wollen wir als Gemeinde Jesu Christi uns von SEINEM Wort dazu einladen lassen. ER sagt uns :
"So lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigenm Herzen in völligem Glauben".
Dazu hat Gott in unsere Herzen Hoffnung gegeben. Es ist die Hoffnung neuen Lebens aus der Gemeinschaft mit Gott, in der Verbundenheit mit dem lebendigen Jesus Christus. Dieser Jesus Christus ist als der Auferstandene gegenwärtig und wird sichtbar wiederkommen und die Vollendung der neuen Gotteswelt bringen.
Wir haben diese geschenkte Hoffnung, aber sie kann verloren gehen.
Das kann geschehen, wenn wir unser Leben von den Erwartungen und Geschehnissen dieser Welt bestimmen lassen.
Es kann geschehen, wenn wir Jesus nicht Herr unseres Lebens sein lassen.
Darum ruft uns der Apostel zu, an der Hoffnung festzuhalten.
Wir haben in Gottes Wort SEINE zugesagten Verheißungen. Wir können im Glauben schauen, wie Gott SEINE Verheißungen erfüllt und das ER zu SEINEM Wort steht. Dabei werden die Traditionen der Advents- und Weihnachtszeit ihre Wurzeln des Glaubens zeigen. Vieles ist davon unter Werbung, Kommerz und Kuschelgemütlichkeit verborgen.
Aber aus ihren Wurzeln wächst eine belebende und tragende Kraft für die Hoffnung des Glaubens. Diese Traditionen nehmen uns hinein in eine geschenkte Gemeinschaft des Glaubens, die uns als Schwestern und Brüder untereinander verbindet. In dieser Gemeinschaft begegnen uns Glaubenserfahrungen, die unserem Glauben Anstoß und Ermutigung geben.
Das gemeinsame Gebet lässt unsere Stimmen zum Chor der Anbetung Gottes werden.
Unsere gemeinsamen Bitten und Fürbitten werden zur tragenden Kraft.
Die von Gott empfangene Liebe in der Gemeinde tröstet, hilft und richtet uns neu aus.
Dabei werden wir zugleich erfahren, dass wir alle von Gott geliebte und gerettete Sünder sind. Oft fällt es uns schwer mit der Sündhaftigkeit Anderer umzugehen. Manche ziehen sich enttäuscht zurück und uns geht es manchmal nicht anders.
Wir brauchen einander, um zurecht zu kommen. Und wir sind einander gewiesen.
Wir sollten auf das Zeugnis derer hören, die einsam als Christen unter Nichtchristen leben. Sie erzählen, wie ihnen die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern fehlt.
Andere, die ihr Bett oder ihre vier Wände nicht verlassen können, berichten, wie es ihnen hilft, wenn Schwestern und Brüder aus der Gemeinde zu ihnen kommen und sie im Gebet begleiten.
Der Apostel sagt den Christen der Gemeinde damals wie heute:
"Lasset uns aufeinander achthaben, uns anzureizen zu Liebe und guten Werken, und nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen, und das umso mehr, je mehr ihr sehet, daß sich der Tag naht."
Die Gemeinschaft der Gemeinde ist Gottes Gabe in Jesus und zugleich Aufgabe des Dienstes an Schwestern und Brüdern. Gott möchte, dass niemand verloren geht, dass wir einander helfen, Gott zu begegnen.
Gott lädt uns zu SICH ein und ER ist unterwegs zu uns.
ER erwartet unser Kommen und wir dürfen SEIN Kommen erwarten, hier in diesem Leben und im Wiederkommen Jesu.
Unser Leben ist gelebter Advent.
Das möge uns die Adventszeit bescheren und dazu möge der Herr SEINEN Segen geben.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfr. i.R. Steinführer (geschrieben 02.12.2001)
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