Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie alle ganz herzlich zur Predigt am heutigen 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Matthäus im 7. Kapitel, die Verse 24-27. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Hausbau

Darum, wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde,

unsere heutige Predigt stammt aus der Bergpredigt. Etwas vereinfacht erklärt uns die Berg-Predigt, was wir unbedingt vom Christentum wissen müssen. In unserem heutigen Denglisch handelt es sich bei der Bergpredigt also um „Todo“ Anweisungen für Christen.
Was ist denn nun für uns als Christen das wichtigste im Leben und warum? Lassen Sie uns dieser Frage heute Morgen einmal auf den Grund gehen:

  1. Das Fundament

    Jesus vergleicht die Beziehung zu unserem Vater im Himmel mit dem Bau eines Hauses. Egal was für ein Haus gebaut werden soll, egal wie hoch, wie breit, wie lang; eines ist immer ganz besonders wichtig; nämlich – dass unser Haus auf einem festen Fundament ruht.
    Ein Fundament sichert das ganze Haus nach oben hin ab. Und so lehrt es uns der Herr Jesus Christ, dass dies in Glaubensdingen nicht anders ist, wie bei einem realen Hausbau. Wir müssen ein festes Fundament legen, damit unser Glaubensgebäude nicht ins Wanken gerät und einstürzt.

    Und dieses Fundament ist der Herr Jesus selber. Wenn wir ihm glauben und zu dem, was er für uns getan hat ein eindeutiges JA sagen und ihm unser Leben übergeben, dann übernimmt er die Rolle des Fundamentes in unserem Leben.
    Und auf diesem Fundament können wir unser ganzes Glaubensgebäude aufbauen. Alle unsere Fähig- und Fertigkeiten, die wir für den Herrn Jesus einsetzen, sind auf diesem Fundament begründet. Gewiss, es kann mal etwas schief gehen, aber dadurch wird das Fundament nicht erschüttert.

    Wenn bei einem Haus einmal eine Fensterscheibe zu Bruch geht, dann wackelt ja auch nicht gleich das ganze Fundament.
    Als ich den heutigen Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da war ich sofort ein wenig erschrocken. Haben die Menschen, die ihre individuellen Lebenshäuser bauen, überhaupt noch dieses Fundament unter den Füßen?

    Ist es nicht vielmehr so, dass die meisten Menschen meinen, ohne Gott ganz gut zu Recht zu kommen? Und so bauen die meisten Menschen wie schon damals ihr Lebenshaus auf Sand. Die meisten verlassen sich auf ein dauerhaftes Einkommen, eine immer nach oben gehende Karriere und Gesundheit bis weit über das 90. Lebensjahr hinaus.

    Doch liebe Gemeinde, auf all dies haben wir keinen Anspruch. Wenn eines davon schiefgeht, dann droht das ganze Lebenshaus umzustürzen. Ohne Gesundheit kein Einkommen und ohne Einkommen kein Lebenshaus mehr. Aus und vorbei.
    Wissen Sie, warum ich mich gern als christlicher Fundamentalist beschimpfen lasse ? Nun, ich habe mein Lebenshaus auf dem Fundament von unserem Herrn Jesus Christus gebaut. Wenn ich krank bin, dann ist er bei mir, wenn ich arbeitslos werden sollte, dann  muss ich mir trotzdem keine Sorgen machen, denn er sorgt für mich. Und wenn meine Karriereleiter eben nicht nach oben geht, dann ist es auch nicht schlimm. ER, der an meiner Seite ist, sorgt dafür, dass ich immer und überall von allem genug habe.

    Und noch eines ist wichtig: Wer den Herrn Jesus als Fundament im Glauben hat, der entwickelt ganz andere Lebens- und Wertmaßstäbe in seinem Leben als die meisten Menschen. Ich nenne sie einfach mal Himmelsmaßstäbe.

    Und genau das, was ich gerade gesagt habe, dass sollen wir auch in die Welt hinaustragen.
    Fröhliche Fundamentalisten machen die Welt nämlich entsetzlich neugierig.

  2. Platzregen

    Mit dem Platzregen meint der Herr Jesus plötzlich eintretende Ereignisse, die unser Leben von jetzt auf gleich total durcheinanderbringen.

    Das kann die Diagnose einer Krankheit sein, die lebensgefährlich sein kann. Wenn ich mein Fundament in dem Herrn Jesus Christus gefunden habe, dann wird mich eine derartige Diagnose zwar gewaltig durchrütteln, aber am Ende schaue ich doch wieder nur auf das eine Fundament, was mich auch durch diese Krankheit hindurch trägt.

    Ich habe es leider nur allzu oft mitbekommen, dass Menschen, denen dieses Fundament fehlt, häufig ins bodenlose stürzen und von depressiven Verstimmungen heimgesucht werden bis hin zu manifesten Depressionen.

    Bitte jetzt eines nicht missverstehen: Das Fundament ist nicht das Allheilmittel. Würde ich dies behaupten, wäre das in höchstem Grade unseriös. Das Fundament ist der, der nicht trägt, wenn ich selber nicht mehr laufen kann. Und das Fundament ist auch der, der mich wieder auf die Beine stellt, wenn ich falle. Und das Fundament ist der, der mich ganz liebevoll in seine Arme nimmt, wenn ich seinen Trost so dringend brauche.

    Egal, was auch passiert, ich kann mich voll und ganz darauf verlassen, dass mich dieses Fundament durch mein ganzes Leben tragen wird, komme, was da wolle.

  3. Wasser und Wind

    Wasser und Wind sind notwendig für jedes Leben- und Überleben und auch für das ständige Wachstum.

    Man hat vor über 50 Jahren eine künstliche Landschaft erschaffen. Das war eine ganz normale Landschaft, die aber von der Außenwelt hermetisch nach allen Seiten abgeriegelt worden war. Es gab genügend Wasser und alle möglichen Nährstoffe für die Pflanzen. Nur eines bekamen die Bäume niemals zu spüren, nämlich den Wind. Und so passierte ist, dass sie einfach umfielen, wenn sie eine gewisse Größe erreicht hatten und sich der Schwerpunkt stark nach oben geschoben hatte.

    Und so ist es auch im wahren Leben. Wenn wir fernab von allen Schwierigkeiten immer wohlbehütet aufwachsen, dann werden wir innerlich niemals wachsen können. Wie der Baum den realen Winde benötigt als Anreiz, seine Wurzeln in die Tiefe zu treiben, so benötigen wir den Wind und die Stürme des Lebens, um unsere geistlichen Wurzeln in die Tiefe des Fundamentes wachsen zu lassen.
    Machen wir uns doch bitte mal nichts vor: Die Geschichten vom lieben Gott in unserer Kinderzeit waren ja ganz nett. aber sind wir damals im Glauben gewachsen? Wohl eher nicht. Aber als uns die ersten Stürme des Lebens umzuwehen drohten, da merkten doch wohl die meisten von uns, dass da doch einer ist, der uns trägt und schützt und uns zur Seite steht.

    Mit dem Wasser können wir auch den Fluss unseres Lebens beschreiben. Mal rudern wir ganz beschaulich auf diesem Fluss dahin. Und manchmal müssen wir all unser Können aufbieten, damit wir nicht in den Stromschnellen kentern.

    Wer den Herrn Jesus als Fundament seines Lebens weiß, der kann auch in derartigen Situationen ganz gelassen den Stromschnellen entgegentreten, denn er hat ja den Kapitän an Bord, der die Gewässer besser kennt als er selbst und der dafür sorgt, dass er ohne Schaden zu erleiden, an seinem Bestimmungsort ankommt.

    Lasen Sie uns doch dies den Menschen weitersagen, die dieses Fundament noch nicht kennen. Seien wir ganz einfach fröhliche Fundamentalisten voller Gottvertrauen.

Paul Gerhardt, der gewiss so manchen Schicksalsschlag in seinem Leben erlebt hat, war übrigens auch ein fröhlicher Fundamentalist. So konnte er auch in den schwersten Stunden seines Lebens das Lied „Du meine Seele singe…“ (EG 302) von ganzem Herzen singen, dessen erster Vers lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle neue Woche.
Es grüßt Sie bis zur nächsten Predigt alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber